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Ausgestossen - Nackte Gewalt im Frauengefngnis

Ausgestossen - Nackte Gewalt im Frauengefängnis

OT: Femmine in fuga
FRAUENGEFÄNGNISFILM: ITALIEN, 1984
Regie: Michele Massimo Tarantini
Darsteller: Suzane Carvalho, Rossana Ghessa, Gloria Cristal, Henri Pagnoncelli, Leonardo Jose, Zenith Pereira

STORY:

Angela Duvall deckt ihren Bruder und wird an seiner Stelle von einem Gericht, wegen Mordes, zu 18 Jahren Haft verurteilt.
Im Gefängnis ist sie nicht nur den Quälereien ihrer Mitgefangenen ausgesetzt, sondern steht auch auf der Abschussliste dubioser Hintermänner.
Doch Hilfe naht von dem engagierten Gefängnisarzt Dr. Cuna, der Angela aus dieser Hölle befreien will.

KRITIK:

Dass Filmtiteln von Werken aus eher anrüchigen Genres - und ich denke dazu kann man den Frauengefängnisfilm zählen, Chancen auf eine Auszeichnung als Mann des Jahres der Emma sind mit dem entsprechenden Filmgeschmack eher nicht existent - nicht trauen sollte, predige ich hier nicht zum ersten Mal und sollte ohnehin keine unbekannte Tatsache sein. Und trotzdem bin ich erst vor kurzem wieder in dieselbe Falle getappt und hoffte dem Titel entsprechend auf EXZESSE IM FRAUENGEFÄNGNIS - töricht, töricht.

Doch, dem Himmel sei Dank, gibt es auch jene wahren Perlen, die tatsächlich halten was sie versprechen und als Ausnahme die Regel bestätigen. Es dürfte offensichtlich sein, AUSGESTOSSEN - NACKTE GEWALT IM FRAUENGEFÄNGNIS ist genau so ein Fall, ein spaßiges Sleaze-Fest und dabei noch nicht einmal von Jess Franco.

So dauert es denn auch keine zehn Minuten - acht, um genau zu sein - bis das erste Paar Möpse - und manchmal auch Holz vor der Hütte - über den Bildschirm hüpft und nach 15 Minuten - sprich, ganze sieben Minuten später - wird getauft.
Und Taufen meint selbstverfreilich Vergewaltigen - abwechslungshalber lesbischer Natur - inklusive nasser Handtücher und somit ist praktischerweise gleich noch die obligatorische Auspeitschung abgehandelt - dem Frauenknast 1x1 nach fehlt jetzt eigentlich nur noch ein zünftiger Catfight, 'ne Duschszene und ein "lesbian encounter" mit der Oberschnalle vom Dienst.

Ich möchte die werten Leser an dieser Stelle auch gar nicht länger auf die Folter spannen - wir sind ja schließlich nicht bei Ilsa, höhö -, Michele Massimo Tarantini hat seine Hausaufgaben so ziemlich gemacht, denn von jedem gibt's hier reichlich, wobei die Duschen eher unfreiwilliger Natur sind und mittels Gartenschläuchen bewerkstelligt werden - südamerikanische Gefängnisse sind eben von einem ganz anderen Kaliber.

Das merkt man auch an der Qualität der Ausbildung des Gefängnisarztes, denn der handelte, nach Angelas unfreiwilliger Kollision mit den nassen Handtüchern ihrer Mitgefangenen, blitzschnell und behielt einen kühlen Kopf - "Sie haben sie übel zugerichtet. Sie hat eine Bluttransfusion gekriegt. Ich hoffe, dass sie die entsetzlichen Schmerzen überlebt!", altes Hausrezept gegen Prellungen vermute ich spontan.

Das ist nur einer der vielen skurrilen Momente die AUSGESTOSSEN so zu bieten hat. Da wird das Einsperren von - aufgerundet zehn - Gefangenen in eine Zelle, die so ziemlich genauso groß wie ihr Schlafraum ist, als "Bunker-Haft" bezeichnet und animiert zum gemeinsamen Durchdrehen - und für den Zuschauer wohl am elementarsten - zum Entblößen.

Des weiteren gibt es noch Schlägereien auf dem Hof, an absolutem Unvermögen scheiternde Mordversuche und bei jeder sich bietenden Gelegenheit stoffbefreite Brüste - für ausreichend sleazige Schauwerte, ebenso wie für trashig-heitere Momente, ist also ausreichend gesorgt.

Letztere gehen vor allem auf das Konto von Tarantini - der zeichnete nämlich nicht nur für die Regie, sondern auch für die Drehserviette verantwortlich -, respektive dessen Selbstüberschätzung. Der ist es schließlich zu verdanken, dass er neben allem auch noch eine Geschichte erzählen wollte. An sich ist ihm das auch gelungen, und diese entpuppt sich als gar nicht mal so unambitioniert geschrieben. Sogar der Erzähltechnik eines von der nahen Zukunft erzählenden Prologes machte er Gebrauch.

Alles in allem entpuppt sich das Drehbuch jedoch nur als eine ein wenig spannendere Variation des "Unschuldiges Mädchen wird reingelegt"-Plots, den man unter anderem auch bei WOMEN'S PRISON MASSACRE findet.

Wie es nun einmal typisch für das B-Kino ist, trieft auch die Geschichte um unsere arme damsel in distress Angela vor lauter Plotholes, flachen - nun ja - Charakteren und sonstigen Ungereimtheiten. Die Charakterisierung der Hauptaktricen bezieht sich denn auch hauptsächlich auf deren Oberweiten und einige wenige Grundeigenschaften, die dann wenigstens bei zwei oder drei bis zum Schluss erhalten bleiben.

Der Fairness halber sollte man allerdings erwähnen, dass von AUSGESTOSSEN zwei grundsätzliche Schnittfassungen existieren. Zum einen die amerikanische, welcher eine - die ganze Chose als authentisch und seriös anpreisende - Texttafel vorangeht, sowie das komplette Ende enthält. Der deutschen, vom Filmverleih selbst und miserabel gekürzten Fassung fehlen gut und gerne zehn Minuten an Handlung. So war Tarantinis Drehbuch also nie ein Musterbeispiel komplexen Handlungsaufbaus, die Fassung des Verleihs beraubt es jedoch seiner - zumindest rudimentär vorhandenen - inneren und äußeren Logik - zusätzlich bleibt so selbst das angebliche Ableben Angelas ungeklärt.

Wem Sex und Gewalt mit einem Minimum an Handlung denn also genug sind, darf zur deutschen Fassung greifen. Wer jedoch halbwegs verstehen möchte was das alles soll, der mag die US-Fassung goutieren - dieser Rezension lag - um Klarheit zu verschaffen - die gekürzte Fassung zu Grunde, wobei ich die längere Fassung zum Vergleich herangezogen habe.

Auf Seiten der Schauspieler tummeln sich entsprechend viele untertalentierte Torfnasen. Zwar nimmt das darstellerische Unvermögen keine Ho-/Lai-Ninja-Filmbastard- Ausmaße an, Over- und gerne auch Underacting stehen jedoch auf der Tagesordnung.
Die Knast-Ischen der Stunde gehören dieweil größtenteils leider zur eher unattraktiven Kategorie Frau, Suzane Carvalho als damsel in distress mach indes jedoch eine ausgesprochen gute Figur - so rein körperlich. Wobei sie aber auch schauspielerisch nicht total versagt, die ihr anvertraute Aufgabe erfüllt sie äußerst ambitioniert und ohne größere Peinlichkeiten.

Henri Pagnoncelli als Doktor vom Dienst könnte man auch zutrauen eine Schauspielschule zumindest im Vorbeifahren schon mal flüchtig gesehen zu haben - am Genrestandard gemessen, ist das doch recht ordentlich.

Das Talent des Unterstützungscast rangiert dieweil irgendwo zwischen nicht vorhanden, im Wald erschossen und ganz nett - ist aber wahrlich nie beeindruckend.

Wenig beeindruckend ist auch die Arbeit des Beleuchters - wobei ich doch stark für alle Beteiligten hoffe, dass es keinen gab -, denn die Ausleuchtung wechselt beinahe von Einstellung zu Einstellung, ebenso wie die Belichtung des Filmmaterials und von Mikelschen Gedächtnis-Nachtszenen bis hin zu greller Überbelichtung ist so ziemlich alles vorhanden.

Als Regisseur tat sich Tarantini dafür gar nicht mal so schwer, denn die Inszenierung ist zumeist temporeich und solide, die Kameraarbeit zumindest ambitioniert und kommt ohne Francosche Out-of-Focus-Shots - Verzeihung, künstlerischen Weichzeichnereinsatz - aus.

Die DVD aus dem Hause XT Video kommt in zwei Varianten daher. Zum einen als Single Disc Edition, zum andere als Premium Special Edition in einer auf 666 Stück limitierten kleinen Buchbox; diese enthält beide Schnittfassungen des Films, wobei die amerikanische leider feste deutsche Untertitel hat.
Das Bild bietet, dank unzähliger Kratzer und anderer Beschädigungen, feinsten Bahnhofskino-Sehgenuss und erinnert an Tage tausendfach abgenudelter VHS Kopien - was jedoch am Ausgangsmaterial liegen dürfte.

In diesem Sinne: "Die wollen uns jetzt sicher durchvögeln!"

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FAZIT:

AUSGESTOSSEN - NACKTE GEWALT IM FRAUENGEFÄNGNIS ist ein rundum vergnüglicher Filmspaß. Er bietet genügend sleazige Unterhaltung um als guilty pleasure durchzugehen und den inneren Perversling zu befriedigen.
Ganz nebenbei erzählt Tarantnini sogar noch eine Geschichte, die nicht nur die unzähligen Entblößungen verbindet, sondern in der längeren US-Schnittfassung fast so etwas wie einen richtigen Sinn ergibt - wer indes mehr Wert auf exploitative Elemente denn versuchtes Geschichtenerzählen legt, ist auch mit dem Minimum an Handlung der deutschen Fassung zufrieden.
Zahlreiche trashige Momente, seien sie nun darstellerischem oder technischem Unvermögen zuzuschreiben oder schlicht auf Schlampereien auf der Drehserviette zurückzuführen, lockern das Geschehen zudem auf.
AUSGESTOSSEN ist also ein außerordentlicher Vertreter seines Genres, zudem ein gutes Beispiel dafür, wie unterhaltsame Frauenknastkost aussieht und was man eigentlich hinter einem Titel wie EXZESSE IM FRAUENGEFÄNGNIS erwarten dürfte.

WERTUNG: 8 von 10 eifersüchtigen Knastschlampen.
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