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Murder-Set-Pieces

Murder-Set-Pieces

HORROR: USA, 2004
Regie: Nick Palumbo
Darsteller: Sven Garrett, Valerie Baber, Shawna Edge

STORY:

Ein in die USA emigrierter, deutscher Fotograph macht tagsüber erotische Fotos. Nachts vergewaltigt und tötet er Prostituierte.

KRITIK:

Im Jahr 2000 brillierte Christian Bale als psychopathischer Yuppie, der des Nachts seinen Neigungen als manischer Serienmörder nachgeht, in American Psycho. Von Regisseurin Mary Harron inszeniert, basierte der Film auf dem gleichnamigen und kontroversen Buch von Bret Easton Ellis, das vor allem bei Jugendschützern und Sittenwächtern für einiges Kopfzerbrechen sorgte und in Deutschland sogar indiziert wurde - wobei, auch nichts Außergewöhnliches, irgendwie.

Doch im Gegensatz zum Buch, hielt sich die filmische Umsetzung des Stoffes in seinen Gewaltszenen stark zurück, wirkte gar zahm. Ein Umstand, der Nick Palumbo, Drehbuchautor, Produzent und Regisseur von Murder-Set-Pieces arg aufstieß.

Das muss anders aussehen, deklarierte er öffentlich und machte sich daran seinen eigenen Serienmörderfilm zu drehen. Das Endprodukt ist dann auch laut Palumbo so geworden, wie eine Verfilmung von American Psycho hätte aussehen sollen.

Darüber hinaus ist Murder-Set-Pieces vor allem eine nihilistische Schlachtplatte, angereichert mit misogynen Gewaltexzessen und durchzogen von einer misanthropischen Grundeinstellung.Offenbar ein Umstand, der dafür sorgte, dass die einschlägige Fachpresse, allen voran das US-Magazin Fangoria, sich weigerte über den Film zu berichten - "Angst vor der eigenen Courage oder einfach Arroganz", um einmal die Gruppe Böhse Onkelz zu zitieren.

Aber wenn der eigene Film darüber hinaus der erste Film der Geschichte ist, der aus drei Filmentwicklungslaboren flog und während der Dreharbeiten mehrfach Polizeieinsätze provozierte, ist diese Presse mit Sicherheit mindestens so viel Wert wie jedwede seriöse Berichtserstattung - ein Umstand dem ja auch Deodatos Cannibal Holocaust seinen legendären Ruf verdankt.

Die Idee, einen psychisch gestörten, neofaschistischen und schwer traumatisierten - "Ich hat' ‚ne schwere Kindheit, keiner hatte mich gern..." um einmal die Gruppe WIZO zu zitieren - Massenvergewaltiger und Frauenmörder - wie sich das wohl auf 'ner Visitenkarte macht? - ist gewiss nicht neu.

Bereits 1979 onanierte der Killer in Norifumi Suzukis Exzesse im Folterkeller zu NS-Propagandamaterial und misshandelte Frauen zu Tode - ohne scheinbar je cachieren zu wollen, welche Zielgruppe angesprochen werden sollte.

Palumbo diesen Umstand anzulasten, würde allerdings dazu führen, die Fulcis und D'Amatos dieser Welt als filmische Kapitalverbrecher zu brandmarken - und soll an dieser Stelle nicht weiter gewichtet werden.

Sven Garrett als Wahl für die Hauptrolle als deutscher Serienmörder ist indes äußerst gelungen. Schauspielerisch mag sich sein Talent zwar in Grenzen halten, doch durch sein äußeres Erscheinungsbild verkörpert er voll und ganz das Bild des kalten, martialisch auftretenden Teutonen, das der Deutsche im Ausland größtenteils genießt - ein Umstand , der mitunter gewiss auch für den enormen Erfolg verantwortlich zeichnet, den Rammstein jenseits der Staatsgrenzen genießt.

Das ergänzende Ensemble bemüht sich sichtlich und schlägt sich dabei für eine Independent-Produktion auch gar nicht schlecht.

Dennoch wirken viele Szenen unfreiwillig komisch und bekommen zusätzlich durch die wirklich unsägliche Synchronisation - denn wenn man bei einer Vergewaltigung auflachen muss, hat man entweder ein gestörtes Weltbild im Bezug auf Frauen, oder hört folgenden Dialog in reinster Pornobetonung: "Du verfickte Bitch, wie gefällt dir das?" - "Bitte hör' auf. Aua, mein Arsch!" - ein trashige Note und zerstört die letzen Ambitionen der Darsteller, seriös zu agieren.

Es stellt sich somit als großes Problem von Murder-Set-Pieces heraus, dass es ob seiner visuellen Wucht nicht gelingt den Zuschauer zu fesseln, oder gar für die mehr als flachen - charakterlich, versteht sich - Opfer so etwas wie Mitgefühl aufzubringen.

Wenn sich unser Mörder pseudophilosophisch verbal erbricht oder im Pornoladen mal eben nach einem Snuff Film fragt, fällt es schwer, das Gesehene ernst zu nehmen, und so verlaufen auch die sporadisch eingestreuten Subplots im Sand ohne dem Geschehen ernsthaft Tiefe verleihen zu können.

Die genüsslich ausgeschlachteten - hrhr - Gewaltexzesse sind teilweise durchaus heftig, und müssen auf das ungeübte Auge mit ziemlicher Sicherheit äußerst verstörend wirken, im Land des CAT III Films dürften sie aber dennoch niemanden hinter dem Sofa hervorlocken.

Dabei sind sie auf reine Provokation ausgelegt und werden in bester "Torture Porn" Manier unreflektiert abgespult. Die angedeutete Traumatisierung des Mörders erscheint so als schlechter und gescheiteter Versuch, diese Eskapaden durch Sozialkritik zu rechtfertigen.

Hervorzuheben sie jedoch die äußerst ästhetische und gelungene Bildsprache, die zwar den ein oder anderen modischen Ausrutscher zu verbuchen hat, und sich dabei in unsäglich nervigen Zitterexzessen und Stakkato-Schnitten ergeht, ansonsten aber als durchaus gelungen bezeichnet werden darf.

So gelingt es stets eine beklemmende Atmosphäre zu erzeugen, gestützt durch die erfreuliche Tatsache, dass man sich entschied nicht immer plump draufzuhalten, und auch wenn die bewusst dunkel gehaltenen Setausleuchtungen durchaus nervig sein können, verfehlen sie ihre Wirkung, vor allem, im Spielzimmer - pardon, Folterkeller - nicht.

Produziert wurde Murder-Set-Pieces übrigens unter anderem von Heinrich Himmler, Hermann Göring und Joseph Goebbels - besonders letzterer war dem Medium Film ja immer schon zugetan.

Murder-Set-Pieces Bild 1
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Murder-Set-Pieces Bild 9Sieht eigentlich ganz freundlich aus: Regisseur Nick Palumbo (mit seiner Hauptdarstellerin)
FAZIT:

Murder-Set-Pieces ist ein gewollt provokantes Fest misogyner Grausamkeiten. Dabei geht jedwede Seriosität in pseudophilosophischen Monologen, mangelnder Handlung und dem Versuch den - um ihrer selbst Willen gedrehten - Vergewaltigungs- und Folterexzessen sozialkritischen Tiefgang zu verleihen, unter. Dabei ist der Film nicht trashig und bunt genug, um als unfreiwillig komische "Schlechte-Geschmack"-Unterhaltung durchzugehen. Andererseits mögen die grausamen Gewaltorgien durchaus bedrückend und extrem wirken, lassen aber dennoch keine tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem Geschehen zu. Es handelt sich bei Murder-Set-Pieces also um einen zwar ambitioniert inszenierten, aber teilweise langweiligen, äußerst gewalttätigen und ambivalenten Film, der sich (sozial-)kritisch und psychologisch tiefgreifend gibt, sich letzen Endes aber doch nur als brutaler Gewaltporno für die Hostel-Generation entpuppt.

WERTUNG: 5 von 10 Leichensammlungen im Keller
Dein Kommentar >>
magic ham | 28.08.2011 23:52
Wie Wahr. Murder set Pieces ist ein scheiß Film.
und Hostel auch...
>> antworten
Harald | 05.05.2008 22:10
sag nichts gegen hostel ;-)
das ist ein cooler film & hat subversives potential, ganz im gegensatz zu dieser pseudo-provokativen gorebauern-version von american psycho...
Johannes | 08.05.2008 21:45
Ich hab' Hostel nicht gesehen, deshalb will ich den Film nicht bewerten, aber er hat mit Saw definitiv dafür gesorgt, das der Markt mit für Spladda-Kiddies gefertigten Filmen überhäuft wird, und sich jeder als krasser (Horror-)Film-Freak darstellt, der noch nicht einen guten Film aus den 70ern gesehen hat.
Harald | 10.05.2008 11:04
stimmt natürlich auch wieder. aber schau dir die hostel-filme trotzdem an. vor allem der unterschätzte zweite teil hat wunderschöne referenzen auf die siebziger, etwa einen gastauftritt von ruggero deodato als 'italian cannibal' ...
Johannes | 10.05.2008 22:26
Nun gut; ich werde Teil zwei mal auf die Einkaufsliste setzen.
>> antworten

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