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Belphgor oder das Geheimnis des Louvre

Belphégor oder das Geheimnis des Louvre

OT: Belphégor ou le fantôme du Louvre
MYSTERY: F, 1965
Regie: Claude Barma
Darsteller: Juliette Gréco, René Dary, Yves Rénier, Christine Delaroche

STORY:

Des Nachts geht im Pariser Louvre eine gespenstische, maskierte Gestalt in den düsteren Museumshallen um. Der junge Student Bellegarde möchte deren Geheimnis ergründen und verliebt sich während seiner gefährlichen Nachforschungen gleich in zwei schöne Frauen. Zum einen in die süße Tochter des offiziell mit den Ermittlungen betrauten Kommissars; zum anderen in die mysteriöse wie betörende Laurence Borel. Und letztere scheint ein wesentlicher Teil des Geheimnisses zu sein, welches das unheimliche Phantom umgibt...

KRITIK:

Hier ein Tipp für die Nostalgiker und für all diejenigen Filmfreunde, die gerne über den Tellerrand ihrer Zeit zurückschauen.

Seinerzeit, 1965, war die französische TV-Serie BELPHÉGOR OU LE FANTÔME DU LOUVRE in ihrem Heimatland (aber auch bei ihrer zwei Jahre später erfolgten Ausstrahlung auf der ARD) ein richtiger Straßenfeger. Jede neue Folge BELPHÉGOR lockte die Leute von der Straße weg und für knapp fünfundzwanzig Minuten vor die heimische Glotze. Die Kunst des Cliffhangers hat die maskierte Gestalt, die des Nachts in Frankreichs berühmtesten Museum in den vom Odeur der Altertümlichkeit erfüllten Hallen umging, offenbar in Perfektion beherrscht.

Ob die damals so erfolgreiche Serie mit ihrer Taktik der ganz elegischen Erzählweise auch heute noch den Nerv des Publikums treffen würde, darf allerdings bezweifelt werden. Denn der alteherwürdige BELPHÉGOR dürfte bei allen modernen Adrenalinjunkies und Freunden der schnellen Schnitte ungefähr die gleiche Wirkung erzielen wie Weihwasser beim Leibhaftigen. Darüber hinaus werden Fans der deutschen Edgar Wallace-Reihe -trotz des maskierten, durchaus Assoziationen zu alten Rialto-Glanztaten weckenden Phantoms auf dem Cover- schnell feststellen, dass BELPHÉGOR ODER DAS GEHEIMNIS DES LOUVRE einen ganz anderen Ansatz als den des launigen, trivialen Gruselkrimis verfolgt.

Zunächst geht BELPHÉGOR über seine gesamte, auf 13 zwanzig bis fünfundzwanzigminütige Episoden aufgeteilte Laufzeit von 317 Minuten jenes langsame Tempo, welches die meisten französischen Mystery-Stoffe -sei es nun DIE INSEL DER 30 TODE-Reihe oder der Spielfilm SCHACH DEM ROBOTER- kennzeichnet. Selbst wenn die Handlung - was selten genug vorkommt - einmal Raum für Actionsequenzen bietet, die über einen kurz eingespielten Meuchelmord oder einer zünftigen Schlägerei hinausgehen, so spielen sich diese konsequent im Off ab. Und auch Szenen mit dem Phantom, das durch nächtliche Museumshallen schleicht oder Gelegenheiten, bei denen Protagonisten finstere Geheimgänge im Louvre entdecken dürfen, sind sowohl als auch erstaunlich sparsam eingesetzt. Doch wenn solche Sequenzen kommen, dann kommen sie hochatmosphärisch.

Das wohl offenkundigste Markenzeichen von BELPHÉGOR ist seine Wortgewalt. Man lässt seine sehr interessant und undurchsichtig gezeichneten Figuren am liebsten verbal miteinander interagieren. Daraus resultiert eine extreme Dialoglastigkeit, die insbesondere ein auf heutige Sehgewohnheiten geeichtes Publikum schnell langweilen dürfte. Ganz davon abgesehen sind die Wortwechsel in BELPHÉGOR niemals plump geraten, sondern besitzen immer eine gewisse Kryptik und Tiefgründigkeit, welche zumindest Freunde gehobener Dialogkunst nicht enttäuschen sollte.

Doch auch das Auge kommt auf seine Kosten. Kameramann Jacques Lemare hat dieser Fernsehproduktion mit seiner düsteren, eleganten Fotografie eine Optik spendiert, die einem Kinofilm absolut zur Ehre gereicht. Davon legt Episode 9 ("Hilfe für die Ertrunkenen") vielleicht das beste Zeugnis ab, während bereits die folgende ("Bellegarde wird wütend") mit der grandiosen Güterbahnhof-Sequenz eine Meisterkomposition an Suspense beinhaltet, welche schon in Hitchcock'schen Sphären schwebt.

Action-Armut hin, Dialoglastigkeit her: Die Geschehnisse um das Phantom im Louvre sind mit so vielen Geheimnissen, Merkwürdigkeiten und undurchsichtigen Figuren gespickt, dass geduldige Zuschauer trotzdem schnell von der abgründigen Atmosphäre des Ganzen gefesselt werden und der Serie bis zu ihrer finalen, wirklich erst in allerletzter Minute erfolgenden Auflösung die Stange halten dürften.

Fürwahr also ein Mystery-Klassiker, der sich bei näherer Betrachtung allerdings eher als düstere Liebesgeschichte entpuppt. Denn unser junger Held (Yves Rénier als Detektiv-spielender Student Bellegarde) steht zwischen der Liebe zweier Frauen. Auf der einen Seite die süße, naive Polizistentochter Christine Delaroche, auf der anderen Seite die reife, geheimnisumwitterte wie gefährliche Betörung Juliette Gréco. Doch diese niemals kitschige Dreiecksbeziehung ist dank des über ihr liegenden dunklen Schattens in Gestalt des Phantoms und seines tödlichen Geheimnisses letztendlich dann doch so spannend wie ein Krimi.

Belphégor oder das Geheimnis des Louvre Bild 1
Belphégor oder das Geheimnis des Louvre Bild 2
Belphégor oder das Geheimnis des Louvre Bild 3
Belphégor oder das Geheimnis des Louvre Bild 4
Belphégor oder das Geheimnis des Louvre Bild 5
FAZIT:

Ein Phantom schleicht durch das Pariser Louvre...- Seinerzeit, 1965, fegte die französische Mystery-Fernsehserie die Straßen leer. Ob es ihr mit ihren tiefgründigen Dialogen, den interessanten wie geheimnisumwitterten Figuren und der lavaartigen Gangart auch heute noch gelingen würde, muss allerdings bezweifelt werden. Dennoch: Für geduldige Zuschauer, Nostalgiker und Freunde rätselhafter Merkwürdigkeiten, die auch eine weitestgehende Abstinenz von Action, Mord- und Totschlag verkraften können, ist BELPHÉGOR allemal den Blick wert. Unter seiner mysteriösen Krimi-Oberfläche verbirgt sich nämlich eine unkitschige Liebesgeschichte. Und die ist wie die Fotografie von Jacques Lemare: Düster und elegant...

WERTUNG: 8 von 10 alten Grammophonen
TEXT © Christian Ade
Dein Kommentar >>
Marcel | 23.07.2012 10:30
Danke. Merker gesetzt. Irgendjemand sollte mal "Die Eingeweihten von Eleusis" herausbringen. Falls das irgendjemand kennt. Mystery.
Chris | 23.07.2012 12:31
DIE EINGEWEIHTEN kenne ich leider nicht, aber sie hören sich sehr
interessant an. Falls sich ein Label erbarmt, wäre ich alles andere als
abgeneigt. In Sachen französischer TV-Mystery führt mich mein Weg
demnächst auf die INSEL DER 30 TODE.
Marcel | 23.07.2012 16:51
Die nächsten französischen Geheimnisse lüftet für mich wohl hoffentlich Jean Rollin höchstpersönlich. Ich mir nämlich endlich ein Herz gefasst und mir die Edelversion von Requiem for a Vampire zugelegt. Damit werde ich dann vielleicht in die Mysterien einer Pommesbude eingeweiht. Jaja, Herr Kollege, manchmal hilft ja der stete Tropfen... ;-)
Chris | 24.07.2012 08:05
Eine würdige Encore für deine Sammlung, will ich meinen! : )
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