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The Cat in the Man's Eye

The Cat in the Man's Eye

OT: Il gatto dal viso d´uomo
GIALLO: Frankreich, 2009
Regie: Marc Dray
Darsteller: Jean-Benoît Angely, Frédéric Aubry, Laurent Bonnard, Joséphine Capellot

STORY:

Eine junge Anhalterin wird nachts von einem etwas unheimlichen Mann mitgenommen. Es beginnt eine alptraumhafte Reise in eine Welt aus Wahnsinn und Gewalt ...

KRITIK:

Es war mein geschätzter Kritikerkollege Chris, der mich vor kurzem darauf aufmerksam gemacht hat, dass 2009 neben AMER in Belgien auch in Frankreich zwei sehr interessante Neo-Gialli entstanden sind: BLACKARIA von François Gaillard und Christophe Robin und IL GATO DAL VISO D´UOMO von Marc Dray. Beide Filme transportieren das Genre erfolgreich in die Gegenwart, gehen hierbei jedoch auf jeweils etwas andere Weise vor.

Was diesen beiden Neo-Galli miteinander verbindet ist zuerst einmal ein Soundtrack, der nicht von ungefähr so wirkt, als hätten sich Goblin wieder zusammengefunden und ihre inzwischen bereits legendäre Musik zu Filmen wie PROFONDO ROSSO an die heutige Zeit angepasst. Der Electro-Soundtrack von Abberline ist jedefalls ziemlich gediegen und auch wesentlich gelungener, als das seltsame Geknarze, dass sich Ex-Goblin Claudio Simonetti für Dario Agentos THE CARD PLAYER (2004) abgebrochen hat.

Auch auf visueller Ebene ist IL GATO DAL VISO D´UOMO sehr gelungen. Die ganze bekannte Giallo-Ikonografie ist hier vertreten, die starke Farbigkeit ist von Argentos Meisterwerk SUSPIRIA inspiriert. Im Gegensatz zu BLACKARIA sieht man dem Film auch nicht sein geschränktes Budget an, da Marc Dray so clever war, Dinge, die er nicht zu seiner Zufriedenheit hätte realisieren können, einfach weglässt. So war nach Aussage des Regisseurs z.B. kein Geld für eine besondere Ausstattung vorhanden, weshalb man von dieser auch möglichst wenig sieht.

Die Hauptinspirationsquellen für IL GATO DAL VISO D´UOMO waren nach Aussage des Regisseurs Dario Argentos Tier-Trilogie (THE BIRD WITH CRYSTAL PLUMAGE, DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE und VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT) und David Lynchs Psycho-Noir LOST HIGHWAY (1997). Dementsprechend erzählt sein Debütfilm auch keine logisch stringente Geschichte, die auf ein klassisches Whodunit hinausläuft, sondern geht sehr in Richtung eines Experimentalfilms, der vieles für den Betrachter offen lässt. Auch das Ende des Films ist so ganz anders, als man es von einem klassischen Giallo erwarten würde.

Auch wenn Marc Dray selbst bekennender Comic- und B-Movie-Fan ist, verbindet IL GATO DAL VISO D´UOMO also klassische Genre-Elemente mit solchen des Kunstfilms und ist deshalb eher Liebhabern von Filmen wie AMER und HATE 2 O, als reinen Genrefilmfans zu empfehlen. Dass der Film mit einer Lauflänge von nur 45 Minuten auch noch eher ein überlanger Kurzfilm, als ein richtiger Spielfilm ist, macht ihn sicherlich auch nicht viel zugänglicher. Dies ist jedoch ebenfalls den beschränkten finanziellen Mitteln geschuldet. Und man muss auch sagen, dass IL GATO DAL VISO D´UOMO auch nicht unbedingt viel länger sein dürfte, da er beim Betrachter ansonsten wohl zu ähnlichen zwischenzeitlichen Ermüdungserscheinungen führen würde, wie der belgische Neo-Giallo AMER.

Also kann man sagen, dass Marc Dray auch bei der kurzen Spielzeit aus der Not eine Tugend gemacht hat. Im übrigen ist dieser Film als der Auftakt für ein größeres Projekt gedacht: Marc Dray plant in Anlehnung an Dario Argento zwei weitere Gialli, welche IL GATO DAL VISO D´UOMO zu einer neuen Tier-Trilogie vervollständigen sollen. Der zweite Film wird LE TEUR AUX YEUX DE CHAT heißen. Er wird wahrscheinlich ebenfalls 45 Minuten kurz sein, und kann dann dem Regisseur zufolge, zusammen mit seinem Erstling als Double-Feature gezeigt werden. Der dritte Teil soll dann nach Möglichkeit ein richtiger Spielfilm werden. Wir können also schon jetzt darauf hoffen, schon bald weitere äußerst sehenswerte Neo-Gialli aus Frankreich sehen zu können!

The Cat in the Man's Eye Bild 1
The Cat in the Man's Eye Bild 2
The Cat in the Man's Eye Bild 3
The Cat in the Man's Eye Bild 4
The Cat in the Man's Eye Bild 5
The Cat in the Man's Eye Bild 6
The Cat in the Man's Eye Bild 7
FAZIT:

IL GATO DAL VISO D´UOMO ist ein Neo-Giallo aus Frankreich, dessen Hauptinspirationsquelle laut seines Regisseurs neben Dario Argentos Tier-Trilogie insbesondere auch David Lynchs LOST HIGHWAY war. Dementsprechend verbindet sein Debütfilm klassische Giallo-Elemente mit denen des Experimentalfilms und ist weit origineller, aber auch kryptischer, als der typische 08/15-Giallo ausgefallen. Das Ergebnis bereitet viel Vergnügen, welches mit nur 45 Minuten Laufzeit jedoch recht kurz ist. Der Film ist in Frankreich in einem schönen auf 1000 Exemplare limitierten Digipack erschienen, welches unter anderem auch englische Untertitel bietet.

WERTUNG: 8 von 10 verhängnisvolle Reisen durch die Nacht
TEXT © Gregor Torinus
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