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Amer

Amer

NEO-GIALLO: B/F, 2009
Regie: Hélène Cattet, Bruno Forzani
Darsteller: Marie Bos, Delphine Brual, Harry Cleven, Bianca Maria D'Amato

STORY:

AMER handelt von drei Momenten im Leben der jungen Ana, die ihr Leben für immer prägen sollten: Die stets schwarz gekleidete Großmutter, die den Verstand verloren hat. Der eben verstorbene Großvater. Und die Eltern, die das Mädchen durchs Schlüsselloch beim Sex beobachtet. Traumata, die sie nicht mehr abschütteln kann. Als erwachsene Frau wird sie an den Ort ihrer schlimmen Kindheit zurückkehren. Und dort auf einen Killer mit schwarzen Handschuhen und Rasiermesser treffen ...

KRITIK:

Augen. Ganz nah. Oft nur die Iris. Augen, die durch ein Schlüsselloch schauen. Augen, die zurückweichen. Augen, die Angst haben. Gleich zu Beginn wird deutlich, dass AMER ein Film über das Sehen ist. Und es gibt viel zu sehen.

Blaue Bäder. Rote Wände. Gelbe Flure. Violette Türen. Und Handschuhe. Rasiermesser. Maskierte Killer. Sonnenbrillen.

AMER ist eine Hommage an den italienischen Giallo, er zelebriert seinen Stil - intensive Farben, grandiose Musik von Stelvio Cipriani und Ennio Morricone, Close-ups, geradezu unzählige Nahaufnahmen. Wassertropfen, einzeln, im ganzen Farbenspektrum. Haut. Gänsehaut. Lippen. Röcke. Und immer wieder Augen.

AMER ist ein ausgesprochen subjektiver Film. Ein Film, der die Eindrücke des Mädchens, später des Teenagers und schlußendlich der erwachsenen Frau wiedergibt. Und er ist inszeniert wie ein Drogenrausch. Farben ändern sich, Zeit wird gestreckt und gedehnt, Geräusche sind unnatürlich laut und endlos lang.

AMER ist vielleicht auch ein Film über die Angst vor der männlichen Sexualität. Von allen Männern geht eine Agressivität aus, die geradezu unheimlich ist. Ob diese Bedrohung real ist, ist unerheblich. An diesem Punkt ähnelt der Film vielleicht noch am ehesten Polanskis EKEL.

AMER kann man nicht verstehen. Verstehen wird ohnehin überschätzt. AMER sehen heißt ihn zu verstehen.

Amer Bild 1
Amer Bild 2
Amer Bild 3
Amer Bild 4
Amer Bild 5
FAZIT:

Die sehnsüchtig erwartete Hommage an den klassischen italienischen Schlitzerfilm ist ein visuelles Fest, das seinen Stil zelebriert wie kaum ein anderer Film in den letzten Jahren. Gesehen auf dem FantasyFilmFest. Und hoffentlich bald regulär dort, wo er hingehört: Auf der ganz großen Leinwand. Bitte!

WERTUNG: 9 von 10 Augen in Großaufnahme
TEXT © Marcel
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Dein Kommentar >>
Gregor | 04.02.2011 19:59
Nachdem ich monatelang einer DVD-Veröffentlichung entgegengefiebert hatte, um diesen fast überall sehr gelobten Film endlich zu sehen, habe ich jetzt die neue englische DVD gesehen. Und ich muss sagen, dass ich leider ein klein wenig enttäuscht bin. Vielleicht liegt es an meinen mit der Zeit immer weiter gewachsenen Erwartungen, vielleicht muss man diesen Film auch einfach im Kino sehen.

Natürlich ist AMER optisch und akustisch brilliant gemacht. Abe auf mich wirkte der Film ein wenig, als ob die beiden einen ihrer Kurzfilme (auch auf der DVD) einfach auf Spielfilmlänge aufgelasen hätten bzw. noch ein wenig schlimmer: als ob die mehrere aufgeblasene Kurzfilme einfach aneinandergestückelt hätten.

Mir hat der völlig unbekannte HATE 2 O jedenfalls insgesamt besser gefallen. Der zieht sich zwar auch wie Kaugummi, ist jedoch meiner Ansicht nach wenigstens wirklich innovativ und hat eine recht interessante Grundidee.

AMER wirkte auf mich ein wenig wie ein "Best-of-Giallo" - extrem retro und zugleich auf HD-Musikvideo-Ästehtik getrimmt. Gibt für mich nur 7/10 Punkte her.
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Chris | 30.08.2010 20:27
Danke für die schöne Review! Und falls es nicht mit der großen Leinwand klappen sollte, freu ich mich schon wahnsinnig auf die DVD... : )
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