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Andy Warhol's Dracula

Andy Warhol's Dracula

OT: Dracula cerca sangue di vergine... e morì di sete!!!
VAMPIRFILM: ITA/FRA, 1974
Regie: Paul Morrissey
Darsteller: Udo Kier, Joe Dallesandro, Arno Juerging

STORY:

Der arme Graf Dracula nagt am Hungertuch, weil in Rumänien die Jungfrauen zur Neige gehen. Da der gute Graf aber ohne reines Blut nicht überleben kann, machen er und sein Diener Anton sich sogleich nach Italien auf, um dort für Nachschub zu sorgen...

KRITIK:

Eine Rezension über einen Dracula-Film, von mir?! Ich kenne zwar den, oder den, und natürlich auch den! Ansonsten habe ich mit Vampiren aber eigentlich nichts am Hut. Da gibt es andere Experten, zum Beispiel ihn hier und vor allem ihn! Aber genug jetzt mit der Verlinkerei, ich werde mich trotzdem drüber wagen. Ganz gegen das Moto: "Schuster, bleib bei deinen Leisten!" Deshalb ist diese Besprechung weniger auf filmischer, sondern vielmehr auf inhaltlicher Ebene angesiedelt.

Der Film, das sei gesagt, stammt nicht aus der Feder Warhols. Nein, Buch und Regie sind von Paul Morrissey. Trotzdem impliziert das Prädikat Andy Warhol natürlich POP ARTige Inhalte. Ob diese im Film auch auffindbar sind kann getrost bezweifelt werden. Eine Vertrauensbasis zwischen dem Künstler und seinem langjährigen Mitarbeiter muss aber bestanden haben. Warhol gibt nämlich nicht nur für diesen Film seinen guten Namen her, sondern lässt besagten Morrissey in den Jahren 1968 bis 1974 bei nicht weniger als acht von ihm produzierten Filmen als Regisseur und/oder Drehbuchschreiber wirken. Was also sind die Säulen dieses filmischen Fundaments?

Erste Säule: Anders Sein!

Graf Dracula, gespielt von Udo Kier, ist hier nicht die typische Vampirfigur - gut aussehend, anziehend und doch furchteinflößend. Nein! Er ist schwach und eine beinahe rudimentäre Lebensform. Nur mit Jungfrauenblut überleben zu können, macht ihn zum taumelnden Süchtigen. Auf seiner steten Suche nach dem nächsten Biss agiert er niemals eigenständig, sondern begibt sich in ein totales Abhängigkeitsverhältnis zu seinem "Diener" Anton (Arno Juerging). Dieser Vampir ist kein Symbol der Macht, er ist ein verkümmerter Schatten seiner selbst. Trotz seines Adels ist er in der bildlichen Gosse gelandet. Bemitleidenswert und erbärmlich, so unglaublich erbärmlich, dass er doch tatsächlich...

Zweite Säule: Schockierend Sein!

BLOOD FOR DRACULA (eng. OT) überschreitet so manche Grenze des guten Geschmacks. Könnte man ihn als Trash- oder (S)Exploitation Film ansehen, wüsste man wenigstens warum manche Dinge so dargestellt werden. Doch weder Dramaturgie, noch Machart, noch sonstige Stilelemente deuten auf ein solches Genre hin. Trotzdem werden Frauen vergewaltigt, es sind unzählige Nacktheiten zu sehen und mit künstlichen Körperflüssigkeiten wird alles andere als sparsam umgegangen. Insbesondere Erbrechens-Szenen des nichtjungfräulichen Blutes werden bis zur Unerträglichkeit ausgereizt. Die Geschmacklosigkeiten finden ihren Höhepunkt, als dieser ekelhafte Vampir dann auch noch...

Dritte Säule: Politisch Sein!

In seinen politischen Aussagen - egal ob man diese unterstützen mag oder auch nicht - liegt die große Stärke dieses Films. Graf Dracula, der ja schließlich Adeliger ist und das Establishment repräsentiert, als verkümmerten Schatten ebendieses darzustellen, spricht schon für sich. Ihn als Opfer seiner und damit einer generellen Dekadenz erscheinen zu lassen, erhärtet die Sozialkritik. Ihn dann noch durch den sich dem Proletariat angehörig fühlenden, mit sozialistischen Floskeln um sich werfenden Mario Balato (Joe Dallesandro) im wahrsten Sinne des Wortes ausbluten zu lassen, indem dieser alle von Dracula begehrten Mädchen entjungfert, setzt ein klares Zeichen. Die schlussendliche Zerstückelung des Grafen durch diesen Nachwuchssozialisten, zelebriert dann endgültig die proletarische Revolution. Grausam und verstörend zugleich, dass der Graf wirklich gezwungen wird...

Vierte Säule: Nicht Vorhanden!

Vermutet man eine Solche in der filmischen Umsetzung, wird man leider herb enttäuscht. Diese ist nämlich relativ schwach, denn weder das dramaturgische Konzept, noch die Kamera- und Tonarbeit, noch die schauspielerische Leistung vermögen zu überzeugen. Ausnahme bildet hier der fantastisch agierende Udo Kier. Er schafft es eine doch sehr eigenwillige Dracula-Interpretation derart großartig in Szene zu setzen, sodass die Entscheidung, ob man ihn nun bemitleiden oder verabschäuen soll, wirklich schwer fällt. Es mag hart klingen, doch bei BLOOD FOR DRACULA handelt es sich nun wirklich nicht um einen guten Film. Aber die "Dreisäulenkonstruktion" hält, und so empfinde zumindest ich ihn als sehr sehenswert.

Andy Warhol's Dracula Bild 1
Andy Warhol's Dracula Bild 2
Andy Warhol's Dracula Bild 3
Andy Warhol's Dracula Bild 4
Andy Warhol's Dracula Bild 5
FAZIT:

ANDY WARHOL'S DRACULA wird wohl eher nicht zu einem Klassiker des Vampirfilmgenres werden. Zu weit ist er entfernt von einer populären Interpretation Bram Stokers Blutsaugerfigur. Auch filmisch gesehen gehört er sicher nicht zu den Besten seiner Art. Trotzdem, er ist: anders, schockierend, politisch - also sehenswert!
In diesem Sinne: "You should lose that virginity of yours before he gets to you."

 

WERTUNG: 7 von 10 jungfernblutgetränkten Brotlaiben
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