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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
Bloody Reunion

Bloody Reunion

OT: Seu-seung-eui Eun-hye
HORROR: SüDKOREA, 2006
Regie: Dae-Woong Lim
Darsteller: Mee-Hee Oh, Yeung-Hee Seo, Hyun-Su Yeo, Ji-Hyun Lee

STORY:

Eine mittlerweile im Rollstuhl sitzende, schwerkranke Lehrerin schart in ihrem Strandhaus die einstigen Zöglinge zu einem letzten Klassentreffen um sich. Und da irgendjemand(Der gemobbte Außenseiter? Der missgestaltete, im Keller versteckte Sohn der Lehrerin? Anyone else?) noch ziemlich viele Rechnungen aus der Schulzeit offen hat, wird es für so ziemlich alle Beteiligten in der Tat das letzte Klassentreffen - vor dem gewaltsamen Ableben!

KRITIK:

Hinter BLOODY REUNION verbirgt sich jener Schlitzerfilm aus Südkorea, der erst kürzlich unter seinem Alternativtitel TO SIR, WITH LOVE das Fandom vor Vorfreude hat hibbelig werden lassen. Nun hat er also seinen Weg in DVD-Gestalt in alle Welt gefunden. Und das ist gut so! Denn BLOODY REUNION zählt zu den erfreulichen Ausnahmen im eingefahrenen Slashergenre, die sich nicht darauf beschränkt, dem Killer lediglich eine lustige Maske überzustülpen, um ihn anschließend im sinnentleerten Shufflemodus doofe Teenagerhorden dezimieren zu lassen.

Nein, in diesem Fall hat man durchaus Wert auf Charakterzeichnung gelegt und dem Killer eine einigermaßen nachvollziehbare Motivation für seinen Mordfeldzug in die Wiege gelegt, die sich aus den vertrackten Verbindungen der Figuren zueinander speist.

Allerdings wird auch hier - nicht unclever - mit Schein und Sein gearbeitet, dass am Ende zwar nicht ein solch geniales Psychopuzzle wie A TALE OF TWO SISTERS steht, aber diesem Slasherflick doch zu einer gewissen Tiefe verhilft.

Es könnte sein, dass ausgerechnet das Sahnehäubchen des Films - nämlich die sorgfältige Figurenzeichnung, die fast eine Hälfte des Films einnimmt - den Anhängern des stumpfen Aufdie12-Teenkills sauer aufstoßen wird. Die könnten schon einmal die Geduld verlieren; bei den ausgiebigen Psycho-Spielchen in der ersten Halbzeit des blutigen Klassentreffens. Aber gerade die sind reizvoll und dienen außerdem hervorragend dem später eintretenden Whodunit-Aspekt des Mordreigens. Denn was zuerst nach einem geselligen Revival alter Schulfreunde aussieht, entpuppt sich schnell als düstere Scharade. Denn jeder der Anwesenden scheint irgendeinen Abgrund in sich zu tragen. Und die Person mit dem größten, wird letztendlich zum Killer werden. Der Weg zur gelungenen Auflösung ist dann gesäumt mit Leichen und kranken Offenbarungen, was alles in allem einen psychologischen Slasher der sehenswerten Art ergibt.

Einen größeren Wermutstropfen weist allerdings die deutsche Fassung auf. Um den Segen der FSK zu erhalten, mussten zweieinhalb Minuten Folterszenen der Zensurschere geopfert werden. Normalerweise wäre dies Anlass für mich, die nächsten Zeilen mit Protestgeheul und dem Zorn der Gerechten wider dem Umgang mit mündigen Bürgern zu füllen; was in 99,9 % der Fälle auch mehr als angebracht wäre, aber nicht so bei BLOODY REUNION. Damit mich niemand falsch versteht: Ich als überzeugter Zeuge Fulcis bin in Sachen Guts and Gore sicherlich kein Kostverächter und bin auch nicht zur "Bitte bevormunden Sie uns jetzt!"-Fraktion übergelaufen, aber die kleinen Torture Porn-Einlagen der Uncut-Fassung harmonieren im Falle dieses psychologisch orientierten, schlauen Kerlchen von einem Slasherfilm so gar nicht mit dem Grundton.

Wenn plötzlich zerbrochene Messerklingenstückchen in Luft- und Speiseröhren geschüttet werden, mag das im neuesten Folterfilmchen gut kommen; hier wirkt es nur extrem selbstzweckhaft und deplatziert. Wer also neben den auch in der gekürzten Fassung enthaltenen Vorzüge der BLOODY REUNION, noch die (ohnehin nur klitzekleine) Prise Folterknechterei der Uncutfassung braucht, muss eine Order über den See schicken.

Bloody Reunion Bild 1
Bloody Reunion Bild 2
Bloody Reunion Bild 3
Bloody Reunion Bild 4
Bloody Reunion Bild 5
FAZIT:

In diesem psychologischen Slasherfilm aus Südkorea wird dem Killer zwar auch eine lustige Maske aufgesetzt, aber er wird nicht völlig ohne Sinn und Verstand ins Gemetzel geschickt. Vielmehr sorgen hauptsächlich die psychischen Abgründe der gut gezeichneten Figuren für Spannung, Twists und eine feine Auflösung. BLOODY REUNION, den Fans auch unter seinem Alternativtitel TO SIR, WITH LOVE schätzen, bringt mit seinem Psychodrive etwas frischen Wind ins eingefahrene Schlitzerfilmgenre.

WERTUNG: 7 von 10 Hasenohren
TEXT © Christian Ade
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