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M - Eine Stadt sucht einen Mörder

M - Eine Stadt sucht einen Mörder

THRILLER/DRAMA: DEUTSCHLAND, 1931
Regie: Fritz Lang
Darsteller: Gustaf Gründgens, Theodor Loos, Peter Lorre, Otto Wernicke, Ellen Widmann

STORY:

Berlin zur Zeit der Weimarer Republik: Ein unbekannter Kindermörder versetzt die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Trotz eines ohne Unterbrechung arbeitenden Großaufgebots an Polizisten und des Einsatzes neuester Untersuchungsmethoden bleibt der Täter weiterhin unerkannt. So nehmen nicht nur die Hysterie und die Zahl an Denunziationen Unschuldiger in der Bevölkerung zu. Auch die Berliner Unterwelt fühlt sich durch die ständig anwachsende Zahl an Polizeirazzien immer mehr in ihren Geschäften gestört und beschließt deshalb den Triebtäter auf eigene Faust zu jagen ...

KRITIK:

Im Wikipedia-Artikel zu diesem aus dem Jahre 1931 stammenden Film von Fritz Lang findet sich im Kapitel "Filmgeschichtliche Bedeutung des Werks" unter anderem folgender, fast lapidar wirkender Eintrag: "1994 gab die Stiftung Deutsche Kinemathek als Ergebnis einer Umfrage unter Filmsachverständigen bekannt, dass M das wichtigste Werk der deutschen Filmgeschichte sei." - Das mag dann doch ein wenig überraschen, liegt "M" in seinem Bekanntheitsgrad sicherlich ein gutes Stück hinter Langs vier Jahre zuvor gedrehtem METROPOLIS zurück.

Und während es sich bei dem frühen Science-Fiction-Klassiker METROPOLIS um eine gigantische Großproduktion handelte, genauer genommen sogar um den bis dahin teuersten deutschen Film aller Zeiten, ist "M" ein kleines, durch ein unabhängiges Studio finanziertes Thrillerdrama. In heutigen Begriffen würde man METROPOLIS also als einen gewaltigen Blockbuster und "M" als einen kleinen Independentfilm bezeichnen. Dass sich Lang nach einer ganzen Reihe von aufwändigen, und überwiegend im Fantasy-Genre angesiedelten Großproduktionen, nun einem kleinen, realistischem Stoff zuwandte, kam nicht von ungefähr.

Denn dadurch, dass sich METROPOLIS zu einem gigantischen Kassenflop entwickelte, wurde nicht nur die den Film produzierende Ufa an den Rande des finanziellen Ruins getrieben. Auch Fritz Lang sah sich nach diesem Debakel dazu genötigt, seine Filme selbst bzw. von anderen Produzenten finanzieren zu lassen. Im Falle von "M" führte dieser Umstand dazu, dass ihm bei diesem Werk nach eigener Aussage zum einzigen Mal in seiner Karriere die uneingeschränkte kreative Freiheit gewährt wurde. Und diese wusste der Regisseur sehr wohl zu nutzen: Nicht ohne Grund gilt "M" heute als Langs absolutes Meisterwerk.

Als ich "M" das erste Mal gesehen hatte, erschlug mich sofort die unglaubliche Modernität, die dieser Film auch noch heute ausstrahlt. Wenn man diesen Film z.B. mit Robert Wienes expressionistischem Meisterwerk DAS KABINETT DES DR. CALIGARI (1919) vergleicht, dann mag man kaum glauben, dass diese beiden Filme ein zeitlicher Abstand von lediglich zwölf Jahren voneinander trennt. Nicht nur, dass die expressionistische Ästhetik bei Wiene in "M" bereits der Neuen Deutschen Sachlichkeit gewichen ist. Bei CALIGARI hatten sich die Filmemacher eindeutig noch sehr stark am Theater orientiert. Man könnte auch sagen, dass der deutsche Film zu der Zeit noch nicht wirklich die ihm gemäße Form gefunden hatte.

Ganz anders hingegen "M": Als einer der ersten deutschen Tonfilme überhaupt, nutzt dieser Film die neuen Möglichkeiten des Mediums auf eine derart intelligente Art, dass er auch noch für heutige Filmemacher Vorbildcharakter hat. Ebenso interessant wie verblüffend ist hierbei, dass "M" einen großen Teil seiner Kraft aus der absoluten Reduktion seiner Mittel schöpft. Anstatt z.B. der Versuchung zu unterliegen, die neuen technischen Möglichkeiten durch überbordende Klangteppiche oder den exzessiven Einsatz von Filmmusik restlos ausschöpfen zu wollen, ging Lang bei "M" den genau gegenteiligen Weg:

Obwohl dies ein Tonfilm ist, bleiben ganze Passagen des Films vollkommen stumm. Wenn dann plötzlich wieder ein akustisches Signal einsetzt, dann wird dessen besondere Bedeutung automatisch umso eindringlicher. Auch findet sich in "M" abgesehen vom immer wiederkehrenden Trällern einer bestimmten Melodie ("In der Halle des Bergkönigs" aus Griegs Peer Gynt) durch den Mörder gar keine weitere Musik. So wird die eigentliche Bedeutung dieser Melodie, die den erneut einsetzenden Mordimpuls des Täters akustisch greifbar macht, umso mehr hervorgehoben. Auch bedarf es nach dem ersten Mord alleine dieser Melodie, um sich ausmalen zu können, was vermutlich als nächstes (erneut) geschehen wird.

Doch selbst der erste Mord wird gar nicht wirklich gezeigt. Stattdessen begnügt sich Fritz Lang mit einigen wenigen Andeutungen: Zuerst zeigt er nur ein mit einem Ball spielendes Mädchen und den Schatten des Mörders vor einer Litfaßsäule, auf dem sich ein Plakat befindet, auf dem eine Belohnung zur Ergreifung eben dieses Mörders ausgesetzt ist. Dann sieht man, wie der Mörder, sein Liedchen trällernd, dem Mädchen bei einem Blinden einen Luftballon kauft (eine Einstellung, die später noch wichtig werden wird). Anschließend schneidet der Regisseur zwischen Bildern der sich zunehmend sorgenden Mutter und dem neben einem Gebüsch wegrollenden Ball und dem davonfliegenden Luftballon hin und her. Dabei verfängt sich der Ballon in einem Strommast: Unaufgeregter und zugleich präziser kann filmischer Symbolismus gar nicht sein.

Diese unaufdringliche Präzision bestimmt jedoch nicht nur einzelne besonders prägnante Szenen, sondern durchzieht den gesamten Film. So schneidet Lang an einer Stelle zwischen einer Besprechung der Polizei und einer entsprechenden Besprechung der Unterwelt derart geschickt hin und her, dass an den Schnittübergängen nicht nur einzelne Gesten wiederholt bzw. zu Ende geführt, sondern ganze Sätze von der jeweils anderen Partei vollendet werden. Dabei bleibt Lang die ganze Zeit in der Totalen, so, dass dieser Kunstgriff gar nicht groß als solcher ausgestellt wird, sondern vielen Betrachtern wahrscheinlich sogar entgeht. So macht Lang auf quasi subliminale Weise fühlbar, dass diese beiden Organisationen, die eigentlich Gegenspieler sein sollten, hier unverhoffter Weise am gleichen Strang zu ziehen beginnen.

Man könnte auch davon sprechen, dass diese Einstellung zeigt, wie die öffentliche Ordnung der Weimarer Republik allmählich durch paramilitärisch organisierte Kriminelle unterwandert bzw. abgelöst wird. Deshalb wird "M" heutzutage auch oft als eine versteckte Warnung vor dem damals bereits rapide wachsenden Einfluss der Nationalsozialisten interpretiert. Da der nicht unbedingt für seine Bescheidenheit bekannte Lang diese Interpretation jedoch niemals selbst bestätigt hat, ist davon auszugehen, dass es sich hierbei um eine rückblickend nahe liegende Überinterpretation handelt.

Was Lang jedoch nach eigener Aussage wichtig war, das war ein quasi dokumentarisches Abbild seiner Zeit. Und tatsächlich bekommen wir durch das Ansehen dieses Films ein sehr lebendiges Bild der deutschen Gesellschaft zur Zeit des bereits drohenden Endes der Weimarer Republik. Verblüfft hat mich auch, wie authentisch hier alle Menschen sprechen. Das ist keine Kinosprache, sondern feinste Berliner Schnauze, wie man sie auch noch heute fast genauso hören kann.

Zum Realismus des Films trägt auch bei, dass sich Fritz Lang bei "M" an realen Fällen von Serienmördern orientiert. Das Drehbuch, das Lang zusammen mit seiner damaligen Frau Thea von Harbou verfasst hat, orientiert sich insbesondere an dem Fall des Serienmörders Peter Kürten, bekannt als der "Vampir von Düsseldorf", der damals hochaktuell war. Tatsächlich wurde Kürten erst drei Wochen vor der Uraufführung von "M" gefasst und zum Tode verurteilt. Dieser Peter Kürten wurde zuvor 15 Monate von der Polizei gejagt, bis er endlich ergriffen werden konnte.

Tatsächlich handelt es sich bei dem Fall Kürten um die bis heute größte polizeiliche Personensuchaktion in Deutschland. Und als die Düsseldorfer Polizei auch nach längerer Zeit zu keinem Ergebnis kam, wurden die polizeilichen Ermittlungen von dem damals berühmten Berliner Kriminalbeamten Ernst Gennat übernommen. Es ist Fritz Langs persönlichen Kontakten zur Berliner Polizei zu verdanken, dass in "M" ganz genau beschrieben wird, welche damals völlig neuen Verfahren zur Ergreifung des Täters Ernst Gennat zur Anwendung brachte. So war dies der erste Fall in Deutschland, bei dem versucht wurde, ein richtiges Täterprofil zu erstellen, ein Verfahren, welches zuvor nur in den USA und Großbritannien bekannt war.

Aber auch zahlreiche andere Details des Films basieren auf den tatsächlichen damaligen Begebenheiten. So zeigt "M" neben den zunehmenden Denunziationen innerhalb der Bevölkerung auch das Problem der oft inkorrekten und sich oftmals widersprechenden Zeugenaussagen, welche die Arbeit der Polizei zusätzlich erschwerten. Ja, die Authentizität und der Detailreichtum, mit denen in "M" die, oftmals recht abenteuerlichen, Ermittlungsarbeiten dargestellt sind, erinnert gar an heutige Filme, wie z.B. David Finchers ZODIAC. Und das ist schon erstaunlich, insbesondere wenn man sich vergegenwärtigt, dass "M" letzten Endes eben kein dokumentarischer, sondern ein fiktionaler Spielfilm ist.

Aber bei aller technischen Raffinesse und Authentizität in der Darstellung darf natürlich nicht vergessen werden, dass "M" gerade auch von seinen außergewöhnlich guten Darstellern lebt. Besonders hervorzuheben ist hier der berühmte deutsche Theaterschauspieler Gustaf Gründgens, der den "Schränker", den Anführer der kriminellen "Ringorganisation" (die es damals im übrigen tatsächlich gab) auf äußerst überzeugende Art verkörpert. Aber alle anderen Darbietungen bei weitem überragend ist die Darstellung des Triebmörders durch Peter Lorre: Sein den absoluten Höhepunkt von "M" bildender Schlussauftritt ist legendär. So ist es insbesondere auch Peter Lorre zu verdanken, dass "M" bis zum heutigen Tag völlig zu Recht als einer der gelungensten Serienmörder-Filme überhaupt angesehen wird. Deshalb wurde Fritz Langs für lange Zeit vorletzter deutscher Film nicht nur für den Regisseur, sondern auch für Peter Lorre (im übrigen, ebenso wie Lang ein gebürtiger Wiener) zu einer Eintrittskarte nach Hollywood und zum Grundstein einer langen, recht erfolgreichen Karriere in den USA.

Mit dem deutschen Film ging es allerdings schon kurz darauf rapide abwärts. Denn nach der Machtergreifung durch die Nazis emigrierten nicht nur diese beiden, sondern der Großteil der talentiertesten deutschen und österreichischen Filmemacher nach Amerika. Und während diese in Übersee ihre in Deutschland gemachten Erfahrungen erfolgreich einbrachten und dabei unter anderem entscheidend zur Begründung eines der bis heute erfolgreichsten und einflussreichsten Filmgenres überhaupt - des Film noir - beitrugen, versank die heimische Filmindustrie für lange Zeit nahezu in der absoluten Bedeutungslosigkeit.

Und dieser Niedergang des deutschen Films, der erst in der letzten Dekade wieder spürbar an internationaler Relevanz gewonnen hat, wurde auch ganz entscheidend dadurch beschleunigt, dass sich nach dem Zweiten Weltkrieg niemand mehr an die Zeit davor erinnern mochte. So versanken die Meisterwerke einer der bis heute bedeutsamsten Filmepochen überhaupt für lange Zeit in Vergessenheit. Und selbst heute muss man skandalöser Weise oft nach ausländischen Labels Ausschau halten, wenn man einige der bedeutendsten deutschen Filmklassiker in einer würdigen Form sichten will.

So musste ich mir z.B. damals DAS KABINETT DES DR. CALIGARI aus den USA bestellen, um dieses Meisterwerk in ungeschnittener Form im Heimkino genießen zu können. Skandalös auch, dass die Amerikaner die Bedeutung des deutschen Films offensichtlich weit eher erkennen, als die Deutschen. Denn auch wenn ich mir THE CABINETT OF DR. CALIGARI mit (den alten deutschen Lettern nachempfundenen) englischen Zwischentiteln anschauen musste: Das in New York ansässige - und nicht nur auf alte deutsche Filme spezialisierte Label - heißt treffender Weise KINO VIDEO...

Aber zumindest im Falle von M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER kann inzwischen eine eindeutige Entwarnung ausgesprochen werden: Zum 80-jährigen Jubiläum des Films hat Universum jetzt eine 2-Disk-Special-Edition herausgebracht, die neben 360 Minuten äußerst sehenswerter Extras auch eine ganz neu restaurierte Fassung dieses absoluten Klassikers beinhaltet. Diese Veröffentlichung kann ganz ohne jede Übertreibung als eine für jeden wahren Cineasten absolut unverzichtbare Anschaffung bezeichnet werden. Und wer sich bisher noch nicht als ein solcher gefühlt haben mag: Diese Doppel-DVD ist sicherlich auch ein äußerst sinnvoller Grundbaustein für jede zukünftige anspruchsvolle Filmsammlung!

M - Eine Stadt sucht einen Mörder Bild 1
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FAZIT:

Fritz Langs M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER (1931) ist ganz unzweifelhaft ein Film, der bis zum heutigen Tag Maßstäbe setzt. Nicht wenige bezeichnen ihn gar als den besten deutschen Film aller Zeiten. Aber selbst, wenn man sich diesem Urteil eventuell nicht ganz anschließen mag: Der beste Film eines der bedeutendsten Regisseure der Filmgeschichte ist "M" alle Mal!!!

WERTUNG: 10 von 10 unkontrollierbare Impulse aus dem tiefsten Inneren
TEXT © Gregor Torinus
Dein Kommentar >>
Marcel | 14.06.2011 12:37
Also, erst einmal Danke für ein erneut sehr gelungenes Review zu einem großen Werk, dem ich gerne 8 von 10 gepfiffene Griegs vergebe(übrigens ist die Suite wiederum aus der Musik zum Bühnenstück zu Peer Gynt zusammengestellt, es genügt also einfach "In der Halle des Bergköngis" aus Peer Gynt).

Ein bißchen hinkt meiner Meinung nach der Vergleich zu DAS CABINETT DES DR. CALIGARI. Ja, M ist sehr modern und Caligari wirkt wie abgefilmtes Theater. Doch das hat bei Caligari einen Grund. CALIGARI ist bewusst in seinen Dekors gefangen gehalten, als Teil der Unwirklichkeit, in der sich der Held bewegt. Wäre er realistisch gefilmt, hätte das ganze Konzept ein anderes sein müssen. Passender ist der Vergleich zu Langs übriges Werk. Etwa befreit Lang schon drei Jahre nach Caligari in DR. MABUSE - DER SPIELER die Kamera von ihren Fesseln, die ersten 10 Minuten sind geradezu atemberaubend schnell geschnitten.

Ein bißchen überrascht hat mich dagegen die Aussage, dass Lang nur bei M absolute künstlerische Freiheit hatte. Lang hatte nach meinem Kenntnisstand spätestens ab Mabuse jede Freiheit, die er wollte, sonst hätte er weder NIBELUNGEN noch METROPOLIS so teuer drehen können. Problematisch war nur, dass die UFA einen Vertrag mit der (ich glaube) Paramount hatte, welches den Amerikanern das Recht gab, Filme für die USA nach Gutdünken umzuschneiden. Nach dem schwierigen Anlauf von METROPOLIS in deutschen Kinos schnitt man alle deutschen Kopien der amerikanischen gleich, aber dieser Einschnitt geschah ja erst, nachdem der Film zum Fiasko wurde und die UFA reagieren musste, uraufgeführt wurde dagegen schon die von Lang gewünschte Fassung. Zudem hatte Lang sofort Konsequenzen aus dieser Erfahrungen gezogen und seinen Nachfolgefilm SPIONE unabhängig (und ziemlich preiswert) finanziert. Bis auf die finanzielle Einschränkung - die man dem Film aber zu keinem Zeitpunkt ansieht - hatte er meiner Meinung nach jede künstlerische Freiheit. Aber ich lasse mich gerne korrigeren. Begründet Lang das Statement, oder sagt er das einfach so?

Ist nun M das wichtigste deutsche Filmgut? Vielleicht, weil sich auf M alle einigen können. Andererseits ignoriert man dabei viele großartige andere Werke. Ich selbst schätze CALIGARI und DIE BÜCHSE DER PANDORA mehr, und unter Langs Werken kommt meiner Meinung nach nichts an METROPOLIS heran.

Wenn ich recht informiert bin, ist M aber bis heute nicht abschließend rekonstruiert, es fehlen immer noch rund 10 Minuten?! Da hat die später erfolgte Zensur dann doch bis heute Spuren hinterlassen.
Gregor | 14.06.2011 15:33
Vielen Dank für Deine sachkundige Kritik meiner Kritik. ;-) Dass mein Vergleich mit CALIGARI Widerspruch ernten wird, hatte ich bereits erwartet. Ist selbstverständlich nicht im Sinne einer qualitativen Wertung zu verstehen. Denn niemand kann Äpfeln mit Birnen vergleichen. Ich hatte CALIGARI lediglich als einen exemplarischen (und dabei natürlich auch herausragenden) Vertreter des Deutschen Expressionismus zur Stummfilmzeit herausgegriffen. Mein Kommenatr bezog sich alleine auf die Modernität, aber natürlich nicht auf den künsterischen Wert an sich.

Begründen tut Lang seinen Kommentar zu "alleinigen absoluten künstlerischen Freiheit bei M" nicht. Und wenn ich es mir genau überlege, hatte er auch selbst zuvor darauf hingewiesen, dass er im Prinzip auch bereits zu Ufa-Zeiten absoluten Narrenfreiheit hatte. Deshalb vermute ich selbst, dass Lang sich auf den bei "M" fehlenden finaziellen Druck bezogen hatte. Denn Ärger gab es bei der ständigen Kostenüberschreitung während der Produktion von METROPOLIS ja sehr wohl. - Aber in wie weit kann man auf Langs eigene Aussagen überhaupt viel geben? Der gute Mann hat ja einfach alles erzählt, was den eigenen Mythos fördert...

Ich finde Ausagen zu "dem bedeutensten..." prinzipiell recht schwierig, da man wie gesagt Äfpel nicht mit Birnen vergleichen kann. Deshalb habe ich diese Aussage in meinem abschießenden Kommentar auch ein wneig relativiert. Aber besser als METROPOLIS finde ich "M" auf jeden Fall. Doch auch hier ist natürlich anzumerken, dass die jeweiligen Qualitäten auf ganz anderer Ebene liegen...

Der Film ist tatsächlich auch in seiner neusten Fassung wohl nicht ganz vollständig. Doch jetzt feheln maximal 6 Minuten. Dabei weiß inzwischen jedoch niemand mehr, ob die in irgendwelchen Skripten angegebenen Szenen in der ursprünglichen Fassung überhaupt enthalten waren. Die einzige wahrnehmbar fehlende Passage ist deshab nach wie vor der Gerichtprozess. Die neuste Rekonstruktion fügt dem Film jedoch noch ein paar Minuten zur alten rekonstruktion hinzu und ist insbesondere erstmalig "frame by frame" komplett digital restauriert worden. Und das sieht man auf jedem Fall.
sidleman | 31.10.2021 02:00
"Ebenso interessant wie verblüffend ist hierbei, dass "M" einen großen Teil seiner Kraft aus der absoluten Reduktion seiner Mittel schöpft. Anstatt z.B. der Versuchung zu unterliegen, die neuen technischen Möglichkeiten durch überbordende Klangteppiche oder den exzessiven Einsatz von Filmmusik restlos ausschöpfen zu wollen, ging Lang bei "M" den genau gegenteiligen Weg."
Das hätten mal besser auch die Macher des aus meiner Sicht ziemlich überschätzten 'Babylon Berlin' beherzigt (welches ja zur selben Zeit am selben Ort und im selben Milieu spielt); auch auf die visuelle Ebene bezogen:
anstatt mit einer produktionstechnisch ausgereizten Überwältigungsästhetik alles "perfekt" auszubuchstabieren, besticht "M" durch seine fast schon dokumentarisch nüchtern reduzierte Bildgestaltung (man denke z.B. an die Schilderung der Bettlerszene), ganz im Stil der 'Neuen Sachlichkeit'. Das erzeugt eine gewisse Zeitlosigkeit der Darstellung, welche den Film auch heute noch erstaunlich modern wirken lässt. Hier gibt es nichts Überflüssiges, allein dem Unterhaltungswert Geschuldetes in der Inszenierung. Den Film wird man wohl auch in 100 Jahren noch uneingeschränkt als absolutes Meisterwerk anerkennen.
>> antworten
Dor | 13.06.2011 20:43
Sehr informatives Review und man kann die Begeisterung spüren!
Mich animiert das Review das Meisterwerk zusehen.
10 von 10 animierende Reviewsterne !
Harald | 13.06.2011 20:48
Schließe mich an (und oute mich als Nicht-Kenner des Films, der diesen Zustand ehebaldigst zu beheben gedenkt.)
>> antworten
Nico | 13.06.2011 00:34
thumbs up! tolle, informative Rezension! - und auch
von allen Lang-Filmen, die ich gesehen habe, der, der
mich am meisten fasziniert und gepackt hat... (neben
Testament des Mabuse)
Gregor | 13.06.2011 21:38
Besten Dank!
>> antworten