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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
12 Years a Slave

12 Years a Slave

DRAMA: USA/UK, 2013
Regie: Steve McQueen
Darsteller: Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Lupita Nyong'o, Sarah Paulson, Adepero Oduye, Brad Pitt

STORY:

1841, Mr. Solomon Northup lebt als freier Afro-Amerikaner im Norden des Bundesstaats New York. Er ist ein ehrbarer Bürger Saratoga Springs, Vater zweier Kinder und hat ein besonderes Talent - das Geigenspiel. Für Auftritte in Washington, D.C. soll er gutes Geld bekommen ... Zwölf Jahre später kommt es dann zum Wiedersehen mit seiner Familie.

KRITIK:

Gruppen von Menschen verlassen in andächtiger Stille das Kino. Die Stimmung, die bei Beginn der Vorstellung noch heiter war, hat sich getrübt. Hier und da hört man Leute schnaufen oder von ziemlich harten Tobak murmeln. Die Bilder haben also gewirkt!

Leibeigenschaft - ein verstörender Gedanke; Sklaverei - ein grausamer. Was aber, wenn diese Gedanken in Bilder gefasst werden sollen? Wie stellt man solche dar? Wie erzählt man Geschichten über Menschen, die in Freiheit geboren wurden, in Freiheit lebten, sich dann aber im selben Land, zur selben Zeit plötzlich in der Sklaverei wiederfanden? Wie erzeugt man ein Dokument über ein Zeitalter, in dem es zwei verschiedene Formen desselben Lebens gibt?

Schwarzsein und Schwarzsein. Steve McQueen entschied sich die (wahre) Geschichte des Mr. Solomon Northup zu erzählen. Doch während er eine einzige Fügung erzählt, erzählt er tausende. Dieser Verantwortung ist sich der Regisseur bewusst und so erzeugt 12 YEARS A SLAVE niemals den Eindruck eines Einzelschicksals. Wenn sich das Bild erst in Detailaufnahmen verliert, um dann den Kader zu vergrößern, so schließt es vom Einzelnen aufs Ganze. Wenn die Kamera in schier endlos scheinenden Einstellungen verharrt, dann gibt sie dem Publikum die notwendige Zeit zur Reflexion. Was anfangs noch als anstrengend erscheint, wird zum Erfordernis.

Schwarzsein und Schwarzsein. Während manche durch Geschäfte bummeln und dem Leben frönen, schuften andere auf Plantagen und fürchten sich vor dem Tod. Während manche als Afro-Amerikaner gelten, sind andere zum Nigger-Sein verdammt. Manche sind Mr. Solomon Northup und andere sind Platt. Bestimmungen, manifestiert zur selben Zeit, im selben Land, sogar durch dieselbe Person. Auch die achronologische Narration von 12 YEARS A SLAVE wird somit zur absoluten Notwendigkeit.

Schwarzsein und Schwarzsein. Was das in den USA des 19. Jahrhunderts bedeutet, zeigt der Film anhand der pompösen Kostümierung der einen und anhand der körperlichen Entstellung der anderen. Hierzu gehören schöne Kleider und elegante Anzüge ebenso, wie Narben und Verstümmelungen. Dass 12 YEARS A SLAVE dabei nicht auf die Darstellung exzessiver Gewalt verzichtet, mag einigen wohl als anstößig erscheinen, wird aber, in Anbetracht einer Unvorstellbarkeit der damals verübten Gräueltaten und des ungleich stärkeren Effekts, zum nachvollziehbaren Bedürfnis der Filmemacher.

Schwarzsein und Weißsein. Verkörpert wird dieser Kontrast vor allem durch Chiwetel Ejiofor (als Solomon Northup/Platt) auf der einen Seite und Michael Fassbender (als Edwin Epps) auf der anderen. Das Spiel Ejiofors ist dabei manchmal so eindringlich und doch zurückgenommen, sodass den Zuschauer das Gefühlt beschleicht, er durchlebe nochmals all die Leiden seines Volks. Der innere Konflikt seiner Figur, die versucht ihre Würde als Mensch nicht zu verlieren und dabei trotzdem zu überleben ist allseits gegenwärtig. Und wenn Solomon beim Wiedersehen mit seiner Familie in Tränen ausbricht weint er, so scheint es, nicht eben wegen seiner Rückkehr, sondern aufgrund der Dualität des Seins der schwarzen Bevölkerung, seines eigenen Seins. Hingegen wird die extreme und ausufernde Brutalität von Epps durch die Darstellung Michael Fassbenders so durchdringend transportiert, sodass man sich teilweise die Frage stellt, ob Weiße nicht generell das Böse sein könnten. Glücklicherweise gibt es mit Bass (Brad Pitt) und Turner (Bryan Bett) auch positiv konnotierte weiße Figuren. Dass diese in Anbetracht der behandelten Thematik in den Hintergrund gedrängt werden, ist dabei nur konsequent. Lupita Nyong'o (als Patsey), Adeporo Oduye (als Eliza), Sarah Paulson (als Mistress Epps) und viele andere runden das hervorragende Ensemble ab.

Bestimmt gibt es andere Möglichkeiten die Geschichte von 12 YEARS A SLAVE zu erzählen. Ob es aber bessere gibt, vermag ich nicht zu beurteilen.

12 Years a Slave Bild 1
12 Years a Slave Bild 2
12 Years a Slave Bild 3
12 Years a Slave Bild 4
12 Years a Slave Bild 5
12 Years a Slave Bild 6
FAZIT:

12 YEARS A SLAVE ist keine Geschichte eines Einzelschicksals, sondern die Geschichte Vieler - Eine Geschichte von Schwarzsein und Schwarzsein. Eine Geschichte von Schwarzsein und Weißsein - packend, eindringlich und nachhaltig erzählt.

WERTUNG: 9 von 10 Geigenstrichen und Peitschenhieben
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