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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
96 Minuten

96 Minuten

OT: 96 Minutes
DRAMA: USA, 2012
Regie: Aimee Lagos
Darsteller: Brittany Snow, Evan Ross, Christian Serratos, Elena Varela

STORY:

Vier Jugendliche fahren in einem Auto durch die Nacht. Unterschiedlicher könnten sie nicht sein. Da ist der schwarze Dre der das Auto fährt, im Nebensitz Kevin mit einer geladenen Waffe in der Hand, auf dem Rücksitz liegt die blutende Lena mit einer Schusswunde am Kopf, ihre Freundin Carley versucht ihr zu helfen.

KRITIK:

Ziemlich unglückliche Umstände haben die vier zusammen gebracht. Eine Zufallsbegegnung mit Folgen. Diese Genre kennen wir mittlerweile zu Genüge: 11:14, Amores Perros, 21 Gramm, um nur ein paar zu nennen. Die beiden letzteren definitiv empfehlenswert, besonders Amores Perros. Sich miteinander verstrickende Schicksale, ein beliebtes Motiv. Und ja auch durchaus ein spannender Stoff. (Übrigens schon das DVD-Cover lässt keinen Zweifel offen an welchen Film sich 96 Stunden anlehnt. Optisch erinnert es schon stark an 11:14).

Auch in 96 Minuten ist alles wunderbar konstruiert und funktioniert auch, aber leider ist es eben, wie ich schon sagte, konstruiert und das merkt man dem Film auch an. Hier wurde definitiv alles richtig gemacht, aber der letzte Kick, das Unerwartete, ja das bleibt leider aus und hebt den Film somit auch nicht besonders hervor.

Da hätte es leider schon etwas mehr gebraucht. Ein guter Anfang wäre zum Beispiel gewesen, die Charaktere mal etwas liebevoller auszubauen und nicht nur stumpfsinnige Klischees zu bedienen. Denn damit wird hier wahrlich nicht gespart: der Schwarze aus dem Ghetto der etwas aus seinem Leben machen will, Ego-Shooter-zockender-White-Trash Kevin dessen Mutter sich prostituiert und von ihrem Alten misshandelt wird, die Ghetto-Gang die mit ihren Waffen rumfuchtelt und nicht zuletzt noch die weißen reichen Mädchen die eine glanzvolle Zukunft erwartet nach dem Studium. Achso und den betrügenden Schönling hat man auch noch eingebaut, dessen Rolle aber jeder Berechtigung entbehrt.

Wo das Ganze hinführt ist auch relativ schnell klar. Auch das Grundmotiv will zwar möglichst subtil daherkommen, springt einem aber leider förmlich ins Auge und ist auch nicht großartig überraschend. Welchen Weg wählst du? Was für ein Mensch möchtest du sein? Und wie verändert nur ein kleiner Augenblick dein ganzes Leben?

Zu Beginn des Films gibt es eine Szene deren Motiv am Ende wieder aufgegriffen wird und dann natürlich einen veränderten Standpunkt wiedergibt. Mehr kann ich nicht sagen, ohne zu spoilern. Das ist ja alles auch ganz schön gedacht und soll vermutlich den Zuseher dazu anregen sich mal selbst zu hinterfragen, aber das ist mir dann doch zu einfach und bleibt viel zu sehr an der Oberfläche, als dass es auch nur einen kleinen Kratzer in den Lack macht. Es wirkt wie aus dem 1x1 fürs Filmemachen. Spannungsbogen, Plot, Protagonisten, Kameraführung, Schnitt alles da und richtig gemacht, aber zu wenig für einen herausragenden Film.

Apropos Kameraführung, die Wackelkamera soll wohl den Realismus steigern aber das schafft sie nicht, sondern sie geht einem nur auf die Nerven. Weniger Klischees was die Darsteller betrifft hätten vielleicht etwas mehr Realität gebracht. Denn auch der latente Rassismus in den USA wird hier noch zum Thema gemacht. An für sich ja nicht schlecht, durchaus sozialkritisch, aber zu sehr gewollt. Nach dem Motto: tue Gutes und rede darüber.

Trotzdem alles sehr solide und sicherlich keine absolute Zeitverschwendung. Die Darsteller sind auch überzeugend und mal wieder, wie eigentlich immer, empfehle ich den Originalton. Ein Film der nicht all zu sehr überfordert. Ein Film der auf der einen Seite sozialkritische Töne anschlägt und somit den ein oder anderen durchaus zum Denken anregen wird aber trotzdem noch gut unterhält. Ich hatte hier Cherry Tree Lane mal als die kleine, leicht verdaulichere Schwester von Funny Games bezeichnet. Also wäre 96 Minuten dementsprechend das Mainstream-taugliche Pendant zu Amores Perros.

 96 Minuten ab 07.02.2013 als DVD und BLU-RAY im Handel.

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FAZIT:

Solider Film, alles richtig gemacht. Leider sehr gewollt und somit offensichtlich konstruiert nach einem klaren Schema. Dadurch geht das Unerwartete verloren und es werden zu viele Klischees bedient und leider zu wenig Augenmerk auf die Protagonisten gelegt. Funktioniert gut in der breiten Masse.

WERTUNG: 6 von 10 rassistischen Cops
TEXT © Nicky
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