KRITIK:

Regisseur Jean-Pierre Jeunets („Delikatessen“, „Alien: Die Wiedergeburt“)
tritt also mit seinem neuesten Streifen „Mathilde - Eine große Liebe“ in die
übergroßen Fußstapfen seines grandiosen Filmes „Die fabelhafte Welt der
Amelie“. Beinahe unfair, dass sich Mathilde nun mit diesem Überkaliber
messen muss. Dennoch gibt es einige Parallelen zwischen „Amelie“ und
„Mathilde“, so wäre zum Beispiel interessant zu erwähnen, dass Jeunet sein
neues Werk mit beinahe demselben Team wie bei „Amelie“ gedreht hat, man
denke zum Beispiel nur an Audrey Tautou, die uns schon 2001 als Amelie so
entzückte.

Der Trailer des Films, der meiner Meinung nach zu den besten Vorschauen
zählt, die ich je gesehen habe, ließ mich einiges erwarten. Und im Hinblick
auf diesen ist man im Nachhinein betrachtet doch ein wenig enttäuscht. Zu
sehr wurden große Gefühle und eine herzzerreißende Liebesgeschichte
propagiert. Ich schwöre, mit standen bei der Filmvorschau die Tränen in den
Augen, beim Betrachten des Films kein einziges Mal.
Die Geschichte zweier Liebenden, die der Krieg auseinander reißt, ist
zugegeben nicht originell, da wir sie ohnehin schon aus genügend anderen
Filmen kennen. Jeunet versucht anscheinend dieses Manko zu überdecken, indem
er zusätzlich zur LiebesSTORY, Merkmale einiger anderer Genres einfließen
ließ. Doch das entwickelt sich zum Bumerang, denn bekanntlich vertreiben
nicht nur zu viele Köche, sondern auch zu viele Zutaten den Brei. „Mathilde“
könnte man beinahe als „Liebeskriegsdramakrimi“ bezeichnen, und so
verwaschen wie der Ausdruck, sind zeitweise auch die Handlungsstränge des
Films.
Dennoch ist „Mathilde – Eine große Liebe“ ein guter Film. Warum?
Nun, das größte Plus des Films ist unbestritten die Hauptfigur Mathilde und
dessen Darstellerin Audrey Tautou. Mit unglaublicher Überzeugung gelingt es
Tautou, die von Kinderlähmung gezeichnete, lahmende, aber willensstarke und
von ihrer Intuition getriebene Mathilde zu verkörpern. Eine großartige
Schauspielerin, toll! Überhaupt agiert die Schauspielerriege durchwegs
tadellos, und, Überraschung, Jodie Foster verblüfft in einer kleinen, aber
feinen Rolle!
Optisch ist der Film ein Traum. Die wunderschönen Bilder und die
Kameraführung beeindrucken den Zuseher, perfekt mit der Musikuntermalung
abgestimmt. Die Ausführung des Films ist natürlich exzellent, die Atmosphäre
des Films sehr stimmig. Das stimmt wieder fröhlich.