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A Nightmare on Elm Street 4

A Nightmare on Elm Street 4

OT: A Nightmare on Elm Street Part 4 - The Dream Master
HORROR: USA, 1988
Regie: Renny Harlin
Darsteller: Tuesday Knight, Ken Sagoes, Rodney Eastman, Lisa Wilcox, Andras Jones, Danny Hassel

STORY:

Freddy Krueger schien vernichtet, doch in Wirklichkeit hat er sich bloß eine kleine Auszeit genommen um sich noch ein paar dufte Oneliner auszudenken. Jetzt, da er genug hat, ist es Zeit zuzuschlagen...

KRITIK:

Na, das ist doch mal was. Nachdem der letzte Teil – also Nummero tres – schon ziemlich dufte war und einen fast vergessen ließ, dass sich die NIGHTMARE-Reihe mit Teil 2 das Niveau von ganz unten angeschaut hat, hatte ich eigentlich eine Berg und Tal-Fahrt erwartet. Aber, meine Erwartungen wurden enttäuscht – und damit wurde ich persönlich nicht enttäuscht. Denn das bedeutet, dass das Franchise auf hohem Niveau weitermacht. Und nicht nur das, denn Teil 4 schwingt zu ganz neuen Höhen auf und gehört mit zu den besten Teilen der Reihe – und das sage ich jetzt schon, obwohl wir noch ganze drei Filme vor uns haben.

Woran das liegt? Ganz einfach – bereits in Teil 3 steuerte die Reihe in eine etwas neue Richtung, hin zu dem Freddy Krueger, wie wir ihn heute allgemein kennen. Teil 4 übernimmt diese Konzeptänderung und geht noch einen ganzen Schritt weiter. Ähnlich wie also Teil 6 der FREITAG DER 13.-Reihe, markiert A NIGHTMARE ON ELM STREET 4 – THE DREAM MASTER einen kleinen Wendepunkt. In FREITAG DER 13. Teil 6 – JASON LEBT wurde Jason Voorhees‘ Status als lebender Untoter – oder toter Nicht-Lebendiger – zementiert.

Und in THE DREAM MASTER wurde Freddy Krueger endgültig zum Sprüche klopfenden Obersadisten mit Hang zur Theatralik. Und vor allem wurde Freddy Krueger mit diesem Teil zum Guten der Reihe erkoren. Nicht gut im eigentlichen Sinne – er ist immer noch ein Bösewicht allererste Güte. Aber, das sind Michael und Jason, Ghost- und Leatherface auch. Aber, sie sind die Figuren um die es geht, sie sind das Aushängeschild ihres jeweiligen Franchises, die coolen Tüpen von Nebenan – mit Hang zum Morden. Und in diesem Teil wird eben Freddy Krueger zum coolen Tüpen. Zu jedem Mord hat er den passenden Spruch parat und selbst wenn’s mal gar nicht gut aussieht für ihn, dann lässt er den Kopf nicht hängen, sondern seinen Klauenhandschuh sprechen.

Darüber hinaus geht es nicht mehr so stark darum, mit den Realitäten zu spielen, den Zuschauer raten zu lassen, ob sich die Figuren nun in der Realität oder in einem Traum befinden. Nein, in der Regel wird das sofort offensichtlich und es ist keine schwere Aufgabe zu erkennen, ob die Figuren nun eingeschlafen sind oder noch wach sind. Denn die Traumwelten – die sowieso schon mit jedem Teil verrückter wurden – sind nun die Fantasie ausreizende und absolut surreale Albtraum-Welten. Also, in etwa eine Mischung aus der Hölle in der Bill und Ted in BILL & TED’S VERRÜCKTE REISE IN DIE ZUKUNFT landen und… nun ja, dem was Freddy Krueger halt so daraus macht.

Dementsprechend sind die Morde verdammt kreativ geraten, surreal und sehr schön anzusehen – nicht zwangsläufig aus ästhetischer Sicht. Sogar einen Ausflug in Kafka’sche Literaturwelten gibt es zu bestaunen, wenn Freddy vorführt was passiert, wenn man vorm Einschlafen noch Grusel-Klassiker liest. Ein besonderer Kniff ist auch die den dritten Akt einleitende Traumsequenz, die der Zuschauer zwar als Traum erkennt, für Alice jedoch lange Zeit nicht klar ist, dass sie sich wirklich in einem Traum befindet.

Alice, im Übrigen, ist unser diesfilmiges Final Girl und löst etwa in der Mitte der Geschichte das Final Girl aus dem dritten Teil, Kristen Parker, ab. Diese wird übrigens nicht mehr von Patricia Arquette – in NIGHTMARE 3 übrigens in ihrer ersten Kinorolle –, sondern von Tuesday Knight gespielt. Es fällt sofort auf, dass unterschiedliche Schauspieler die beiden spielen, sie sehen sich allerdings dermaßen ähnlich, dass der Wechsel nicht weiter tragisch ist und die Erkenntnis für den Rest des Films ad acta gelegt werden kann. Für die Fanboys unter uns, Tuesday Knight hatte eine Gastrolle in der 17. Folge der 6. Staffel von AKTE X – einer MotW-Folge.

Aber gut, kommen wir zurück zu Alice. Ich muss jetzt erst mal meine Final Girl-Rangliste neu ordnen, damit auch Alice einen Platz darin findet – wieso sie bisher nicht darin aufgetaucht ist? Ganz einfach, ich begebe mich mit diesen NIGHTMARE-Filmen gerade in absolut unerforschtes Terrain, da ich bis auf den ersten bisher keinen der Filme gesehen hatte… von FREDDY VS. JASON mal ganz abgesehen. Und so kommt es, dass ich irgendwie Platz schaffen muss, zwischen den Plätzen 3 und 5. Irgendwo dort würde ich Alice erst einmal einordnen. Sie ist sensibel und nett, hat einen scharfen Verstand und kann gleichzeitig ordentlich austeilen. Außerdem sieht sie gut aus und hat durch ihre Fähigkeit das Zeug dazu Freddy ordentlich in den Hintern zu treten. Dies führt dann zu einer äußerst coolen Vorbereitungsszene, ganz echt mit 80er Jahre Popmusik und entschlossenem Blick in den Spiegel.

Überhaupt ist der Soundtrack von A NIGHTMARE ON ELM STREET 4 – THE DREAM MASTER eine super Sache. Während schon der Soundtrack des ersten Teils ziemlich gut war und Teil 3 einen wirklich peppigen Titelsong hatte, legt Teil 4 noch einen drauf und präsentiert sich als Film aus den tiefsten 80ern. Vom Vorspann bis zum Abspann, lauter peppiger 80er Jahre Pop. Gut, das ist natürlich noch mehr eine Frage des Geschmacks als ein normaler Score, denn nicht jeder mag 80er Popmusik, aber ich persönlich bin der Meinung, dass diese Musik sehr gut zum Gesamteindruck des Films passt und darüber hinaus auch noch tierisch Laune macht. Und dann wäre da ja auch Are you ready for Freddy von The Fat Boys, einem netten kleinen Rapstückchen.

Der Soundtrack untermalt, was Renny Harlin mit viel Kreativität und dem richtigen Gespür für die richtige Richtung in die sich das Franchise entwickeln sollte aufs Zelluloid brachte. Und das obwohl Bob Shaye am Anfang überhaupt nicht davon begeistert war, einen noch so unerfahrenen Jungspund wie Harlin ans Steuer seiner wichtigsten Investition zu lassen. Und dann kam Renny Harlin auch noch aus Finnland. Ein Finne soll in Hollywood-Filme machen? Nee, das passte Shaye gar nicht und so verhielt er sich – Harlins Aussagen nach – auch in den ersten Meetings. Allerdings war die Zeit knapp bemessen und die Dreharbeiten mussten beginnen.

Das Endergebnis besänftige Shaye dann allerdings, denn schon die Testvorführungen liefern mehr als gut und vor allem viel besser als erwartet. Auch an den Kinokassen zeigte sich, dass es die richtige Entscheidung war Harlin die Zügel in die Hand zu geben, denn NIGHTMARE 4 spielte ordentlich Kohle ein und das war gut für das junge Studio New Line Cinema. Und auch für Renny Harlin sollte es nach diesem Film gut laufen, denn schließlich hat der gute Mann heute Filme wie STIRB LANGSAM 2, DEEP BLUE SEA, CLIFFHANGER und TÖDLICHE WEIHNACHTEN in seiner Filmographie stehen.

Die wirklichen Augen Süßigkeiten – aka Eye Candy – in A NIGHTMARE ON ELM STREET 4, sind allerdings die Effekte, die dieses Mal wirklich, wirklich spitze sind. Das fängt beim Wasserbett des Todes an – das sieht wirklich mal verdammt cool aus… und ich meine das nicht wegen der nackten Frau, die drin rumschwimmt – über die Seelenpizza bis hin zu Freddys ultra-grotesken Abgang integrierter Selbstzerlegung. Für diese Szene wurde von den SFX-Leuten übrigens extra eine 20 Fuß große Freddys Brustkorb-Statue gebaut um echten Schauspielern Platz darin zu geben. Das nenn ich mal kreativ und erfindungsreich.

In diesem Sinne: „Wenn dich das Essen hier nicht umbringt, dann wird es der Service tun!“

A Nightmare on Elm Street 4 Bild 1
A Nightmare on Elm Street 4 Bild 2
A Nightmare on Elm Street 4 Bild 3
A Nightmare on Elm Street 4 Bild 4
A Nightmare on Elm Street 4 Bild 5
FAZIT:

A NIGHTMARE ON ELM STREET 4 – THE DREAM MASTER ist definitiv ein Höhepunkt der NIGHTMARE-Reihe. Den guten Weg, den Teil 3 bereits eingeschlagen hatte, verfolgt Regisseur Harlin hier weiter, verzichtet jedoch auf die etwas lächerlichen Rollenspiel-Fantasy-Elemente des Vorgängers. So wird Teil 4 zu einer wahnwitzigen Achterbahnfahrt mit verrückten und surrealen Traumszenarien, grotesken und sehr gut umgesetzten Effekten. Einem interessanten Final Girl, einer kleinen Dosis Splatter und vor allem mit einem wirklich gut aufgelegten Freddy, der zu jedem Mord den passenden Spruch auf Lager hat.

Das ist der Stoff aus dem Horrorikonen gemacht werden.

WERTUNG: 8 von 10 mal "Auftragen, Polieren".
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