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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage

4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage

DRAMA: RO, 2007
Regie: Cristian Mungiu
Darsteller: Anamaria Marinca, Laura Vasiliu, Vlad Ivanov

STORY:

Seit 4 Monaten, 3 Wochen und 2 Tagen ist Studentin Gabita (Laura Vasiliu) schwanger. Sie entschließt sich, den Fötus abzutreiben. Kein einfaches Unterfangen im Rumänien der Ceausescu-Ära, wo Abtreibungen drakonisch bestraft werden. Gabitas beste Freundin Otilia (Anamaria Marinca) erledigt die Kontaktaufnahme mit dem kriminellen Kurpfuscher "Herr Bebe". Doch der verlangt einen unerwarteten Preis für seine Dienste ...

KRITIK:

Seit Rumäniens roter Diktator Nicolae Ceausescu in den sechziger Jahren Schwangerschaftsabbrüche "zum Wohle des Volkes" unter Strafe setzen ließ, starben 300.000 (!) Frauen bei unsachgemäß durchgeführten illegalen Abtreibungen. Vor diesem Hintergrund spielt der Film 4 Monate, 3 Woche und 2 Tage, der mit Jubelkritiken und Preisen sonder Zahl überhäuft wurde, u.a. der Goldene Palme in Cannes 2007.

Der Film des jungen rumänischen Regisseurs Cristian Mungiu ist kein gewöhnliches Abtreibungsdrama: Wie die aktuellen rumänischen Filmexport-Erfolge 'Der Tod des Herrn Lacarescu' (2005) und '12:08 östlich von Bukarest' (2006) setzt sich das Werk kritisch mit der jüngeren Vergangenheit des Landes auseinander.
Der Film ist von einer Grundstimmung durchzogen, die man "subtile Brutalität" nennen könnte: Unfreundlichkeit, ständiges Misstrauen und Lügen prägen das Zusammenleben der Menschen, selbst in Freundschaften und Liebesbeziehungen. Es ist beklemmend anzusehen, wie der totalitäre Überwachungsstaat auf die Umgangsformen der Menschen abfärbt.

Die realsozialistische Tristesse wird in perfekt durchkomponierten, aber dennoch schmucklosen, graustichigen Bilden eingefangen. Künstliches Licht wird weitgehend vermieden, was dem Film einen realistischen, beinahe dokumentarischen Touch verleiht.

Bemerkenswert ist auch, dass die Geschichte in Beinahe-Echtzeit erzählt wird: Dialoge dauern hier so lange, wie sie eben dauern. Im Klartext: Ungeduldige (oder sagen wir: am Alltagsleben zur Zeit der Ceausescu-Diktatur nicht interessierte) Zuseher könnten Probleme bekommen. Aber die werden sich ohnedies nicht in diesen Film verirren...

Unbedingt zu erwähnen ist die schauspielerische Leistung von Anamaria Marinca. Die junge Frau mit Wahlheimat London wurde kürzlich von Francis Ford Coppola engagiert und dürfte eine große Karriere vor sich haben.

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FAZIT:

Hartes Drama um eine illegale Abtreibung in Rumänien der späten 80er-Jahre: Handwerklich und formal bietet der Goldene Palme-Gewinner von Cannes gehobenes europäisches "Sozialkritik-Kunst"-Niveau.
Für meinen Geschmack vielleicht eine Spur zu sperrig und visuell "unauffällig", muss der Film für seine Konsequenz und "subtile Drastik" empfohlen werden...

WERTUNG: 7/10
Dein Kommentar >>
Nico | 19.03.2008 11:00
Dem Regisseur ist da wirklich Großartiges mit minimalen Mitteln gelungen. Bis zuletzt bedrückend und düster... frische Noir-Atmosphäre, ungemein realistisch und fordernd.

Die Sperrigkeit wünschte ich mir eigentlich nicht. Mir reichten die kleinen, subtilen Seitengassen, die Mungiu im Zuschauer entstehen lassen wollte...
Das Messer, die Mutter des Arztes, der Paß, die Scheinwerfer am Ende... der leere Blick der Freundin... Dinge, die fast schon hypnotisch Erwartungen wecken....

Filmisch, sehr dicht... überzeugende Arbeit!

8 von 10 alten Dacias
Sabiene Strasser | 13.05.2010 10:48
Gestern gesehen und ziemlich beeindruckt. War schon hundemüde aber konnte einfach nicht aufhören zu schauen...
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