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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
Bad Neighbors

Bad Neighbors

KOMÖDIE: USA, 2013
Regie: Nicholas Stoller
Darsteller: Seth Rogen, Rose Byrne

STORY:

Mit dem beschaulichen Leben in der Vorstadt ist es für die frischgebackenen Eltern Kelly (Rose Byrne) und Mac (Seth Rogen) erst einmal vorbei, als im Nachbarhaus eine partysüchtige Studenten-WG einzieht. Einen verzweifelten Polizeianruf fassen die Studenten als Kriegserklärung auf, und von nun an muss die Nachtruhe erkämpft werden.

KRITIK:

"Als er in den Zug stieg, trug er einen Kasten Lightbeer, doch jetzt liegt dieser Kasten auf dem Boden. Er trägt eine North-Face-Fleecejacke und eine Sonnenbrille aus neon-orangenem Plastik. Er pulsiert wie das Quecksilber in einem Thermometer; er ist bereit, durch die Decke zu gehen. Er will aus dem Fenster eines Taxis kotzen. Er ist der amerikanische Bro.
Schamlos anstößig sein, Leute irritieren, Krach machen, das ist es, was ihn antreibt; das ist die Spannung, die er braucht. Er telefoniert mit jemandem namens Ryan oder Tyler oder Kyle; er sagt "cunt", "nigger" oder "slut" laut, entschuldigt sich dann halbehrlich bei niemand bestimmten. "ICH HAB KEINEN FILTER, BRO." Er sagt mittlerweile keine Wörter mehr, grunzt nur noch und wirft "YOOOOO" und "DUUUUUDE" in verschiedenen Kadenzen um sich, fragt Ryan oder Tyler oder Kyle, wann sie ankommen, was sie mitgebracht haben, ob sie bereit sind. Er verlangt sich alles ab, lebt hart, schüttet sich Jägermeister in einen Becher. [..] Er ist ein brusttrommelnder, kronleuchterschwingender, godzillaartiger Mutant, der keine Freunde braucht, sondern nur eine Hierarchie an anderen Männern, die einfach die Geräusche, die er macht, seine Unhaltbarkeit und seine Rage anerkennen. [..] Es geht ihm um KONSUM. Jede seiner Entscheidungen verfolgt dieses Ziel. Er konsumiert Frauen, nutzt Schwächen aus. Für ihn ist alles ein Schwanzfoto, ein Muskelzeigen, ein Schau-wie-hart-ich-bin, ein Schau-zu-wie-ich-das-Universum-ficke."

(c) Vice-Magazin: "Der amerikanische 'Bro': Ein Porträt des schlimmsten Wichsers aller Zeiten!"

Kein Wunder, dass Kelly (Rose Byrne) und Mac (Seth Rogen) ein klein wenig nervös werden, als gleich dutzende Prachtexemplare des oben beschriebenen Menschenschlags im Haus neben ihnen einziehen. Das kann ja heiter werden. Doch unterschätze niemals gesetzt aussehende Jungeltern. Nur, weil sie Verantwortung für ein Baby übernommen haben und einem geregelten Dasein als werktätige Bürosklaven nachgehen, heißt das noch lange nicht, dass sie die Kunst des waffenscheinpflichtigen Exzesses und des komatösen Absturzes verlernt hätten. Und das ist gut so - denn die Nachtruhe muss nämlich erkämpft werden. Und zwar, indem man das feierwütige Party-Jungvolk mit seinen eigenen Waffen schlägt.

Was folgt, ist eine temporeiche und zwerchfellerschütternde Pointen-Parade, wie man sie von einem Film aus dem Dunstkreis der Apatow-Family erwarten kann und soll. Okay, der Film ist vielleicht nicht ganz so großartig wie Nicolas Stallers Vorgängerfilme MÄNNERTRIP oder FORGETTING SARAH MARSHALL. Aber auch hier gilt, was ich immer und immer wieder schreibe, wenn ein Film aus dem Judd Apatow-Dunstkreis zur Rezension ansteht:

Dass diese Filme dein Zwerchfell durchmassieren, dir die Lachtränen in die Augen treiben und auch dein Herz berühren. Dass sie dir mehr über den Zustand der Gesellschaft und dem Chaos von Paarbeziehungen im 21. Jahrhundert erzählen als so mancher überschätzter Oscar-Preisträger. Dass sie aus dem Leben gegriffen sind. Dass man sich in ihren Figuren wiederfinden kann. Dass sie sich den Luxus genauer Alltagsbetrachtungen - fast hätte ich geschrieben: Milieustudien - leisten. Und dass sie dennoch von ahnungslosen Frevlern in diversen Blogs und Redaktionsstuben als infantiles Bubenkino abgetan werden.

Hier blicken wir ins finstere Herz einer amerikanischen Eigenheit, die in abgewandelter, um nicht zu sagen pervertierter Form auch hierzulande existiert: Dem studentischen Männerbund. Ich meine: Gibt es etwas deprimierenderes und sautrotteligeres, als sich freiwillig autoritären, verhaltensgestörten, um Aufmerksamkeit heischenden Männerbündeleien anzuschließen, die auf Kadavergehorsam, Hierarchie-Denken und rituellen Demütigungen basieren? Eine solche, zwar nicht rechtsradikale, aber schon auch bemerkenswert unsympathische - auf lustige Art unsympathisch, versteht sich - Studentenverbindung rückt hier ins Zentrum der Erzählung. Angeführt wird sie von einem gruseligen Ken-Verschnitt mit Waschbrettbauch und Psychopathenblick, lustigerweise gespielt vom ehemaligen Disney-Musical-Star Zac Efron. Schlechte Manieren, schlechter Musikgeschmack und schlechte Menschenkenntnis seitens der Studenten sorgen dafür, dass der Zuseher viel zu lachen hat.

Der Nachbarschaftskrieg eskaliert zusehends, erreicht aber nicht die völlig abgespacten, absurden Dimensionen eines THIS IS THE END, um den letzten großartigen Leinwand-Auftritt von Seth Rogen zu nennen. Anyway, als sehr amüsante und bisweilen gruselige Zwerchfellmassage für zwischendurch leistet der Film erstklassige Dienste.

Bad Neighbors Bild 1
Bad Neighbors Bild 2
Bad Neighbors Bild 3
Bad Neighbors Bild 4
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Bad Neighbors Bild 6
FAZIT:

Wollt ihr den totalen Nachbarschaftskrieg? Nein? Dann legt euch lieber nicht mit Seth Rogen an, ihr feierwütiges Studentenvolk. Er hat zwar keinen Waschbrettbauch, dafür verträgt er aber mehr als ihr, und schlauer ist er ebenfalls.
Temporeicher Brachialhumor in bewährter Judd Apatow-Qualität. Pflichtfilm also, für alle, die das mögen.

WERTUNG: 8 von 10 Airbags
Dein Kommentar >>
NapalmderWeise | 03.07.2014 13:51
Ich halte ja echt viel von eurer Seite und konnte mich immer ganz gut an euren Filmbewertungen orientieren, aber diesmal muss ich verwundert feststellen, dass ich die positive Kritik gar nicht nachvollziehen kann.Für mich handelt es sich hierbei um eine garnicht funktionierende Komödie welche ob ihre Harmklosig-und Selbstgefälligkeit sowas von gar nicht zu unterhalten vermag. Seth Rogan ist halt dick und kifft und macht auch manchmal nen schmutzigen Witz, ist also einfach nur der lahme Typ der er halt sonst auch ist. Und dann hat dieser Film auch noch diese ekelhaft biederen feelgood Ambitionen und so einen belanglos uninspirierten Versöhnungspathos was letztendlich aber auch nur die Banalität unser dümmlichen Facebook Hipster Generetion wiederspiegelt.
Harald | 03.07.2014 19:56
Hehe, origineller Nickname :)
Du hast schon recht, im Kern eine Feelgood-Movie. Aber dagegen spricht doch nichts, oder? Was mir sehr gefallen hat, und das kommt im Text hoffentlich auch durch, war die erfreulich bissige Auseinandersetzung mit diesen gruseligen Männerbünden bzw. Burschenschaften, die in ihrer aggressiven Dummheit ja ein globales Phänomen sind.
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