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Einer nach dem anderen

Einer nach dem anderen

OT: In Order of Disappearance
THRILLER: N/DK, 2014
Regie: Hans Petter Moland
Darsteller: Stellan Skarsgård, Birgitte Hjort Sørensen, Bruno Ganz, Pål Sverre Hagen

STORY:

Er hat einen krisensicheren Job: Nils Dickmann ist Schneepflugfahrer in Norwegen, einem Land, in dem es gefühlt das ganze über Jahr schneit. Er ist ein wortkarger, aber allseits respektierter und beliebter Mann. Doch mit einem Mal gerät die heile Welt des Familienvaters aus den Fugen: Sein Sohn wurde tot aufgefunden. Überdosis, sagt die Polizei. Nils glaubt kein Wort. Er weiß es besser: Es war ein kaltblütiger Mord. Und Nils, der nichts mehr zu verlieren hat, wird die Verantwortlichen zur Strecke bringen, einen nach dem anderen ...

KRITIK:

Auf unsere Nordlichter ist Verlass: In schöner Regelmäßigkeit überrascht uns Norwegen mit ungewöhnlichen Genre-Filmen, die allein schon deshalb interessant sind, weil sie aus Norwegen kommen. Klingt doof, ist aber so. Das kalte, dünn besiedelte, ölreiche und entsprechend wohlhabende Land unterm Polarkreis beherbergt eine kreative und höchst produktive Filmindustrie. Deren Spezialität sind Genre-Arbeiten härteren Zuschnitts, die stets irgendwie auch als "künstlerisch wertvoll" durchgehen und damit gelegentlich auch in konservativen Arthouse-Kinos zur Aufführung gelangen.

"Einer nach dem anderen" - englischer Alternativtitel "In Order of Disappearance" - ist bereits die vierte Zusammenarbeit von Regisseur Hans Petter Moland mit dem schwedischen Weltstar Stellan Skarsgård. Wer ihre letzte gemeinsame Arbeit "Ein Mann von Welt" (2010) gesehen hat, weiß ungefähr, worauf er sich einlässt. Erwartet werden darf ein schwer kategorisierbares Werk zwischen zwischen Drama und Rache-Thriller. Komödie ist es glücklicherweise keine - entgegen der Behauptung auf dem Filmplakat.

Was aber nicht heißt, dass der Film eine todernste Angelegenheit wäre. Eigentlich ist er doch ziemlich lustig - sofern man sich auf diese doch sehr spezielle Mischung aus schockgefrorener Lakonie und gelegentlichen Anflügen von geistesgestörtem Psychopathen-Humors einlassen kann. Wenn Gangster sich vegan ernähren, aus Überzeugung Elektroautos fahren, die Vorzüge des norwegischen Wohlfahrtsstaats preisen und sich im nächsten Moment aufführen wie blutrünstige Bestien, dann bringt das die leicht schizophrenen Tendenzen dieses Films gut auf den Punkt.

Und der Härtegrad ist auch nicht ohne.

Am schönsten fand ich die an bestimmte Schneewestern erinnernde endlose Landschaft, die der Kameramann in beeindruckenden Breitwandbildern einfängt. Wie sich gewaltige Schneepflüge durch die Einöde fräsen und ihre Lichter fast schon psychedelische Farbenspiele in den weißen Schneemassen veranstalten, alleine das ist die Kinokarte wert.

Und dann meuchelt sich Stellan Skarsgård als Racheengel mit der absägten Schrotflinte durch die norwegische Unterwelt, dass Charles Bronson und Klaus Kinski selig vom blassgrauen, wolkenverhangenen Himmel herunterlächeln. Leichen pflastern den Weg des Schneepflugfahrers.

Einer nach dem anderen Bild 1
Einer nach dem anderen Bild 2
Einer nach dem anderen Bild 3
Einer nach dem anderen Bild 4
FAZIT:

Stellan Skarsgård wandelt auf den Spuren von Charles Bronson in diesem lakonischen, aber glücklicherweise NICHT als Komödie einzuordnenden norwegischen Rache-Thriller voller beeindruckender Bilder einer endlosen, verschneiten Winterlandschaft. Erstaunlicher, harter, kaltschnäuziger und ziemlich großartiger Film.

WERTUNG: 8 von 10 Geschenken
Dein Kommentar >>
Martin Zopick | 22.02.2020 14:57
Ungewöhnlicher Plot: weil der Sohn des Schneepflugfahrers Nils (Stellan Skarsgard) gewaltsam von Gangstern mit Drogen vollgepumpt worden war und die Polizei glaubt, er sei ein Junkie gewesen und nichts unternimmt, sucht Nils die Mörder seines Sohnes selbst. Dadurch löst er einen Krieg zwischen zwei Mafiaclans aus: dem Norwegischen unter dem Grafen Ole (P. S. V. Hagen) und dem Serbischen unter Papa (Bruno Ganz).
Was der deutsche Titel verheißt, hält er auch. Nils beseitigt der Reihe nach alle die mit der Ermordung seines Sohnes zu tun hatten. Seine Ehe geht derweil zwar in die Brüche, aber Nils kann außer seinem eigenen das Überleben von Papa und Oles Sohn sichern. Der Originaltitel betont mit ?Vollidioten? eine ironische Sichtweise des Ganzen.
In diesem skandinavischen Winterfilm geht es dennoch recht heiß zu ? nicht nur im Finale. Auch Oles Frau Marit (Birgitte H. Sorensen) die mit ihrem Ex gerade einen Rosenkrieg führt, kriegt schon mal was aufs Maul, wenn sie sich mucksig macht. Das gesamte Ensemble bringt es voll. Besonders Ole spielt sogar Bruno Ganz an die Wand. Er balanciert auf dem schmalen Grat zwischen bestialischer Mordlust und einschmeichelnder Ironie.
Zwei Schmankerl hält Regisseur H.P. Moland dann noch bereit: ein Toter hängt an einem Schild mit der Höhenangabe 1389 ü. M. Die Jahreszahl erinnert alle Serben an ihren vermeintlichen Sieg auf dem Amselfeld. Eine Provokation also.
Und der allerletzte Mafioso landet via Gleitschirm vor Nils Schneepflug?.
Heiße Spannung in Eis und Schnee.
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Roman | 30.07.2015 02:05
sehr kurzweilig, tatsächlich sehr roh, man mutiert als Zuschauer
selbst zum erbarmungslosen Sadisten, der "einen nach dem anderen"
erledigt werden sehen will..

8/10 würde ich auch sagen.
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