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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
Black Brown White

Black Brown White

DRAMA: AT, 2011
Regie: Erwin Wagenhofer
Darsteller: Fritz Karl, Clare-Hope Ashitey, Theo Caleb Chapman, Karl Markovics, Francesc Garrido

STORY:

Seit der Wirtschaftskrise führt Fernfahrer Don Pedro neben Tomaten und Knoblauch auch Illegale von Afrika nach Europa. Ein riskantes, aber durchaus lukratives Geschäft. Wirklich die Finger schmutzig machen, musste sich Don Pedro bisher nicht. Doch das ändert sich, als sich eine junge Ghanesin weigert zusammen mit den anderen Flüchtlingen in den Hohlraum hinter die Kabine zu kriechen und stattdessen mitsamt ihrem kleinen Sohn auf dem Beifahrersitz Platz nimmt. Bis zur Grenze könne er sie mitnehmen, erklärt Don Pedro ihr, weiter natürlich nicht. Doch natürlich kommt alles anders...

KRITIK:

Es ist nun schon eine Weile her, dass sich Erwin Wagenhofer mit der Dokumentation "We feed the world" einen Namen machte. "We feed the world" war ein erschütterndes Dokument über das Geschäft mit der "Ware" Lebensmittel, über die Wegwerfmentalität im Handel und ähnliche Unappetitlichkeiten. Danach blieb Wagenhofer dem Genre der Dokumentation treu und drehte passend zur Wirtschaftskrise Let's Make Money.

Mit "Black Brown White" wagt er sich nun ins Bereich des Fiktiven und legt seinen ersten Spielfilm vor. Auch wenn er das Genre gewechselt hat blieb zumindest eine Sache gleich: Auch in "Black Brown White" wendet er sich einer schwierigen Thematik zu und versucht Missstände aufzuzeigen. Dass Europa ein Flüchtlingsproblem hat, dürfte wohl jedem der nur gelegentlich die Nachrichten verfolgt, inzwischen klar sein. Es sind zwar meist nur Randnotizen, wenn wieder irgendwo ein Flüchtlingsboot angeschwemmt wird oder auf Österreichs Autobahnen ein LKW der neben den üblichen Gütern auch ein paar Afghanen geladen hatte, hochgeht. Aber das Problem ist real. Die "Festung Europa" hat ein Flüchtlingsproblem. Und Hungersnöte und lang anhaltende Bürgerkriege auf anderen Kontinenten machen die Sache nicht gerade besser. Und die Politiker haben die Sache, gelinde ausgedrückt, verschlafen. Aber ich schweife ab.

Zurück zum Film. Im Zentrum von "Black Brown White" steht Don Pedro. Er ist Fernfahrer aus Überzeugung, liebt seinen Beruf und die Straße. Die Nebentätigkeit als Schlepper nimmt er zähneknirschend in Kauf. Es geht halt nicht anders. Die paar Afrikaner, die er nach Europa schleppt, bringen gutes Geld. Persönlich bekommt er die Flüchtlinge eigentlich nie zu Gesicht. Und das ist auch gut so. Das ändert sich aber, als plötzlich "Jackie" auf seinen Beifahrersitz Platz nimmt und sich weigert diesen zu räumen. Sie hat schließlich für die Überfahrt in die Schweiz gezahlt. Ausgerechnet. Eins muss man Don Pedro lassen. Er ist ein gewiefter Hund. Mit einer List gelingt es ihn tatsächlich Jackie mitsamt Sohn über die Grenze nach Europa zu schleußen. Doch dann fangen die Probleme erst an.

"Black Brown White" ist ein durchaus gewagter Film. Zeigt er doch einen "sympathischen" Schlepper. Zwar muss sich dieser, in Form von Jackie, auch ein paar unangenehme Fragen gefallen lassen, doch im Endeffekt wird halt erklärt, dass "das System" Schuld sei. Vollständigkeitshalber sei erwähnt, dass in "Black Brown White" aber auch die andere Seite beleuchtet wird. Es wird auch ein Schlepper gezeigt, dem es rein ums Geld geht. Der wohl auch Leichen transportieren würde, solange die Kohle stimmt.

Wagenhofer ließ es sich nicht nehmen in seinem Film noch ein paar weitere Probleme aufzuzeigen. Neben der Flüchtlingsproblematik zeigt der Film auch den Irrsinn auf, den Europäer im Namen der Geldvermehrung treiben, auf. Ja, die Gier ist halt ein Hund. Mal abgesehen von der Thematik ist der Film selbst recht spannend umgesetzt. Manchmal wirkt er etwas bemüht, vor allem was das Drehbuch betrifft, aber im Großen und Ganzen ist "Black Brown White" eine runde Sache. Mit Fritz Karl (Wer früher stirbt, ist länger tot) in der Hauptrolle konnte Wagenhofer zudem auf einen routinierten Mimen zurückgreifen. Fritz Karl macht sich gut als Fernfahrer und vermag es ohne große Gesten seiner Figur noch die eine oder andere interessante Facette rauszukitzeln. Den heimatlosen Fernfahrer nimmt man ihm in jeder Sekunde ab. In einer Nebenrolle als zwielichtigen "Partner" von Don Pedro kann man Karl Markovic (Die Fälscher) bewundern und auch Wotan Wilke Möhring (Antikörper) ist mit von der Partie.

Wagenhofer konnte für sein Debüt aber nicht nur auf eine Reihe namhafter Schauspieler zurückgreifen, sondern hat sich auch gleich mal Kameramann Martin Gschlacht (Revanche) ins Boot geholt. Und so wartet der Film mit stimmigen, manchmal leicht melancholischen Bildern auf. Auch nicht von schlechten Eltern: Der Soundtrack, der vor allem aus spansicher Gitarrenmusik besteht, die sich über die Aufnahmen von Spanien und Marokko legt.

Was halt manchmal etwas stört, ist die Moralkeule die der Film bisweilen schwingt. Wagenhofer gelingt es nicht wirklich sich von seiner Vergangenheit als Dokumentarfilmer zu lösen und oft hat man das Gefühl, dass man als Zuseher belehrt wird. Sicher, es ist nicht gerade uninteressant was man so erfährt, aber in einem Spielfilm hat das Ganze halt auch immer so einen schulfilmmäßigen Nachgeschmack. Aber als Einstieg in die Thematik ist "Black Brown White" dennoch empfehlenswert, eben weil er auch viele Aspekte anschneidet und eine interessante Sicht auf die Problematik liefert. Und wie gesagt, handwerklich ist der Film ja auch nicht von schlechten Eltern.

Auch nicht von schlechten Eltern die DVD aus der Edition Filmladen, die neben den obligatorischen Interviews und dem Making-Of auch noch mit Wagenhofers Kurzdokumentation "Aktion Limes" aufwartet. Für Hintergrundinformationen ist also gesorgt.

Black Brown White Bild 1
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Black Brown White Bild 7
FAZIT:

Nachdem er bereits in mehreren Dokumentation kritisch mit der Welt in der wir leben auseinandergesetzt hat, wagt sich Erwin Wagenhofer mit "Black Brown White" auch in die Gefilde der fiktionalen Unterhaltung vor. Der Film erzählt die Geschichte eines Truckfahrers, der neben verderblichen Waren auch Menschen in seinem LKW geladen hat und kommt nicht ohne Systemkritik und dem belehrenden Zeigefinger aus.

Tolle Schauspieler und imposante Bilder (Kamera Martin Gschlacht!) machen den Film zwar sehenswert, aber manchmal wer weniger halt mehr gewesen. Dennoch wirkt "Black Brown White" im Großen und Ganzen recht stimmig, nicht zuletzt dank der packenden Story.

WERTUNG: 7 von 10 aus Müll gebastelten Musikinstrumenten
TEXT © Gerti
Dein Kommentar >>
Harald | 12.09.2011 14:06
Danke, interessante Kritik. Zum Satz: Europa hat ein Flüchtlingsproblem. Ja, hat es, zweifellos.
Aber die europäischen Probleme sind Lappalien gegen die Probleme jener Länder, aus denen die Menschen fliehen.
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