HORROR/SPLATTER: USA, 2007
Regie: Adam Green.
Darsteller: Joel David Moore, Tamara Feldman, Deon Richmond, Robert Englund
Label: Sunfilm
"This is the new shit" kreischt Marilyn Manson während der Titelcredits. Falsch, Mr. Manson. Nichts, aber auch gar nichts ist neu an diesem Slasher, der auf diversen Festivals frenetisch abgefeiert wurde: Charaktere mit dem Tiefgang einer Regenpfütze, nerviges Zickengeschnatter und eine "Story", die auf einen Bierdeckel passt, verweisen direkt auf die frühen Achtziger, der Blütezeit des harten Slasher-Genres.
Eine Touristengruppe wird in den Sümpfen Lousianas von einem grotesk verunstalteten Axtmörder dezimiert. So weit, so "innovativ". Da sich der Streifen glücklicherweise selbst nicht allzu ernst nimmt, vergeht die Zeit recht flott; der eine oder andere nette One-Liner sorgt für Schmunzeln. Das letzte Filmdrittel gerät dann zu einer Leistungsshow für FX-Veteran John Carl Buehler: Von diversen Gegenständen durchbohrte Körperteile, abgerissene Gliedmaßen und meterhohe Blutfontänen dürften für Freudentränen unter Gorehounds sorgen. Und gerade, als der Film beginnt, richtig Spaß zu machen, ist er auch schon wieder zu Ende. Die Mini-Laufzeit von 75 Minuten dürfte wohl auf das Re-Editing zurückzuführen sein, aufgrund dessen der Film von "extreme violence and gore" auf "Rated R for strong bloody horror violence, sexual content, nudity and language" zurückgestuft wurde.
Sunfilm präsentiert Hatchet uncut in einer aufwendigen 2-Disc-Special Edition im hübschen Metallschuber.
WERTUNG: 6 von 10 Touristenbooten im Sumpf
OT: Just before Dawn
HORROR: USA, 1981
Regie: Jeff Liebermann.
Darsteller: George Kennedy, Mike Kellin, Chris Lemmon
Label: CMV-Laservision
Schon zu Beginn der Achtziger Jahre gehörten ultra-kurze Röcke und
über dem Bauchnabel zusammengebundene Blusen zur Standard-Adjustierung
junger Frauen auf Campingurlaub in unberührter Natur.
Zumindest im Slasher-Genre. Dass derlei unzüchtiges Outfit das Interesse von mörderischen Hinterwäldlern weckt,
die nicht danach aussehen, als würden sie zu den Gewinnern der freien sexuellen Marktwirtschaft
(um mit Michel Houellebecq zu sprechen) zählen, muss die weibliche Belegschaft dieses Films schmerzhafterweise an ihren wohlgeformten Bodies erfahren.
Recht spannende Frühachtziger-Slasherkost lässt das beliebte CMV-Label auf die geneigte Zielgruppe los.
Der Film hat allerorts vergleichbar gute Kritiken bekommen, was daran liegt, dass er seine Charaktere ernst nimmt und eher auf Atmosphäre denn auf Meuchelszenen setzt. Obwohl: Die gibt's natürlich auch ;-)
Die Bildqualität geht in Ordnung, liegt aber etwas unterhalb des üblicherweise von CMV erwarteten Qualitäts-Levels, was auf das mangelhafte Ausgangsmaterial des 25 Jahre alten Films zurückzuführen ist.
Egal, Freunde des Genres werden solide unterhalten und können bedenkenlos zugreifen. Als Extras gibt's Trailer, Bildergalerie und einen Audiokommentar von Regisseur Jeff Liebermann.
Erhältlich in diversen Geiz-Märkten oder bei einschlägigen Mailorders,
z.B. dtm.at.
WERTUNG: 6 von 10 Macheten
ACTION: HK, 1990
Regie: Ringo Lam.
Darsteller: Danny Lee, Olivia Hussey, Peter Liapis, Vernon Wells
Label: Atomik Films
Die selbsternannte "World Liberation Army" will - Zitat - "die Ausbeutung
der Dritten Welt durch amerikanische Imperialistenschweine stoppen".
Dieses hehre Ziel gedenkt die Terrororganisation mit Bombenanschlägen in
Hongkong zu erreichen. Ein grimmiger CIA-Agent drängt der überforderten Hongkong-Police seine
Hilfe auf und versucht ein Massaker an einer US-Wirtschaftsdelegation zu
verhindern.
In neu remasterter Uncut-Fassung erscheint dieses Frühwerk von Hongkongs
Action-Experten Ringo Lam nun auf DVD.
Auch wenn der Mann ein eher simples Weltbild mit klar abgesteckten Fronten
zwischen Gut (=Amerika) und Böse (=China, Russland etc.) besitzt,
versteht er sich auf solide in Szene gesetzte Thriller mit passablen Bodycount.
Zwischen Massakern in Kirchen, Motorboot-Verfolgungsjagden und Verhör-Szenen erzählt Lam eine für B-Movie-Verhältnisse
erstaunlich stringente und logikfehlerarme Story.
Die Besetzungsliste wird von Danny Lee ("The Killer") und Olivia Hussey ("Insel der Verdammten")
geschmückt. Der Terroristenboss trägt zwar einen klingenen Namen - nämlich "Hannibal", leidet aber an schmerzlichem
Charisma-Mangel - und wird deshalb mit einem äußerst kreativen Filmtod bestraft.
Für HK-Actionfans.
WERTUNG: 5 von 10 Schießereien
OT: Bride with the White Hair
FANTASY/ACTION: HK, 1993
Regie: Ronny Yu.
Darsteller: Brigitte Lin, Leslie Cheung, Francis Ng
Label: Amazia
Als "Bride with the White Hair" sorgte dieser Martial Arts-Fantasy-Hybrid
1993 für Furore und entwickelte sich zum Objekt der Begierde westlicher
Hongkong-Filmfans, die für Privat-Importe tief in die Kasse zu greifen
bereit waren. Umso unverständlicher, dass der gesuchte Kultfilm jetzt
unter dem Wald-und Wiesen-Titel "Das unbesiegbare Schwert"
in die Regale gestellt wird.
Was der spätere Hollywood-Exilant Ronny Yu (u.a. Freddy vs. Jason) hier
vom Stapel lässt, hat es wahrlich in sich: Rasant gefilmte Schwertkämpfe,
die die Schwerkraft für aufgehoben erklären, eine traumschöne
Fantasy-Kulisse und diese unwiderstehliche, leicht surreale
Hongkong-Ästhetik in bester Chinese Ghost Story-Tradition.
Die 18er-Freigabe ist wohl auf die Vorliebe des Regisseurs für dekorative
Blut-Fontänen zurückzuführen. Fans des Genres kaufen noch heute - und
bekommen eine traditionelle chinesische Märchengeschichte um
Schwertkämpfer, unterdrückte Völker, böse Hexen und einen mächtigen
"Wu-Tang-Clan" (sic!) vorgesetzt, mit den HK-Superstars Leslie Cheung
("Bullet In The Head") und Brigitte Lin ("China Swordsman") in den
Hauptrollen. Und die Limited Gold Editions aus dem Hause Amazia sind immer wieder eine Augenweide.
WERTUNG: 7 von 10 unbesiegbaren Schwertern.
ACTION/FANTASY: HK, 1998
Regie: Andrew Lau Wai-Keung.
Darsteller: Aaron Kwok, Ekin Cheng, Sonny Chiba
Label: Amazia
1998, also kurz nach der Wiedereingliederung Hongkongs ins Mutterland
China, entstand dort der bis dato teuerste HK-Film aller Zeiten.
Als digital aufgepimpter Fantasy-Blockbuster, der Hollywood mit seinen
eigenen Waffen schlagen sollte, wurde Stormriders ins Rennen geschickt.
Und siehe dar: Das chinesische Publikum war begeistert und stürmte die
Kinos. Und selbst im europäischen Abendland brach so mancher Kritiker in
Begeisterungsstürme aus. Warum eigentlich? Was 1998 in Sachen CGI
bahnbrechend gewesen sein mag, wirkt anno 2007 doch etwas ärmlich; jedes
Playstation-Game kann heute mit besseren Effekten aufwarten.
Die zahlreichen Kämpfe fallen durch grandios überzogene Wire-Technik und
allerlei phantastischen Hokuspokus auf; fliegende Kämpfer, Lichtblitze und
Feuerbälle, wohin man blickt. Die Schauspieler, allesamt schöne
chinesische Popstars, wurden offensichtlich nach Haarlänge gecastet und
dürfen mal schmachtend, mal verwegen, mal wild entschlossen in die Kamera blicken.
Einziger schauspielerischer Lichtblick: Eastern-Legende Sonny Chiba, der
als größenwahnsinniger Eroberer, der sich mit seinem missratenen Nachwuchs
herumschlagen muss, einige Charisma-Punkte sammelt.
Fazit: Sehr buntes, seeehr kindisches, aber irgendwie doch recht
kurzweiliges Blockbuster-Spektakel made in Hongkong mit Computer-Effekten
wie aus dem technischen Museum. Digital war und ist eben nicht besser.
WERTUNG: 4 von 10 Feuer speienden Drachen.
Wieder mal 'nen Frisör-Termin verschlafen He's got the look
ACTION: KOR, 2003
Regie: Kim Ui-seok.
Darsteller: Choi Min-su, Jo Jae-hyeon, Kim Bo-kyeong
Label: Amazia
Eine Mordserie unter hochrangigen Ministern hält das historische Korea in
Atem. Der König beauftragt seinen Leibwächter Yun, der aufgrund seiner
Qualifikationen in Sachen Mord und Totschlag ehrfurchtsvoll "Der
Menschenschlächter" genannt wird, endlich den mysteriösen Killer zu
erledigen. Bald stellt sich heraus, dass ein alter Blutsbruder aus
Militärakademie-Zeiten die Seiten gewechselt hat: Vom loyalen Untertanen zum
Rebellen und Attentäter...
Mit "Sword in the Moon" bringt das auf asiatische Filmware spezialisierte
Label "Amazia" ein Swordsplay-Spektakel auf den Markt, das ganz ohne Hokuspokus und Flugstunden über Bambuswäldern auskommt. Die Akteure bleiben am Boden und treten nach dem guter alten
"Auge-um-Auge-Zahn-um-Zahn"-Prinzip gegeneinander an, was für forcierte Härte und einen erfreulich düsteren Tonfall sorgt.
Atmosphärisch liegt diese koreanische Produktion deutlich näher beim "Gladiator" als bei, sagen wir "Tiger and Dragon".
Auch in Punkto Ausstattung, Inszenierung, Choreographie, Optik und Soundtrack gibt's wenig zu meckern;
allein die Rückblenden hätte man kürzen können. Und ja, die Pathos-Überdosis im Finale auch. Auch wenn die endlos ausgewalzten
Loyalitäts- und Männerrituale irgendwie zum Genre gehören. Alles in allem Überdurchschnittlicher Schwertkampf-Stoff, Fans können zuschlagen.
WERTUNG: 7 von 10 Schwerthieben.
ACTION/DRAMA: KOR, 2006
Regie: Yang Yun-Ho.
Darsteller: Lee Seong-Jae, Choi Min-Su, Jang Se-Jin
Label: Amazia
Seoul, 1988: Die Stadt wird für die bevorstehende Olympiade aufgeputzt. Da passen Elendviertel nicht ins Bild: Die Regierung lässt die Armenviertel mithilfe von brutalen Schlägertrupps räumen, um Platz für Protzbauten zu machen. Bei einer Räumungsaktion wird der gehbehinderte Bruder von Ji erschossen, er selbst verhaftet und brutal gefoltert. Doch Ji kann gemeinsam mit einer Gruppe von Mithäftlingen fliehen. Die anschließende Geiselname wird die Nation eine Woche lang in Atem halten.
"Based on a true story" ist dieses Action-Drama, das einen kritischen Blick auf Koreas jüngere Geschichte wirft. Regisseur Yang Yun-ho hat mächtig Wut im Bauch und nennt die Dinge beim Namen: "Wenn man Geld hat, dann ist man vor Gericht unschuldig. Hast Du keine Schuld und leider auch kein Geld, bist Du schuldig… Das ist die ver**ckte Justiz von Korea." (Zitat aus dem Film).
State of Violence ist ein über weite Strecken spannend und effektvoll ins Szene gesetztes Action-Drama. Die erste Filmhälfte erinnert an Knast-Filme der oberen Härte-Liga, also irgendwo zwischen Lock up und sogar Story of Ricky (minus dessen Fantasy-Elemente),
während in der zweiten Hälfte der Drama-Anteil überwiegt. Einigen packenden Höhepunkten stehen aber auch vereinzelte Tiefschläge entgegen. Dazu muss die grotesk überzeichnete Bösewicht-Figur ebenso gezählt werden wie die nach Landessitte extrem dick aufgetragenen Pathos-Attacken samt bedeutungsschwangerer Kitsch-Musik im Finale. Weniger wäre da definitiv mehr gewesen.
Dennoch ein überdurchschnittlicher, harter und auch inhaltlich kompromissloser Film, den Freunde des asiatischen Kinos gewiss nicht bereuen werden. Großes Lob an Amazia: Das junge Label präsentiert den Film in einer exzellenten Bildqualität, wie man sie nicht alle Tage sieht.
WERTUNG: 7 von 10 Bee Gees-Songs.