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Amerikanisches Idyll

Amerikanisches Idyll

DRAMA: USA, 2016
Regie: Ewan McGregor
Darsteller: Ewan McGregor, Jennifer Connelly, Dakota Fanning, Rupert Evans

STORY:

Wir befinden uns in den Sechzigern: Draußen toben Jugendrevolten, Rassenunruhen und Vietnamkriegsproteste. Doch für Swede läuft es gut. Er war Spitzenathlet der Highschool, heiratet die Schönheitskönigin von New Jersey, übernimmt die Fabrik seines Vaters und zieht mit Frau und Kind auf eine Farm. Das Idyll bröckelt, als sich die pubertierende Tochter radikalisiert. Einen Bombenanschlag später taucht Merry in den Untergrund ab. Swede will sein Mädchen nicht aufgeben, doch er kämpft zusehends auf verlorenem Posten ...

KRITIK:

Romanverfilmungen haben es schwer. Immer schon. Der voreingenommenen "Bücher verfilmen ist aus Prinzip scheiße"-Fraktion schleudere ich gerne das Gegenbeispiel FIGHT CLUB entgegen, worauf ihr üblicherweise die Argumente ausgeht. Wir einigen uns dann darauf, dass Literatur und Film unterschiedliche Kunstformen sind, die weder miteinander verglichen noch gegeneinander ausgespielt werden sollen. Buch ist Buch, und Film ist Film. Basta. Und nichts langweilt mehr als eine "Filmkritik", der nicht mehr einfällt, als Handlungsdetails aufzuzählen, die in Film und Buch voneinander abweichen.

Das weiß auch Ewan McGregor. In seinem Regiedebut konzentriert er sich auf jenes Motiv von Philip Roths gefeiertem Roman (den ich, schlagt mich ruhig, nicht gelesen habe) welches ihm als vierfachen Vater am meisten in seinen Bann zog: Die Vater-Tochter-Geschichte. Ein Thema, mit dem man auch bei mir verlässlich die richtigen Knöpfe drückt. Der aufmerksame Leser erinnert sich vielleicht.

Der Film ist wie seine Hauptfigur. Gut aussehend, um nicht zu sagen elegant. Zweifellos konservativ in seinem Gestus, aber keineswegs reaktionär. Auch progressiven Ideen wohlgesonnen. Freundlich und empathisch. Aber stets von einem Hauch von Schmerz umweht.

Eine Abrechnung mit dem amerikanischen Traum sei der Film, ist allerorts zu lesen. Eh. Oder, anders gefragt: Welcher ernstzunehmende amerikanische Film ist das nicht?

Die großen gesellschaftlichen Umwälzungen der Nixon-Ära werden auf eine Upper-Middleclass-Familie heruntergebrochen. Die Geschichte ist hochdramatisch, wie es sich für ein Familiendrama eben gehört. Ich würde sagen, wir haben es hier mit Ewan McGregors (Regie und Hauptrolle) ambitioniertester Arbeit ever zu tun.

Die Kritiken waren trotzdem vergleichsweise mau. Vermutlicher Grund: Siehe Einleitung. In Unkenntnis des Buches hat mich der Film hingegen wirklich gepackt - und am Ende einen emotionalen Punch versetzt, mit dem ich keineswegs gerechnet hätte. Und das, was aus Dakota Fanning hier wird, ist der Stoff, aus dem die Prosthetic makeup-Albträume sind. Aber seht selbst ...

Amerikanisches Idyll Bild 1
Amerikanisches Idyll Bild 2
Amerikanisches Idyll Bild 3
Amerikanisches Idyll Bild 4
Amerikanisches Idyll Bild 5
FAZIT:

Wenn die Tochter Bomben legt. Ewan McGregors Regiedebut über das Zerbrechen einer Vorzeigefamilie, in der sich die gesellschaftlichen Umwälzungen der Sixties spiegeln. Nach dem Roman von Philip Roth. Unerwartet heftiger Stoff.

WERTUNG: 8/10
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