FILMTIPPS NACH GENRE
Die letzten Glühwürmchen
OT: Hotaru No Haka / Grave of the Fireflies
ANIME; J, 1988
Regie: Isao Takahata
Darsteller: -
Eine Geschichte von zwei Kindern im Krieg…
KRITIK:Es gibt sie. Filme, die einen selbst als ZuseherIn verändern und einen anderen Menschen aus einem machen. Und es gibt manche Filme, die einem das cineastische Weltbild verändern: Vor den letzten Glühwürmchen verabscheute ich Animes (=japanische Zeichentrickfilme), da sie für mich meinst nur niveaulose Kinder- und Freak-Unterhaltung waren. Mit japanischem Film fing ich ebenso wenig an. Und Kriegsfilme mag ich bis heute nicht. Wie falsch man doch liegen kann!
Der Film transportiert ein Meer von Gefühlen - abseits dessen was man je für möglich gehalten hat, obwohl - oder vielleicht gerade weil - es sich um einen Zeichentrickfilm handelt. Das ganze aber auf einem Niveau, welches mit sterbenden Bambies, Mufasas und Einhörnern nichts - aber auch gar nichts - mehr zu tun hat. Eigentlich ist bereits der Vergleich lästerlich. Diesen Film kann man getrost all jenen zeigen, die sonst Animes hassen. Sie werden eines besseren belehrt werden und sehen, dass es sehr wohl niveauvolle, tiefgründige und philosophische Zeichentrickfilme gibt, auch wenn man dies nach jahrzehntelanger Disney-Sozialisation vielleicht nicht glauben mag.
Wenn es etwas gibt, was der japanische Film am besten kann, dann ist es eine Geschichte abseits von Gut-und-Böse-Kategorisierung zu erzählen. Der Film handelt zwar von zwei japanischen Kindern im Krieg, aber weder sind die Japaner die Guten, noch die Amerikaner die Schlechten. Es gibt keine gute Fee, die zu den Kindern kommt und hilft, es gibt keinen Bösewicht, der sie quält, der Krieg ist nicht Thema des Films - er passiert einfach. Das Leben ist wie es ist. Weder gut noch schlecht und doch ist es beides zugleich. Niemand erhebt einen moralischen Zeigefinger und sagt: "Seht her, Krieg ist schlecht." Und doch prügelt der Film mit solcher Wucht auf das Emotionszentrum des Rezipienten, dass man nur ohnmächtig an die Brutalität auf den Kriegs-Schauplätze dieser Welt denken kann, wo sich die Handlung dieses Films täglich wiederholt.
Der Film ist kein Kriegsfilm. Es erzählt nur die Geschichte von zwei Kindern im Krieg, die im Übrigen auf der wahren Lebensgeschichte des gleichnamigen Buches des Autors beruht. Janis El-Bira schreibt in seinem hervorragenden Review "Immer wieder wird gesagt, Hotaru No Haka sei eine Geschichte vom Überleben - nein, es ist eine vom Sterben". Dem ist nicht viel mehr hinzuzufügen.
Vergleiche zu diesem Film gibt es genug. Die Zeitschrift "Die Zeit" schrieb, dass "Schindlers Liste im Vergleich zu diesem Film wie eine Komödie wirkt."
Dies ist fast eine Untertreibung. Die meisten Freunde, denen ich den Film gezeigt habe, haben gesagt, dass dies der beste Film war, den sie je gesehen haben - jedoch auch einer, den sie nie wieder sehen wollen. Wer einen Stimmungskiller für seine Party sucht oder mal seine besten Freunde im Kollektiv weinen sehen will, sollte zugreifen.
Die deutsche Synchronisation, angefertigt von Arte, ist übrigens hervorragend, man kann dieses Meisterwerk also auch getrost in der deutschten Version betrachten. Die DVD ist wie bei anderen Japan-Importen gewohnt lieblos (oft der einzige Kritikpunkt in den Amazon-Rezensionen), zum Glück wurde das Ganze nun aufgrund der großen Nachfrage durch eine neue Collectors-Edition ausgeglichen, die vor einigen Monaten herauskam. Die Altersfreigabe ab 6 Jahren zeigt nur, dass kein Mensch bei der FSK diesen Film je gesehen hat (Zeichentrick = Kinderfilm gilt dort auch im Jahre 2007 wohl immer noch).
Über die Story im Detail werde ich nun nichts schreiben, dafür gibt es genug andere Reviews. Sagen möchte ich noch, dass es unter den tausend Filmen, die ich in meinem Leben gesehen habe, nur zwei 10 von 10 Punkten Filmen gibt. Dies ist einer davon.
Wer sich aber durch meine Lobhudelei nicht überzeugen lassen will, der kann auch gerne andere Kritiken als Referenz nehmen. Selbst Kritikerpapst Roger Ebert, der sonst Zeichentrick auf die Pest hasst, reiht diesen Film unter die besten 10 der Welt. Auf der englischen Amazon-Seite hat Grave of the Fireflies
- so der englische Titel - 547 Reviews, wobei 508 (!!!) fünf von fünf Sterne-Kritiken sind (so was gibt's sonst eigentlich gar nicht!). Und so fort.
Darum: Schaut euch den Film an - auch wenn ihr Zeichentrick hasst. Auch wenn ihr keine Kriegsfilme mögt. Und auch wenn ihr mit asiatischem Film nichts anfangen könnt. Ihr werdet es nicht bereuen!
Schließen möchte ich mit einem Zitat eines Vaters, das ich selbst auf der Arte Web-Seite gelesen habe, nachdem ich den Film zum ersten Mal im Fernsehen sah:
"Nachdem ich "Die letzen Glühwürmchen" gesehen habe, war ich zuerst einmal still. Nach Minuten ging ich die Treppe hinauf, in das Zimmer meiner Kinder, die da in ihrem Bett still schliefen. Tränen brachen aus mir wie ein Wasserfall, ich stand da und weinte. Dann umarmte ich sie ganz fest, hielt sie eine Ewigkeit. Und ich spürte die ganze Liebe zu meinen Kindern wie noch nie zuvor. (…)"
ich empfehle---> "Wenn der Wind weht"
nicht ganz so traurigschön wie dlG, aber genauso sehenswert!
ich mag diesen Film obwohl er sooooo traurig ist. zudem mach ich Mangas.
Doch dieser Film hat Gefühle in unserer Famile verstärckt, die immer schon vorhanden waren.
ich habe diesen Film besorgen müssen nachdem ich ihn in ARTE gesehen habe. Vertung 10/10.
liebe Grüße aus Wien
Seht euch den Film an und ihr wisst was ich meine.
Aber vielleicht habe ich da etwas zu sehr die Erwartungshaltung hochgelobt und dadurch den Film verdorben? Täte mir sehr leid. Harald hat er scheinbar auch nicht so gefallen (aus politischen Gründen?).
Andererseits fühle ich mich anhand der mitunter über 110 5 von 5 sternen reviews auch auf dem deutschen Amazon bestätigt. Und für mich bleibt er trotzdem einer von 2 10 von 10 punkten Filmen :-)
ansonsten heiße kanditaten für 10 von 10 (haben es aber nur auf 9 von 10 geschafft wegen irgendwelchen minimalen mängeln:
* citizen kane
* amelie
* memories of matsuko
* braking the waves
* princess mononoke
gibt also auch nicht viel mehr :-)
Vertigo von Hitchcock,
8 1/2 von Fellini,
Mord an einem Chinesischen Buchmacher von Cassavettes,
1900 von Bertolucci und
Citizen Kane (da treffen wir uns beinahe;-)
Ein wunderbarer Film,der mich immer wieder zum heilen bringt.
10/10 + 100 Punkte
Eine Sache an diesem Film ist m.E. ziemlich problematisch: Der Film tut so, als wäre Japan ein schuldloses Opfer eines Bombenkrieges, der einfach so über das Land herein gebrochen ist. Die ganze Vorgeschichte wird elegant ausgeblendet. Man muss wohl nicht extra ausführen, mit wem Japan im 2. Weltkrieg verbündet war und welcher Verbrechen sich das Kaiserreich schuldig gemacht hat.
Ich will dem Film jetzt weder Propaganda noch Geschichtsfälschung unterstellen. Aber indem er nur die eigenen Opfer zeigt und die Täter, die den Krieg losgetreten haben, mit keinem Wort erwähnt, bleibt zumindest ein unguter Nachgeschmack.
Tokio sieht sich bekanntlich (?) bis heute als "reines Opfer", ohne jede Mitverantwortung als Kriegsverursacher. Vergangenheitsbewältigung? Fehlanzeige!
Schon klar, der Film handelt von Kindern im Krieg. Die haben den krieg nicht begonnen, sie verstehen ihn
nicht, sie wissen nicht warum er passiert...
Aber trotzdem kann man diesen Film m.E. nicht losgelöst von der japanischen Politik betrachten, die - im Gegensatz zu Deutschland oder Österreich - sich nie ihrer Vergangenheit gestellt hat...
Referat Ende.
Man kann einen ähnlichen Film auch über das heutige Burma oder zur Zeit des Vietnamkrieges oder der Krieg in Exjugoslawien, Iran, Irak usw. machen.
Die zivilen Leute vor allem die Kinder bleiben auf der Strecke. Und genau das sagt uns dieser Film.
Und nicht die Kriegsschuldfrage.
schau dir mal "Letters from Iwo Jima" an
ein Film von Clint Eastwood.
lg
Wolfgang
Und sicher auch der traurigste, den es gibt! ANSCHAUEN IST PFLICHT!!!
100 von 10 Punkten