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Ausweitung der Kampfzone

Ausweitung der Kampfzone

DRAMA: F, 1999
Regie: Philippe Harel
Darsteller: Philippe Harel, Jose Garcia

STORY:

Ausweitung der Kampfzone Zitieren wir mal das DVD-Cover: Ob Sex oder Geld - um beides tobt ein gnadenloser Kampf, bei dem es strahlende Gewinner und totale Verlierer gibt. So zumindest sieht es unser Held, ein französicher EDV-Spezialist Anfang dreißig. Mit bösem Blick registriert er den plappernden Jahrmarkt der Eitelkeiten um sich herum. Als er zur Weihnachtszeit mit dem Loser Tisserand auf Geschäftsreise gehen muss, brennt die letzte Sicherung durch: Unser Held erklärt das Leben zum Kriegsschauplatz...

KRITIK:

Ausweitung der Kampfzone Nach der zweifellos interessanten und sehenswerten, aber doch nicht 100%ig überzeugenden Houellebecq-Verfilmung Elementarteilchen mußte ich als alter Fan des Autors natürlich sofort bei Amazon diese DVD bestellen. Es handelt sich um die Verfilmung von Houellebecqs Erstlingswerk.

Zugegeben: Vom Höhepunkt seiner Schaffenskraft, die der französische Autor mit dem skandalumwitterten Elementarteilchen erreicht hat, ist dieses Buch doch noch einige Whiskyflaschen entfernt ... Aber ein mittelmäßiger Houellebecq ist immer noch um Längen spannender als - sagen wir - der beste Paul Auster.

Kostprobe: "Die nächsten Tage tat er nicht viel - er dachte über Selbstmord nach. Am abend rief er bei der Telefonseelsorge an. Aber es war besetzt. Wie immer während der Feiertage. (...)
Während der nächsten Wochen folgte ein langsamer Zusammenbruch, überlagert von grausamen Phasen. Außer seinem Psychiater traf unser Held niemanden ..."


Der Film handelt von einem Leben, in dem nichts in Ordnung ist. Unser Held hat nichts, keine Freunde, keine Hobbies, keinen Sex, ja nicht mal einen Namen. Zumindest wird er nie erwähnt.

Ausweitung der Kampfzone Die Verfilmung entstand unter aktiver Drehbuchmitwirkung des Autors und hält sich daher ziemlich genau an die Buchvorlage. Auch Hardcore-Szenen gibt's zu bestaunen. Ziemlich triste allerdings. Unser Held schüttelt am Klo einer Disco sein bestes Teil durch. Auch wenn dieses ein wenig nach Plastik aussieht: Solche Szenen sieht man doch nicht alle Tage - zumindest nicht in "seriösen" Filmen :-)

Ausweitung der Kampfzone Der französische Charakter-Darsteller Philippe Harel spielt unseren Helden (das Alter Ego des Schriftstellers?) äußerst überzeugend. Sogar seine Zigaretten (rote Gauloises, was sonst?) raucht er auf die selbe affektierte Art wie Michel Houellebecq in seinen TV-Interviews ...

Ein paar Kritikpunkte gibt's dennoch. So leid es mir tut: Mir scheint, als hätte sich Philippe Harel als Hauptdarsteller, Regisseur und Drehbuchautor doch ein wenig übernommen. So sehr Schauspiel und Inhalt überzeugen, so uninspiriert, um nicht zu sagen amateurhaft wirkt die Inszenierung. Diesen Autounfall - eine nicht ganz unwichtige Szene in der Geschichte - derart dilletantisch in Szene zu setzen - das tut echt weh.

Trotz diverser formalen Schwächen entwickelt Philippe Harel aber einen erstaunlichen filmischen Sog. Was daran liegt, dass der Film eher von seinen cleveren Dialogen als von seinen Bildern lebt. Das DVD-Cover vergleicht die Ausweitung der Kampfzone gar mit Fight Club, was schon ein bissl dreist ist. Aber auch nicht ganz unrichtig. Nicht auszudenken, wenn sich David Fincher dieses Stoffs angenommen hätte ... ein neuer ewiger Lieblingsfilm stünde fest. So ist's zumindest ein "Tipp für den alphabetisierten Interessenten", wie die deutsche Videowoche schrieb.

FAZIT:

Trotz kleinerer Schwächen sehenswerte Verfilmung des Erstlingswerks von Michel Houellebecq. Ein Film für Menschen, "die damit leben müssen, einen Pornofilm im Kopf zu haben, während im wirklichen Leben ein Problemfilm läuft." (Zitat Falter)

WERTUNG: 7 von 10 Packerln rote Gauloises
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