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2 Tage Paris

2 Tage Paris

OT: Deux jours à Paris
LIEBESKOMÖDIE: F, 2007
Regie: Julie Delpy
Darsteller: Julie Delpy, Adam Goldberg, Daniel Brühl

STORY:

Das amerikanisch-französische Pärchen Jack und Marion entscheidet sich nach einem verkorkstem Venedigtrip in Paris bei Marions Eltern vorbeizuschauen. Na mehr braucht der neurotische Jack nicht...

KRITIK:

Ich sitze im Kino und sehe mir die Trailer an. Aha, eine neue Komödie. Alle rund um mich hauen sich ab und ich denk mir meistens, meine Güte, an diesem Trailer merkt man doch schon wie schlecht dieser Film sein muss, aber bei 2 Tage Paris hat es mich Komödienignoranten dann doch voll erwischt.

Vielleicht weil ich das Spiel mit kulturellen Klischees einfach liebe, vor allem Frankreich vs. USA, vielleicht weil ich überhaupt frankophil bin und es nicht erwarten kann, einen unschuldigen Amerikaner in der Stadt der Liebe aus der Haut fahren zu sehen und ganz sicher weil Julie Delpy einfach bezaubernd ist, was wir ja alle von Before Sunset und Before Sunrise wissen.

Und dann passiert es wirklich. Der Alt-68er Pa von Marion fängt am Frühstückstisch an, den armen, neurotischen New Yorker Jack auszufragen. Ob er Rimbaud (Rambo?;-) kennt, Verlaine, Baudelaire? Und den großen Autor Jean Renoir? Stille. Alle sehen Jack an, sogar seine Freundin Marion. "But he was a painter." Puh, gerade noch gerettet...

Natürlich lässt dieser Film kein Klischee aus, von den amerikanischen Da-Vinci-Code Touristen bis zu den sexsüchtigen Franzosen, nein, hier werden Klischees viel eher genüsslich zelebriert und so offensichtlich eingesetzt, dass es die reinste Freude ist und eigentlich viel mehr als bloß eine Liebeskomödie. Hier hat man wirklich das Gefühl, dass der große Woody Allen am Werk war, nur dass Delpy, die neben der Regie auch das Drehbuch geschrieben, den Schnitt besorgt und die Musik komponiert hat, noch viel, viel lustiger ist.

2 Tage Paris Bild 1
2 Tage Paris Bild 2
2 Tage Paris Bild 3
FAZIT:

Eine wirklich herrlich erfrischende Liebeskomödiensatire zum Ablachen auf hohem Niveau und noch dazu ein eigentlich sehr ernster Film über die Beziehung zwischen Mann und Frau. Unbedingt ansehen, am besten im originalen Mix aus Englisch und Französisch. Wirklich herrliches Kinoerlebnis, ich habe schon lange nicht mehr so gelacht.

WERTUNG: 8 von 10 Salamis
TEXT © Ralph Zlabinger
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Eloge de l'Amour
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FILMGEDICHT: F, 2001
9/10
Herzen
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DRAMA: F, 2007
8/10
Zusammen ist man weniger allein
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MELODRAM: F, 2007
6/10
Vollmondnächte
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LIEBESFILM: F, 1984
8/10
Dein Kommentar >>
lerob | 20.06.2007 15:31
ich stimme mit den positiven kritiken gänzlich überein, muss jedoch anmerken, dass dem verfasser ein kleiner fehler unterlaufen ist: Jean Renoir war nicht maler sondern regisseur, vielmehr muss hier auguste renoir stehen...;-)
Ralph | 20.06.2007 18:19
Tja, es war nur eine Frage der Zeit, bis jemand diesen Fehler bemerken würde ;-). Ich möchte noch anmerken, dass Jean Agustes Sohn war und sich einige seiner Filme durch den Verkauf der Bilder seines Vaters finanzierte.
>> antworten
Fips | 05.06.2007 20:20
Also bitte, das war ja wohl nicht wirklich witzig. Eher sehr bemüht und konstruiert. Und das schlimmste: nicht im geringsten unterhaltsam. Das lag vor allem daran, dass dieses subtile Den-anderen-fertigmachen, das die beiden Hauptdarsteller aneinander praktizieren, auf die Dauer einfach schlechte Laune verursacht. Ich jedenfalls bin schon lange nicht mehr so schlecht gelaunt aus dem Kino gekommen! Und der Gipfel war dann das Fazit: Gib dich mit einem nörgelnden Depp zufrieden, damit du nicht alleine alt wirst. Trostlos.
Ralph | 10.06.2007 17:20
So kann man es natürlich auch sehen. Meine letzte Beziehung war eigentlich genau so. Sie aus Bayern, ich aus Österreich. Hier ein Bruchteil unseres klischeehaften Eigentschaftskataloges, sie: traditionsbewusst, katholisch, trotzdem egoistisch, und wie!!!;-) Ich: tradtionsignorant, atheistisch, um so mehr egoistisch und ständig nörgelnd. Es war zum Heulen. Aber wenn man sich dann selber in einem Film sieht, sollte man ein bisschen kritische Distanz aufbauen können und aus seinen Fehlern lernen, was vermutlich eh unmöglich ist, sich selbst nicht allzuernst nehmen und, was ich für das wichtigste halte, und über sich selbst (genauso wie über alle anderen Menschen) lachen können. Komödien, zumindest jene, die auch Inhalt und Aussage haben, zeigen nun mal menschliche Schwächen auf, das ist wenn man darüber nachdenkt, meistens sehr trostlos. Aber ich finde auch es ist eine vorzügliche Art der Therapie und Selbstreflexion;-)
>> antworten
Sokrates | 20.05.2007 12:19
Ich habe schon lange nicht mehr so herzlich im Kino gelacht wie bei diesen
Film. Woody Allen wird gerne als Vergleich herangezogen. Um dieses Niveau zu erreichen fehlt vielleicht ein wenig die Subtilität. Aber das ist schon der einzige Kritikpunkt der mir einfällt.
Ich habe ihn ihm im fast vollen Votivkino in Omu gesehen, und frage mich ob man in der Synchronfassung eine der beiden Sprachen erhalten hat.
Einen Sonderlob möchte ich Delpys Eltern aussprechen(es handelt sich dabei um ihre realen Eltern) die Komödianten der Sonderklasse sind.
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