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And then there were none

And then there were none

WHODUNIT / KRIMI: USA, 1945
Regie: René Clair
Darsteller: Barry Fitzgerald, Walter Huston, Louis Hayward, June Duprez

STORY:

Sieben Männer und drei Frauen folgen der Einladung eines mysteriösen Mr. U.N.Owen (Unknown) auf dessen auf einer kleinen Insel gelegenen Herrensitz. Dort angekommen werden sie via Tonband diverser Verbrechen angeklagt. Und dann zieht jemand die Gäste des Hauses für deren ungesühnten Taten zur Rechenschaft. Nach Art des alten Abzählreims über die "Zehn kleinen Negerlein" werden sie einer nach dem anderen umgebracht…

KRITIK:

Die Romanvorlage stammt von der 1976 verstorbenen Krimikönigin Agatha Christie und hieß auf Deutsch einst "Zehn kleine Negerlein". Aus Gründen der Political Correctness hat man den Titel aber mittlerweile auf "Und dann gab es keines mehr" abgeändert. Das gleiche geschah übrigens auch im englischsprachigen Raum (Aus den "Ten little niggers" wurden erst "Ten little indians" und schließlich lautete der Titel "And then there were none").

AND THEN THERE WERE NONE nennt sich auch die erste aus dem Jahr 1945 stammende Verfilmung des Stoffes. Und trotz ihres Greisenalters ist die Version von René Clair nach wie vor die beste. Auch wenn spätere Remakes wie etwa DA WAREN´S NUR NOCH NEUN (1965) prominent und kultig mit Namen wie Dahlia Levi, Mario Adorf und Shirley Eaton (war die Goldene in GOLDFINGER) besetzt waren; gegen die Darsteller der Ten little indians in diesem Film ziehen sie allesamt den Kürzeren. Der trinkfeste Dr. Armstrong, der weniger trinkfeste Butler, der smarte Lombard oder die süße, aber undurchsichtige Vera Claythorne - Clair scheint die Charaktere geradewegs aus Christies Roman und auf die Leinwand gezogen haben.

Über den Plot selbst muss man keine großen Worte verlieren. Er ist so simpel wie genial, weil er das Who´s next? des Slasherfilms äußerst clever mit der spannenden Whodunit-Frage des klassischen Christie-Krimis kombiniert. Clair hat in seine Interpretation des mörderischen Abzählreims eine große (und wohl mundende) Portion schwarzen Humors fließen lassen. Dieser macht den Film noch einmal so unterhaltsam; eben weil er genau dosiert ist. Nicht zu wenig für ein paar gemeine, amüsierte Schmunzler und nicht zu viel, damit die feine Gruselkrimiatmosphäre noch wirken kann und nicht durch den Kakao gezogen wird. Die Morde geschehen größtenteils im Off, was man aber einem alten Kriminalstück aus dem Jahr 1945 sicherlich verzeihen kann.

So hätten wir eine aller Ehren werte und so ziemlich perfekte Romanverfilmung gehabt, wenn sich Clair -oder seine Drehbuchautoren- nicht kurz vor dem Ziel einen gewaltigen Schönheitsfehler erlaubt hätte(n). Im Roman ist das Ganze mit einem cleveren und herrlich perfiden Ende veredelt. Letzteres sucht man in der vorliegenden Verfilmung leider vergebens. Ich will nicht näher darauf eingehen, weil dies zu Spoilern führen würde, aber soviel sei gesagt: Kenner des Christie-Schluss werden das Ende von AND THEN THERE WERE NONE nicht nur als Enttäuschung, sondern geradezu als Affront auffassen. Schade, denn der Originalschluss wäre das Sahnehäubchen gewesen…

FAZIT:

Agatha Christies grandioser Whodunit-Body Count nach dem "10 kleine Negerlein"-Prinzip wurde oft verfilmt. Doch die erste Verfilmung von René Clair aus dem Jahr 1945 ist nach wie vor die beste von AND THEN THERE WERE NONE. Hätte man Christies fiesen Originalschluss übernommen, wäre Clairs schwarzhumoriger und großartig gespielter Massenmord im Namen der Gerechtigkeit eine perfekte Romanverfilmung. Dennoch ein Klassiker, der nicht altbacken, sondern zeitlos wirkt.

WERTUNG: 9 von 10 little Indians
TEXT © Christian Ade
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