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Autumn of the living dead

Autumn of the living dead

OT: Autumn
HORROR: KANADA, 2008
Regie: Steve Rumbelow
Darsteller: Dexter Fletcher, Dickon Tolson, Lana Kamenov, David Carradine

STORY:

Plötzlich hustet beinahe die gesamte Menschheit auf einmal Blut und fällt tot um. Kaum haben sich die wenigen Überlebenden zu einer wankelmütigen Schicksalsgemeinschaft zusammengefunden, stehen draußen die verwesenden Leichname wieder auf und torkeln durch die Straßen. Mike, Emma und Carl ziehen sich aufs Land zurück und müssen besorgt feststellen, dass die Horden der lebenden Leichen zunehmend aggressiver werden…-

KRITIK:

Dieser auf der Romanserie von David Moody basierende AUTUMN OF THE LIVING DEAD beginnt gleich mit einem apokalyptischen Paukenschlag: Stell dir vor, du dozierst gerade vor einer Klasse und plötzlich sacken deine Schüler tot über ihren Pulten zusammen. Oder du bist gerade einkaufen und ringsum im Supermarkt sterben die Menschen. Du fährst auf der Straße und die Fahrbahn ist gesäumt mit gestrandeten Wagen, deren Fahrer offensichtlich von einer Minute zur anderen von einer rätselhaften Seuche dahingerafft wurden.

Auch wenn das Budget von AUTUMN OF THE LIVING DEAD eher dem einer TV- als einer Kinoproduktion entsprochen haben dürfte, wird von Anfang mit einer Reihe von bedrückenden Bildern feine Endzeitstimmung kreiert. Und dann... stehen die Toten wieder auf.

Yeah, die Zombies sehen zwar nicht minder fies aus wie ihre menschenfressenden Artgenossen aus den derberen Deadster-Streifen, aber anfänglich stehen die Lebenden noch nicht auf dem Speiseplan der wandelnden AUTUMN-Leichen. Und damit hat das Fandom offensichtlich ein Problem; und deshalb wird der Film im Internet just in diesem Moment beinahe einstimmig und gnadenlos durch den Fleischwolf der vernichtenden Urteile gezogen.

Betrachtet man AUTUMN OF THE LIVING DEAD als Zombiestreifen, fällt es zugegebenermaßen schwer nicht in den Chor der negativen Stimmen einzufallen. Denn Guts & Gore ist hier nicht, weil der Pegel auf der Blutskala sich im TV-Programmtauglichen Bereich einpendelt.

Die andere Seite ist die: Wer bei einem Horrorfilm, der ungeschnitten eine FSK-Freigabe von 16 erhalten hat, mit "Daylight-through-a-girls-brain"-Szenen oder amtliches Ausweiden rechnet, der sollte mal die eigene Erwartungshaltung überprüfen und sich lieber an der § 131-Liste orientieren. Und: AUTUMN OF THE LIVING DEAD ist nur die Verfilmung eines ersten Teils einer mehrbändigen Romanreihe und dort endet Part one nun mal so, dass sich der Menschenfleischhunger der Toten erst zum Cliffhanger-Ende vollständig ausprägt; was ja wenigstens die Hoffnung auf more Gore in einer möglichen Fortsetzung nährt.

Aber okay, auch ich habe meinen Zombiefilm gerne blutig und auch ich habe mir ein Grinsen nicht verkneifen können, als Mike und Emma versuchen, sich die untoten Horden mit der Errichtung eines Gartenzäunchens vom Leib zu halten.

Dennoch: Gerade der Zombiefilm definiert sich zwar häufig, aber nicht ausschließlich über Blut und Kutteln, sondern hat fast schon traditionell ein Auge auf soziale Missstände und Humanität in Krisensituationen. AUTUMN OF THE LIVING DEAD richtet seinen Fokus nur ganz am Rande auf die Zombieepidemie, sondern konzentriert sich viel mehr auf das schwierige Zwischenmenschliche im Ausnahmezustand.

Dass solche Auseinandersetzungen in actionreicheren Zombieflicks wie Romeros DAY OF THE DEAD, 28 DAYS LATER oder gar dem Klassiker dieser Art - LAST MAN ON EARTH - packender und intensiver ausgefochten werden, soll weder Geheimnis noch Wunder sein, aber viel schlechter als ein COLD HOUR ist AUTUMN OF THE LIVING DEAD auch nicht. Denn die Zombies wirken - auch wenn sie (noch) keine Großangriffe starten - mit zunehmender Laufzeit immer bedrohlicher und Endzeitstimmung wird trotz des schmalen Budgets zumindest auf akzeptablem Niveau kreiert.

Ein kleines Ärgernis bleiben allerdings dann doch die wenigen Szenen, wenn die Toten wirklich Rabatz schlagen. Denn die sind a) zu hektisch montiert, b) meist sehr schlecht beleuchtet, c) letztendlich doch zu unblutig und d) es wird stets abrupt weggeblendet, wenn es ruppig zu werden verspricht. Von daher ist es durchaus verständlich, wenn manche Zombiehounds so ihren Hader mit diesem Film haben.

Dabei muss sich AUTUMN auch noch einen anderen Vorwurf gefallen lassen. Für einen Film, der seine Figuren in den Mittelpunkt stellt, bleiben diese sträflich blass und vom Zuschauer distanziert. Da bleibt am Ende wohl doch das Resümee, dass diese Romanverfilmung den Beweis antritt, dass ein Zombiefilm ohne Blood & Guts eben doch nur bedingt funktioniert. Dennoch wollte ich jederzeit wissen, wie dieser apokalyptische "Herbst" endet; was zumindest ein Indiz auf einen vorhandenen Spannungsbogen ist und die knappen fünf Punkte rettet.

Autumn of the living dead Bild 1
Autumn of the living dead Bild 2
Autumn of the living dead Bild 3
Autumn of the living dead Bild 4
Autumn of the living dead Bild 5
FAZIT:

AUTUMN OF THE LIVING DEAD ist die erste Verfilmung aus dem Fundus der "Herbst"-Romanreihe von David Moody und wohl der Zombiestreifen für Filmfreunde, die allergisch auf Gore reagieren. Es stehen hier eindeutig die Überlebenden und nicht die lebenden Toten im Mittelpunkt. Das Menschliche und nicht das Unmenschliche. Und weil die AUTUMN-Leichen erst im Showdown Hunger auf Menschenfleisch entwickeln, ist der Film bei Gorehounds allerorten gnadenlos durchgefallen. Aber ehrlich gesagt, habe ich schon einige richtig blutige Dead-Flicks gesehen, die trotzdem viel schlechter waren als dieses Ding hier. Denn Endzeitstimmung wird im AUTUMN der Menschheit kreiert und auch die Zombies sehen schön fies aus. Mit mächtigen, gesellschaftskritischen Zombiefilmen wie 28 DAYS LATER und vor allem Romeros DAY OF THE DEAD kann sich AUTUMN OF THE LIVING DEAD freilich zu keiner Sekunde messen.

WERTUNG: 5 von 10 Gartenzaunbarrikaden
TEXT © Christian Ade
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