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Der seltsame Fall des Benjamin Button

Der seltsame Fall des Benjamin Button

OT: The Curious Case of Benjamin Button
DRAMA: USA, 2008
Regie: David Fincher
Darsteller: Brad Pitt, Cate Blanchett, Tilda Swinton, Elias Koteas

STORY:

Die Geschichte eines Mannes, der als Greis geboren wird, rückwärts altert und in der Mitte seines Lebens die Liebe findet...

KRITIK:

...die sich als höchst vergänglich erweist. Und damit hätten wir auch schon das zentrale Motiv dieses opulenten, fast dreistündigen Epos erwähnt: Es geht um die Vergänglichkeit, ums Altwerden, den körperlichen und geistigen Verfall, um die Unausweichlichkeit des Todes. Alles im Leben ist vergänglich, so will es David Finchers Film in jeder seiner 160 Minuten Laufzeit sagen.

Das ist natürlich harter Stoff - und gerade in der letzten halben Stunde bläst Fincher zum Großangriff auf die Tränendrüsen. Aber keine Angst: Der Film ist nicht berechnend sentimental oder gar kitschig, no, no, die ganze Tragik und Melancholie ergibt sich aus der Geschichte. Wie der immer jünger werdende Mann (Brad Bitt) und die alternde Tänzerin (Cate Blanchett) die wenigen Momente des Glücks, die ihnen gewährt sind, genießen, wohl wissend, das alles ein Ablaufdatum hat, das ist ganz großes emotionales Überwältigungskino.

An dieser Stelle ein kleine Warnung für die Mehrheit der Kinokartenkäufer(innen), die den Film allein aus Schmachtgründen sehen wollen: In seiner ganzen jungenhaften Schönheit ist Brad Pitt gerade mal zehn Filmminuten zu sehen. Den Rest verbringt er unter einer perfekt gemachten Maske als alter Mann.

Und sonst: Ja, der Film hat jede einzige seiner verdammten 13 Oscar-Nominierungen redlichst verdient. Ausstattung, Kamera, Make-Up, Effekte, Schauspieler, Drehbuch: Alles vom feinsten. Schön auch, wie David Fincher, dessen Kunst wohl endgültig im (gehobenen) Mainstream angekommen ist, immer noch bizarre Einfälle und Anflüge von schwarzen Humor einfließen lässt. Ich sage nur: Der Running Gag mit dem Blitz...

Einziger Wermutstropfen: Mit 160 Minuten eben doch zu lange; weniger wäre wohl mehr gewesen. Und ja, man merkt der Erzählung an, dass es eine Literaturvorlage gab. Leider ist die nicht frei von schön klingenden, aber doch verdammt banalen Kalenderweisheiten Marke "Das Leben wird von Gelegenheiten geprägt, auch von denen, die wir versäumen." Auch hier gilt: weniger wäre mehr gewesen - zumal die Geschichte für sich selbst spricht und dieses "literarische Aufpimpen" gar nicht nötig gehabt hätte.

Der seltsame Fall des Benjamin Button Bild 1
Der seltsame Fall des Benjamin Button Bild 2
Der seltsame Fall des Benjamin Button Bild 3
FAZIT:

Der seltsame Film Benjamin Button: Überlang, überperfekt, überstilisiert und dennoch essentiell und wahr.

WERTUNG: 8 von 10 Uhren, die rückwärts laufen
OK? MEHR DAVON:
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Dein Kommentar >>
Nico | 13.02.2009 00:51
Hab ihn heut endlich gesehen. Find ihn gut... aber nicht richtig gelungen.

Erstes Makel: Brad Pitt. Leider! Es stört einfach diesen schönen Mann beim jünger werden zu zugucken... -
In jeder Szene schreit das Bild "Brad Pitt"... was untergeht ist die Figur Benjamin Button.

Da sind wiederum zwei Mängel festzustellen: zum ersten das CGI- MakeUp, bei dem eher gekleckert als gekleckst wurde und nie richtig authentisch wirkt, manchmal richtig fremdartig und nur bei reduziertem Licht optisch akzeptabel. Bei Brad etwa die Augenpartie, bei Cate durchgehend die Gesichtshaut... - wenn chirurgische Effekte von der Figur ablenken, hat man etwas falsch gemacht.

Brad Pitt also, find ich fehlbesetzt... die Figur Button grauslich auf "Mann-altert-jung" reduziert. Der Mann hat keine Ecken, keine Kanten, er ist perfekt und das Leben zieht an ihn vorüber... ohne, dass er Eigenschaften entwickelt, die ihn persönlicher machen. Er bleibt von alt bis jung ein gutaussehender Langweiler. Flucht nicht, jammert nicht, ist nicht so richtig eifersüchtig, weder wütend noch irgendwie leidenschaftlich. Er ist ein "pefekter" Typ... - und das find ich irgendwie langweilig. (diese Eigenschaftlosigkeit ist auch der größte Vergleichspunkt zu Forrest Gump, allerdings wurde diese Figur von einem brachial symphatischen, weil lebhaften Tom Hanks verkörpert)

Weiterer Drehbuchmangel steckt in der Liebe zur Hauptproblematik "Vergänglichkeit". Da wurde wirklich zu dick aufgetragen, denn es gibt keine einzige Dialogpassage, die nicht davon handelt, die nicht mit einer Weisheit auftrumpft etc. - Ich bin mir sicher, das checkt man erst beim zweiten Mal gucken erst so richtig... -

Tja... das bisschen Sentiment konnte ich auch ertragen. Was für ein Film wäre es von Spielberg gewesen, frag ich mich. Weit weg dürfte das Ergebnis nicht stehen... - ungewöhnlich von Fincher derart Romantik serviert zu bekommen.
Ich hoffe, das Projekt war jetzt nur n Seitensprung und er kehrt bald zu seinen Leisten zurück.

Optisch ist der Film grandios. Perfekte Lichtstimmungen. Manchmal auch sehr gewagt dunkel, dann auch mutig knallhart gegen Licht. Schöne Ästhethik, die bei Fincher einfach sitzt;

Niedliche Symboliken... Kolibri (die Schönheit und Perfektion eines Zeitbruchteils), Hurricane (die Zeit gegen den Uhrzeigersinn; so wie sich die Naturgewalt dreht) ;

Ganz nett der Film. Ein Liebesfilm. Zu viel Liebesfilm. Zu wenig Lebenschronik. Zu wenig Charakterstudie. Zu nah an Oberfläche. Zu viel von zwei Stars, zu viel Makellosigkeit... Sentimentalität und auch Kitsch.
Leider! Hätte ein großer Film werden können. Reicht an Forrest Gump bei weitem nicht ran.
7 1/2 von 10 Schichten Gesichtsmörtel
Ranger | 13.10.2009 21:44
Kann dir eigentlich nur zustimmen.

Hab mir von den Film auch viel mehr erwartet. Forest Gump spielt auf jeden Fall in einer anderen Liga.
Dazu ist die Laufzeit viel zu lang (was mich zwar eigentlich nicht stören würde wenn mir der Film gefällt)

6,5/10
>> antworten
Ralph | 04.02.2009 13:12
Fand ihn eigentlich auch ueberwiegend seicht, aber ab einem gewissen Punkt hat er mich trotzdem beruehrt. Das gilt auch fuer Australia. Kann man beide an einem schwachen Abend durchaus ansehen. Wenn man geistig und emotional allerdings gerade stabil ist, sollte man schon wenigstens ein bissi abgestoszen werden;-)
>> antworten
Tintifax2000 | 04.02.2009 00:25
wie schon ein Vorkommentierer geschrieben hat - handwerklich gut gemacht, keine frage, jedoch Kritikpunkte:

a) Brachialsymbolik

es muss jeder zentrale Satz durch der Handlung sehr schmalzig unterstrichen werden, zb

"wirst du mich noch lieben wenn ich akne hab" [-> in der relevanten szene zoom auf die völlig unrealistisch grossen wimmerln ...]

oder

"nothing lasts forever ..." - war klar dass das haus dann überschwemmt wird und die uhr abmontiert ....

b) Überlänge

es bleibt zu vermuten, dass Herr Fincher eine Prämie für die Überlänge bekommen hat - lieber David - man kann auch getrost szenen rausschneiden, wenn sie nicht relevant sind oder man muss diese nicht in die länge ziehen ...

c) Klauorgien

also wo hier überall zusammengestohlen wurde ist ja eigentlich nicht ohne, die von der FAZ so gepriesene Taxiszene ist ja von der Machart her zumindest aus der Fabelhaften Welt der Amelie gestohlen (dann auch noch in der gleichen Stadt...), nur dort war das ganze "to the point" und nicht künstlich in die länge gezogen ...

Es scheint auch so als hätte man bei Forrst Gump mal "copy & paste" gemacht - man hat nur "parkbank" gegen "krankenbett" getauscht ...

naja - 7 von 10 zusammengklauten filmszenen ...
>> antworten
Lukas | 03.02.2009 13:22
Grauenhafter Film! War mir zu viel Forrest Gump und zu wenig David Fincher...
Harald | 06.02.2009 00:27
ich bin ja einer der wenigen menschen der westlichen welt, die diesen film verweigert haben - u.a. wegen massiver tom hanks-allergie. darum gab's auch keinerlei forrest-vergleiche in meinem review.
Nic | 06.02.2009 01:10
dagegen solls schon ein mittel geben ;-)
Harald | 07.02.2009 22:06
welches?
>> antworten
Bernhard | 02.02.2009 17:05
Der Film wird ja ziemlich kontrovers diskutiert ... die Presse zB schreibt: "Es steht zu befürchten, dass diese Schwarte tatsächlich alle 13 Oscars gewinnt, für die sie nominiert wurde. So viel Südstaatenkitsch gab es seit „Vom Winde verweht“ im Jahre 1937 nicht mehr. [...] Dramaturgisch ist die Arbeit misslungen. Trotzdem muss man diesen Film mit seinen überwältigenden Bildern, mit seinem surrealen Setting wohl gesehen haben" ... bin gespannt ;)
Harald | 02.02.2009 22:25
das mit der "schwarte" stimmt schon ein bissl. fincher trägt schon verdammt dick auf. aber der mann hat was zu sagen, drum wird ihm verziehen.
>> antworten
Patrasch | 02.02.2009 10:39
Der Film ist vor allem handwerklich gut, aber keineswegs so originell wie man erwarten könnte. Die Ähnlichkeit zu Forrest Gump ist wirklich eklatant. Das Ende hat mich aber eigentlich schon ziemlich berührt... 8/10
Patrasch | 02.02.2009 11:34
Hier die Ähnlichkeiten zu Forrest Gump:

hodenmumps.to/videos/der-seltsame-fall-des-benjamin-gump more7636
Nic | 02.02.2009 17:24
war ich doch nicht der einzige dem die gump-szenen aufgefallen sind :-)
wahrscheinlich zu lange her für die academy dass es auffällt, im übrigen ist ja slumdog millionaire eigentlicher favorit.
Patrasch | 02.02.2009 17:41
ist ja auch der gleiche Drehbuch-Autor...peinlich ;)
>> antworten
Nic | 02.02.2009 00:17
die überstilisierung + der pefektionismus ist even typisch fincher, und passt nicht zu so einem drama. war auch nicht überwältigt, aber sehenswert auf jedenfall. sie wollten auf jedenfall zuviel in einem film unterbringen, richtig fad war er aber nie.
9/10
Wolfgang | 12.02.2009 02:34
ich schließe mich den meinungen hier an. sehr gut gemachter film, tolle maske, alles passt zusammen, großes kino. dennoch kratzt der film meist nur an der oberfläche und ist kitischig und vorhersehbar. aber tiefgang ist wahrscheinlich auch nicht das ziel von derartigen produktionen. für mich warens 7 von 10 anti-aging kuren.
>> antworten