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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
Abwrts

Abwärts

THRILLER: DEUTSCHLAND, 1984
Regie: Carl Schenkel
Darsteller: Götz George, Hannes Jaenicke, Wolfgang Kieling, Renée Soutendijk

STORY:

Freitagabend in einem Frankfurter Bürohochhaus: Der erfolglose Werber Jörg (Götz George) und seine Kollegin Marion (Renée Soutendijk) steigen auf dem Weg ins Wochenende in den Lift. Zu ihnen gesellen sich der punkige Kurier Pit (Hannes Jaenicke) und der Buchhalter Gössmann (Wolfgang Kieling). Pit war kurz zuvor in den offenen Fahrstuhlschacht gefallen und konnte sich gerade noch vor dem herannahenden Fahrstuhl in Sicherheit bringen. Gössmann hat gerade den Safe seiner Firma um über eine halbe Million D-Mark erleichtert, die er nun in einer dicken Tasche bei sich trägt. - Plötzlich kommt es zu einer Störung und der Fahrstuhl bleibt zwischen zwei Geschossen stecken. Der Nachtwächter übersieht das Hilfesignal und somit ist vor Montag keine Rettung zu erwarten ...

KRITIK:

Der aus dem Jahre 1984 stammende Klaustrophobie-Thriller ABWÄRTS war der dritte Spielfilm des früh verstorbenen Schweizer Regisseurs Carl Schenkel (KNIGHT MOVES). Der Film war damals nicht nur in Deutschland ein großer Erfolg und wurde für Schenkel, der auch das Drehbuch schrieb, zu seiner Eintrittskarte nach Hollywood. ABWÄRTS orientiert sich auch ganz eindeutig an vergleichbaren Thrillern aus den USA. Und von seiner gediegenen Machart her muss sich dieser kleine Film vor keiner noch so großen Hollywood-Produktion verstecken:

Da ist z.B. die erstklassige Kameraarbeit von Jacques Steyn, die entscheidend dazu beiträgt die Bedrohlichkeit der Lage zu verstärken: So schraubt sich gleich zu Beginn die Kamera frenetisch den Fahrstuhlschacht hinab, einzelne besorgniserregende Details werden durch extreme Close-Ups in ihrer Brisanz verstärkt und die klaustrophobische Atmosphäre in der Fahrstuhlkabine wird durch Aufnahmen aus der extremen Unteransicht bzw. aus der Vogelperspektive in ihrer Wirkung gesteigert.

Aber nicht nur von seiner optischen Seite her ist ABWÄRTS ein kleiner, aber sehr feiner Leckerbissen. Auch das Skript von Carl Schenkel sorgt dafür, dass dieser fast ausschließlich in und um eine einzelne Fahrstuhlkabine spielende Film nie langweilig wird.

Da sind zum einen die persönlichen Spannungen innerhalb der vier eingeschlossenen Personen, welche in Anbetracht der brisanten Lage nicht gerade förderlich sind. Und da sind die immer neu auftretenden Hindernisse und überraschenden Wendungen, die nicht nur den vier Protagonisten den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Und im Gegensatz zu den meisten (vergleichbaren) Blockbustern aus Hollywood bleibt ABWÄRTS im gesamten Verlauf seiner Handlung immer sehr nahe an der Realität.

Natürlich ist auch hier der Plot extrem konstruiert, damit der Film so überhaupt funktionieren kann. Aber trotzdem finden sich hier keine wirklichen Logiklöcher, sondern man hat die gesamte Laufzeit über das Gefühl, dass die Dinge tatsächlich so geschehen könnten.

Zum Realismus der Handlung trägt insbesondere auch das überzeugende (Zusammen-)Spiel der vier Hauptdarsteller bei: Da ist zum einen der wie immer großartige Götz George, der dem von ihm verkörperten Werbe-Loser eine wunderbare Schimanski-mäßige Knorrigkeit gibt. Sehr glaubhaft ist auch der von Hannes Jaenicke gespielte Rebell Pit, was umso mehr überrascht, wenn man sich vergegenwärtigt, dass dies für Jaenicke die erste Filmrolle überhaupt war. Interessant ist auch die von Paul Verhoevens Ex-Muse Renée Soutendijk (SPETTERS, THE FOURTH MAN) dargestellte Marion, die irgendwo zwischen dem typischen blonden Dummchen und einer charismatischen Femme fatal angesiedelt ist. Etwas blass bleibt alleine der ein Jahr nach dem Dreh verstorbene Wolfgang Kieling, was jedoch auch in der Natur seiner Rolle liegt.

Im Wikipedia-Eintrag zu ABWÄRTS ist nachzulesen, dass ein Teil der damaligen Kritik die Figurenzeichnung als äußerst klischeehaft empfand. Das stimmt auch irgendwie, denn alle vier Hauptdarsteller sind echte 08/15-Typen, wie sie jeder von uns von irgendwoher kennt. Aber gerade dies unterstützt ganz entscheidend den Realismus des Films. Denn als Zuschauer kann man sich sehr gut vorstellen selber mit genau diesen vier Typen in einem Fahrstuhl eingesperrt zu sein. Und das ist sehr wahrscheinlich eine Erfahrung, die wir nur sehr ungern persönlich machen würden, denn wer mit dem Regisseur Carl Schenkel in den Fahrstuhl steigt, der begibt sich zwar auf einen echten Trip, doch dieser geht ganz eindeutig nur in eine Richtung: ABWÄRTS!!!

Abwärts Bild 1
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FAZIT:

Deutschsprachige Regisseure genießen in Hollywood ja ganz allgemein einen recht guten Ruf. Sie gelten unter anderem als Experten für Klaustrophobie-Thriller und als Macher, die auch mit einem sehr bescheidenden Budget eine sehr große Wirkung erzielen können. Wer verstehen will wie es zu dieser Einschätzung kam, der schaue entweder Wolfgang Petersens Überklassiker DAS BOOT oder eben auch Carl Schenkels inzwischen in weitestgehender Vergessenheit geratenen Fahrstuhl-Thriller ABWÄRTS. - Wer will da eigentlich noch behaupten, dass in den 80er Jahren nicht auch gute Filme gemacht wurden?!

WERTUNG: 8 von 10 Klaustrophobie-Anfälle in der steckengebliebenen Fahrstuhlkabine
TEXT © Gregor Torinus
Dein Kommentar >>
Marcel | 22.08.2011 15:35
Hey! Deine 100. Review! Meinen Glückwunsch! Und dann ausgerechnet Abwärts? Ist das ein Zeichen? *g*
Hm. Ja. Carl Schenkel. Auch hier, glatt polierter Stil. Das Sujet ist toll, der Film ist ok und für deutsche Verhältnisse der damaligen Zeit sogar bemerkenswert, aber im Kielwasser von Das Boot kommt er dann doch nicht mit. Und Dick Maass Fahrstuhl des Grauens hat mich damals mehr unterhalten. ;-)
Gregor | 22.08.2011 16:00
Vielen Dank für die Glückwünsche!!! - Ja, das sind schon so ein paar Kritiken geworden in knapp einem Jahr... Wunder mich selbst ein wenig. Mals chauen in welchem takt es nun weitergeht...
Gregor | 22.08.2011 17:38
Zu "Abwärts": Das ist die 100ste Kritik von mir, die ONLINE ist. Die 100ste geschriebene ist zu LIEBESENGEL, ein ganz grottiger Giallo. Der wäre aber auch schick zum Jubiläum gewesen, da dies meine erste 0-Punkte-Review ist (auch Gregor kann mit Punkten knausern...). Aber ABWÄRTS weist ja wenisgtens vom Titel her in die selbe Richtung ;-)

DAS BOOT ist natürlich definitiv noch weit besser. Der wäre mir mindestens 9 Punkte wert...
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