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Attila, der Hunnenknig

Attila, der Hunnenkönig

OT: Sign of the Pagan
HISTORIENFILM/DRAMA: USA, 1954
Regie: Douglas Sirk
Darsteller: Jeff Chandler, Rita Gam, Jack Palance, Ludmilla Tchérina

STORY:

Vor 1500 Jahren war das Römische Imperium bereits gespalten. In Rom regierte der Kaiser Valentinian (Walter Coy) und der in Konstantinopel ansässige Theodosius (George Dolenz) war der Herrscher über das Oströmische Reich. Letzterer schloss einen geheimen Nichtangriffspakt mit Attila, dem gefürchteten Anführer der Hunnen. Dieser vereint daraufhin alle Barbarenstämme unter seinem Oberkommando und beschließt zuerst Rom und später dann auch noch Konstantinopel zu erobern. Kann jetzt noch irgendjemand die wild zum Sieg entschlossenen Barbaren aufhalten?

KRITIK:

Anders, als die Inhaltsangabe vermuten lässt, handelt es sich bei dem aus dem Jahre 1954 stammenden ATTILA, DER HUNNENKÖNIG nicht einfach um einen weiteren monumentalen Sandalenfilm, der in prächtigen Cinemascopebildern ein wildes Schlachtengetümmel zelebriert. Bereits die knappe Laufzeit von nicht viel mehr als 90 Minuten deutet darauf hin, dass hier ein etwas anderer Ansatz gewählt worden ist.

Tatsächlich interessiert sich der von Douglas Sirk gedrehte Film viel mehr für die recht genau gezeichneten Charaktere, die den Verlauf diesen Teils der Geschichte entscheidend beeinflusst haben. So nähert sich dieser zunächst scheinbar klassische Historienfilm sogar relativ stark den wesentlich bekannteren Melodramen wie z.B. SOLANGE ES MENSCHEN GIBT, für die Sirk in den 50ern berühmt geworden ist.

Am interessantesten ist hierbei die von Jack Palance auf geradezu charismatische Weise verkörperte Figur des titelgebenden Hunnenkönigs Attila. Dieser wird keineswegs als ein schlicht abgrundtief böser Barbar gezeichnet, sondern als eine sehr realistisch dargestellte Persönlichkeit, mit ihren ganz eigenen Stärken und Schwächen für die man sogar einiges an Sympathie entwickeln kann. So lässt er z.B. zu Beginn des Films einen gefangen genommenen römischen Krieger am Leben, da er dessen Mut bewundert und auch hofft, ihn sich später noch zu Nutze machen zu können. Dies ist eine Entscheidung, die er später noch bereuen wird...

Doch was diesem modernen Anstrich ein wenig entgehen steht ist die Tatsache, dass ATTILA, DER HUNNENKÖNIG trotz seiner genauen Figurenzeichnung zugleich einen starken Akzent auf anscheinend letztendlich vom Menschen unbeinflussbare Mächte des Schicksals legt. Und in der Darstellung gerade dieser Schicksalsmächte liegt eine ganz klare Moral, die man als geradezu propagandistisch bezeichnen kann.

Und es ist diese gewisse Zwiespältigkeit, die auch den Gesamteindruck dieses Films bestimmt. Auf der einen Seite ist dies doch einer der zahlreichen Historienschinken, welche die bereits greisen Studiobosse in wilder Verzweiflung und letzten Endes doch vergeblich auf die Zuschauer losließen, um das alte Studiosytem des Klassischen Hollywood doch noch zu retten. Auf der anderen Seite findet sich in ATTILA, DER HUNNENKÖNIG aber auch, wie bereits gesagt, eine ganze Menge der speziellen Qualitäten, welche auch Douglas Sirks Melodramen so interessant machten, dass sie auch noch heute Regisseure wie z.B. Pedro Almodóvar beinflussen.

Attila, der Hunnenkönig Bild 1
Attila, der Hunnenkönig Bild 2
Attila, der Hunnenkönig Bild 3
Attila, der Hunnenkönig Bild 4
FAZIT:

Das Historiendrama ATTILA, DER HUNNENKÖNIG ist ein durchaus sehenswerter Film, in dem insbesondere der charismatische Hauptdarsteller vollkommen überzeugt. Doch leider wird der insgesamt gute Gesamteindruck doch wieder ein ganzes Stück dadurch geschmälert, dass dieser Film letzten Endes ein wenig unentschlossen zwischen den letzten Zuckungen des Alten und den Vorboten des Neuen Hollywood pendelt.

WERTUNG: 7 von 10 schicksalsträchtige Begegnungen
TEXT © Gregor Torinus
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