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Anomalisa

Anomalisa

ANIMATIONSFILM/TRAGIKOMÖDIE: USA, 2014
Regie: Charlie Kaufman & Duke Johnson
Darsteller: David Thewlis, Jennifer Jason Leigh, Tom Noonan

STORY:

Michael Stone ist ein erfolgreicher, aber völlig ausgebrannter Autor von Business-Ratgeberliteratur. Drehbuchautor Charlie Kaufman schickt ihn auf eine kafkaeske Dienstreise, wo er eine Frau kennenlernt, die anders ist als die anderen ...

KRITIK:

"Every Day is Exactly the Same" heißt ein Song von Nine Inch Nails. Jeder Tag, den Michael Stone durchlebt, ist wie der andere. Und auch jede Person, der Michael begegnet, erscheint wie die andere: Seine Frau, sein Sohn, der Taxifahrer, das Hotel-Personal, ein Sexshop-Verkäufer: Sie alle nerven ihn mit ihren antrainierten, unverbindlichen Höflichkeits-Floskeln, ihrem enervierenden, belanglosen Smalltalk-Gestammel, sie ängstigen ihn mit ihren starren Einheitsgesichtern und ihrer roboterhaften Einheitsstimme (alle gesprochen von Tom Noonan, bekannt als Serienkiller Roter Drache in Michael Manns MANHUNTER).

"In a way, I was dead already" sagt sein Midlife-Crisis-Leidenskollege Lester Burnham in AMERICAN BEAUTY, und es trifft wohl auch auf Michael Stone zu (Keine Angst, das ist kein Spoiler!). Anders als Lester Burnham hat Michael Stone aber gar nicht mehr die Kraft, aus der quälenden Routine auszubrechen. Sein psychischer Zustand lässt ihm keine andere Wahl, als täglich Tabletten einzuwerfen, sie mit harten Drinks runterzuspülen und zu hoffen, einfach irgendwie durch den Tag zu kommen.

Und plötzlich, als Michael einmal wieder allein und betrunken im Hotelzimmer sitzt, passiert es: Michael hört eine echte Frauenstimme. Sie gehört Lisa (gesprochen von Jennifer Jason Leigh), einer schüchternen jungen Frau. Sie ist weder besonders hübsch noch besonders gebildet - aber sie sticht aus der unheimlichen Masse der gleichförmigen Einheitsmenschen heraus.

Was folgt, sind - ich hoffe, ich übertreibe nicht - Filmszenen für die Ewigkeit. Ohne etwas spoilern zu wollen (was bei einem Film, dessen minimalistische Geschichte im Grunde auf einen Bierdeckel passt, zugegeben nicht einfach ist), dürfen wir uns auf eine Gänsehaut erzeugende Coverversion von "Girls just want to have fun" freuen. Und auf eine eindringliche, ausgesprochen realistische Sexszene, die dem Film in den USA glatt ein R-Rating eingebracht hat. Und wir reden hier bitte von einem Animationsfilm.

Trotz anfänglicher Skepsis (ich bin nämlich eher nicht der Typ, der Animationsfilmen allein schon deshalb entgegenfiebert, weil sie Animationsfilme sind), kann ich gar nicht anders, als in den Chor der begeisterten Kritiken einzustimmen:

"Anomalisa erzählt auf ganz wunderbare Weise vom Leben und dringt dabei so tief in die menschliche Seele ein, wie man dies kaum je in dieser Güte bei einem Realfilm sieht" (Süddeutsche Zeitung). 

"Eine wunderbar berührende Liebesgeschichte"
(Die Presse).

"An diesem stillen Meisterwerk, das wohl auch Franz Kafka gefallen würde, führt kein Weg vorbei." (fm4).

Amen.

Anomalisa Bild 1
Anomalisa Bild 2
Anomalisa Bild 3
Anomalisa Bild 4
Anomalisa Bild 5
FAZIT:

Nach langer, unfreiwilliger Pause meldet sich Charlie Kaufman, Autor von absurden Tragikomödien wie BEING JOHN MALKOVICH oder ETERNAL SUNSHINE OF THE SPOTLESS MIND mit einem Wunderwerk von einem Puppen-Trickfilm für Erwachsene zurück.
Die Kritiken waren euphorisch - völlig zu Recht.
Jetzt im Kino.

WERTUNG: 8 von 10 Eiswürfel-Maschinen am Ende des Hotelflurs
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