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Graf Zaroff - Genie des Bösen

Graf Zaroff - Genie des Bösen

OT: The Most Dangerous Game
MANHUNT: USA, 1932
Regie: Irving Pichel, Ernest B. Schoedsack
Darsteller: Leslie Banks, Joel McCrea, Fay Wray, Robert Armstrong

STORY:

Graf Zaroff lebt zurückgezogen auf einer dschungelartigen Insel, wo er seinem liebsten Hobby frönt: der Menschenjagd.

"Es gibt auf der Welt zwei Kategorien von Menschen: Jäger und Gejagte. Gott sei Dank gehöre ich zu den Jägern und nichts wird daran jemals etwas ändern!" philosophiert der Schriftsteller und Großwildjäger Bob großspurig vor seinen Mitpassagieren, kurz bevor das Schiff, auf dem er sich befindet, auf ein Riff läuft und sinkt. Als er als einziger Überlebender des Schiffsunglücks tropfnass an Land krabbelt, findet er sich ausgerechnet auf Zaroffs Insel wieder, wo der Inselherr alsbald zum Hallali auf die menschliche Beute bläst…Und als Bob den heißen Atem einer Meute dänischer Doggen sowie die Pfeile von Zaroffs Bogen im Nacken spürt, findet er sich dann doch noch in jener Kategorie Mensch wieder, zu der er eigentlich nie gehören wollte …

KRITIK:

Als ich die Tage in den Elektronikfachmarkt meines Vertrauens kam, habe ich einen Bekannten getroffen. Er fragte: "Na, wieder ein paar DVDs?" - Ich: "Yep!" - Er: "Weißt schon welche?" - Ich: "Wie immer halt. Irgendwas mit Sex und Gewalt!" Gesagt, getan! Aber als ich an der Kasse eine gar liebreizende Verkäuferin meines Alters sah, entschloss ich mich dazu, die lang ersehnte EMANUELLE-Box und den blutrünstigen Zombieschocker wieder zurück ins Regal zu stellen. Einem schüchternen, introvertierten Menschen wie mir sind seine guilty pleasures ein bisschen peinlich …

Also Plan B: Nach DVDs schauen, um der lieben Filmtipps-Leserschaft ein paar Menschenjagd-Klassiker vorstellen zu können. Gut sortierter Laden: GRAF ZAROFF - GENIE DES BÖSEN und OPEN SEASON konnten abgeschnappt werden und BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE hat ohnehin schon lange seinen Ehrenplatz im heimischen Filmregal.

GRAF ZAROFF oder THE MOST DANGEROUS GAME, wie sich die DVD-Neuauflage aus dem Hause Legend nach dem Originaltitel nennt, ist der Prototyp aller Manhunt-Streifen. Noch vor dem 2.Weltkrieg und dem originalen KING KONG in den Dschungelkulissen des letzteren gedreht, hat man natürlich das Alter und die Würde, um für sich die Bezeichnung Klassiker in Anspruch nehmen zu dürfen. Trotz seines Alters konnte dieser Film selbst bei einem berüchtigten Psychopathen des wahren Lebens -nämlich den spätestens seit Fincher auch filmweltbekannten "Zodiac"-Killer- mächtig Eindruck schinden. Schließlich hat der in seinen widerlichen, kranken Briefchen an Polizei und Presse munter aus GRAF ZAROFF zitiert.

Aber THE MOST DANGEROUS GAME war für seine Zeit auch ein Tabubrecher vor dem Herrn. Dem verstörenden Eindruck, den das Gezeigte beim Testpublikum hinterlassen hat, haben wir das Ärgernis zu verdanken, dass wir selbst heutzutage von den ursprünglich 78 Minuten unerbittlicher Menschenhatz nur eine knappe Stunde zu sehen bekommen. Die schauerlichsten Exponate von Zaroffs Trophäensaal hält man uns leider immer noch vor. Aber okay, das Vergnügen ist zwar kurz (auf Grindhouse-Länge gebracht), aber immer noch knackig.

Dafür sorgen Leslie Banks als spitzbärtiger russischer Unhold, der immer an jenem schmalen Grat spielt, wo zur Schau gestellte Bösartigkeit entweder essentiell oder unfreiwillig komisch wird, ebenso wie KING KONG´s zukünftige Freundin Fay Wray und Joel McCrae als Bob, der - wäre er Indianer - keinen geringeren Namen als "Der mit der dänischen Dogge ringt" tragen dürfte. Womit die Brücke zur fiesen Hundemeute geschlagen wurde, deren (Jagd-)Szenen zu den absoluten Highlights des Films zählen und die nur ganz knapp hinter der völlig wüsten rückgratbrechenden Schlägereien des Finales zurückstehen müssen.

Und Zaroff hat ja nicht nur seine "Schoßhündchen", sondern auch eine finstere menschliche Dienerschaft; wie es sich eben für einen sinistren Grafen geziemt.

Das Baujahr 1932 dürfte auf einen Großteil der Leserschaft abschreckend wirken. Und ich gebe zu; an manchen Darstellern kann man festmachen, dass die Stummfilmzeit zur Entstehung des MOST DANGEROUS GAME noch nicht allzu lange Geschichte war; denn ihnen liegt noch die übertriebene Mimik und Gestik aus dieser Ära im Blut; aber auch wenn Leslie Banks längst nicht so erhaben genial overact wie der unvergessene Vincent Price; sein GRAF ZAROFF ist ein denkwürdiger Bösewicht. So wie der ganze Film heute etwas altbacken wirken mag und trotzdem seiner Zeit in mancher abseitiger Hinsicht voraus war. Denn THE MOST DANGEROUS GAME ist auch eines dieser Werke, die den Weg für die filmischen Heftigkeiten unserer heutigen Zeit bereitet hat. Dafür ehrfürchtig danke! Und an die Leserinnen und Leser präventiv eine Entschuldigung für die verschachtelten Sätze in dieser Review. Es gab Günter Grass zum Frühstück.

Graf Zaroff - Genie des Bösen Bild 1
Graf Zaroff - Genie des Bösen Bild 2
Graf Zaroff - Genie des Bösen Bild 3
Graf Zaroff - Genie des Bösen Bild 4
Graf Zaroff - Genie des Bösen Bild 5
Graf Zaroff - Genie des Bösen Bild 6
FAZIT:

Mit Pfeil und Bogen und einer Meute dänischer Doggen jagt der diabolische Graf Zaroff seine menschliche Beute über KING KONG’s Insel und wurde später selbst vom berüchtigten "Zodiac-Killer" in dessen kranken Briefchen zitiert. THE MOST DANGEROUS GAME aus dem Jahr 1932 ist Klassiker und Mutter aller filmischen Menschenjagden…

WERTUNG: 8 von 10 dänischen Doggen
TEXT © Christian Ade
Dein Kommentar >>
Marcel | 09.08.2010 20:28
Ist GRAF ZAROFF tatsächlich das gleiche Schicksal wiederfahren wie KING KONG und seinen berühmten Spinnenszenen? Was musste denn der Schere zum Opfer fallen?
Chris | 09.08.2010 20:50
In der ursprünglichen Fassung wurde viel länger im Trophäensaal verweilt. Und man sah dort viel mehr "Exponate".
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