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American Ultra

American Ultra

ACTION: USA, 2015
Regie: Nima Nourizadeh
Darsteller: Jesse Eisenberg, Kristen Stewart, John Leguizamo, Connie Britton

STORY:

Das weitgehend ereignislose Leben des notorischen Kiffers und Möchtegern-Comicautors Mike (Jesse Eisenberg) nimmt eines Tages eine dramatische Wendung: In dem menschenleeren Laden, wo Mike - nun ja - arbeitet, taucht eine mysteriöse Frau auf. Minuten später wird Mike von zwei Typen attackiert, die ebenfalls Minuten später in einer Blutlacke am Parkplatz liegen. Ohne es zu wissen, scheint Mike über so etwas wie Superkräfte zu verfügen. Und die wird er noch dringend brauchen, denn plötzlich sind Heerscharen an CIA-Agenten hinter Mike her und verwandeln die verschlafene Kleinstadt in einen Kriegsschauplatz ...

KRITIK:

Jesse Eisenberg und Kristen Stewart in einer Kiffer-Actionkomödie. Kann mächtig in die Hose gehen. Kann aber auch ziemlich lässig sein. Ist es auch. Dazu gleich mehr, also dranbleiben. Dass Kristen Stewart und Jesse Eisenberg als Film-Paar bestens harmonieren, weiß man ja schon aus dem großartigen neben der Spur stehenden Coming of Age-Drama ADVENTURELAND.

AMERICAN ULTRA ist eine ausgesprochen erfreuliche Mogelpackung: Unter der etwas beliebigen Kifferkomödien-Tarnung lauert nämlich ein ziemlich subversives und hinterfotziges Biest von einer Satire, die bemerkenswert giftige Pfeile in alle erdenkliche Richtungen abschießt. Das wendungsreiche Drehbuch stammt von Max Landis, dem Sohn von BLUES BROTHERS-Regisseur John Landis. Das Gespür für anarchischen Humor liegt da wohl in der Familie.

Der Filmtitel mag auf eine Superhelden-Parodie hinweisen. Falsche Fährte. Den Vornamen unseres dauerbekifften Antihelden - Mike - und das "Ultra" im Titel lese ich als Anspielung auf MK-ULTRA, ein ziemlich wahnsinniges geheimes Forschungsprogramm der CIA über Möglichkeiten der Bewusstseinskontrolle.

Es lief von 1953 bis in die 1970er Jahre im Kontext des Kalten Kriegs. Ziel des Projekts war, ein perfektes Wahrheitsserum für die Verwendung im Verhör von Sowjetspionen zu entwickeln sowie die Möglichkeiten der Gedankenkontrolle zu erforschen. Das Programm umfasste unter anderem tausende von Menschenversuchen, bei denen ahnungslose Testpersonen, oft willkürlich unter Krankenhauspatienten und Gefängnisinsassen ausgewählt, ohne ihr Wissen unter hochpotente halluzinogene Drogen wie LSD und Mescalin gesetzt wurden. Zahlreiche Versuchspersonen trugen bei den Experimenten schwerste körperliche und psychische Schäden davon, teilweise bis hin zum Tod. Ein großer Teil der Experimente des Projekts verstieß gegen US-amerikanische Gesetze. Im Nachhinein betrachtet die CIA die meisten Experimente als wertlos, da sie häufig von Mitarbeitern ohne jede wissenschaftliche Qualifikation durchgeführt wurden. (Quelle: Wikipedia)

Das ist der nicht gerade beruhigende geschichtliche Hintergrund, auf den der Film explizit Bezug nimmt. Das grundsätzliche Dilemma jeder politischen Satire ist ja, dass sie von der Realität nicht immer zweifelsfrei unterscheidbar ist. Max Landis ist sich dessen voll bewusst. Darum wird in den Actionszenen auch dermaßen Gas gegeben. Und der Härtegrad ist auch nicht ohne.

Praktischerweise wurde eine ausufernd lange Gemetzel-Szene in der Heimwerker-Abteilung eines Cash&Carry-Marktes angesiedelt, wo allerlei Messer, Schraubenzieher, Beile und Küchenutensilien ihrer wahren Bestimmung als Mordwaffe zugeführt werden. Die spielerische Kreativität, mit der die Kills in Szene gesetzt sind, erinnert an ironisierte Dachschaden-Actionfilme Marke DOBERMANN, CRANK oder KICK-ASS.

Mit dem kleinen Unterschied, dass AMERICAN ULTRA auch noch eine Liebesgeschichte erzählen will, die sich - und das schreibe ich bei fast jedem Film, in dem Kristen Stewart mitspielt - um Aufrichtigkeit im Umgang mit Emotionen bemüht. Ernsthaft jetzt.

Man merkt vielleicht: In AMERICAN ULTRA steckt eine ganze Menge mehr drin, als es den Anschein hat. Klasse Film.

American Ultra Bild 1
American Ultra Bild 2
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American Ultra Bild 6
FAZIT:

Kiffer als Kampfmaschine. Jesse Eisenberg und Kristen Stewart in einer nur auf den ersten Blick konventionellen Action-Komödie, die sich als finstere und bluttriefende Satire auf die Umtriebe von Geheimdiensten entpuppt.

WERTUNG: 8 von 10 Panikattacken
Dein Kommentar >>
Johannes | 23.07.2016 21:27
Gestern dann auch endlich gesehen, und ich bin begeistert. Vorallem der Soundtrack hat es mir angetan; den habe ich mir gleich gekauft (auch wenn es ihn leider nur als Download gibt), und er läuft jetzt auch gerade im Hintergrund. :)
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deviantesÄffchen | 14.05.2016 05:47
Super Film,
die Satire leidet etwas unter der finalen Integrierung der Opfer des Systems in das System. In Anbetracht der behandelten Thematik hätte vom feelgood-Moment zugunsten einer gewissen Ernsthaftigkeit abgesehen werden können.
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