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Blue Valentine

Blue Valentine

DRAMA: USA, 2010
Regie: Derek Cianfrance
Darsteller: Ryan Gosling, Michelle Williams, Faith Wladyka, John Doman

STORY:

Der von ihr verschuldete Tod des Hundes war der Tropfen, der das Fass endgültig zum Überlaufen brachte. Cindy (Michelle Williams) und Dean (Ryan Gosling) stehen vor den Trümmern ihrer Beziehung. Wie die stürmische Liebe schleichend abkühlte und über die Jahre in Routine, Langeweile und Gleichgültigkeit erstarrte, erzählt BLUE VALENTINE in Rückblenden ...

KRITIK:

"Das Gegenteil von Liebe ist nun einmal nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit", sprach eine weise Frau in diesem Forum. Wie man sieht, bietet BLUE VALENTINE allerhand an Diskussionsstoff. Gerade weil Regisseur Derek Cianfrance keine einfachen Erklärungen, billige Lösungen oder gar eindeutige Schuldzuweisungen auftischt. Niemand wird hier betrogen oder geschlagen. Es gibt keine essentiellen Verfehlungen, die den schleichenden Beziehungstod plausibel erklären würden. Alles, was wir sehen, sind Andeutungen, Spuren und Abnützungserscheinungen, die die Zeit hinterlassen hat.

Die Idee des Films ist so simpel wie überzeugend: Wir sehen den Anfang einer Liebe - und die verhängnisvollen letzten zwei Tage bis zum Ende. Das Mittendrin, das langsame Abflauen, die Phase, in der die Leidenschaft allmählich verlöscht und der flache Alltag Einzug hält, bleibt der Phantasie des Zusehers überlassen.

Ryan Gosling und Michelle Williams spielen das Paar aus der Arbeiterklasse, deren Liebe langsam stirbt. Cindy ist die Vernünftige, die Zielstrebige: Neben ihrer Arbeit im Krankenhaus studiert sie Medizin. Dean ist der Träumer, das große Kind, das ambitionslos in den Tag hineinlebt. Eine Art Working Class-Slacker. Keine Ahnung, ob diese soziologische Gruppe überhaupt existiert. Aber Ryan Gosling, Hollywoods momentan interessantester und wandlungsfähigster Schauspieler, erweckt seine Film-Figur zum Leben.

BLUE VALENTINE ist definitiv kein Vergnügen. Der Kartenabreißer im Village-Kino hat den Film ganz offensichtlich nicht gesehen. Oder er kultiviert eine besonders avancierte Form von absurdem Humor, indem er den Besuchern VIEL SPASS wünscht. Sehr witzig, ja.

In Wirklichkeit ist das ein extrem beunruhigender und desillusionierender Film, gerade für Menschen, die sich in einer Beziehung befinden. Und vielleicht auch noch Kinder haben. Wie zuletzt bei MELANCHOLIA steht das Ende ja von Anfang an fest. Doch während ich Lars von Triers Weltuntergang überraschend unbeschadet überstanden hatte, gab mir das bittere Ende von BLUE VALENTINE erst einmal den Rest. Was für ein großer, wunderschöner, furchtbar trauriger Film! In einem an wunderschönen, furchtbar traurigen Filmen alles andere als armen Kinojahr. Man reiche mir jetzt Happy Pills ...

Blue Valentine Bild 1
Blue Valentine Bild 2
Blue Valentine Bild 3
Blue Valentine Bild 4
FAZIT:

You always hurt the ones you love: Ryan Gosling und Michelle Williams als Liebespaar, das sich über die Jahre unaufhaltsam voneinander entfremdet. Happy End ausgeschlossen. US-Indiekino der beunruhigenden Art, wunderschön einerseits, aber zutiefst niederschmetternd und pessimistisch. Ich empfehle einen gefestigten Gemütszustand.

WERTUNG: 9 von 10 abgebrochenen Schwangerschaftsabbrüchen
Dein Kommentar >>
Ralph | 14.11.2011 23:33
Tolle Kritik, toller Film. Der Film ist wirklich trostlos, aber auf der anderen Seite ist er als Film sowas von gelungen, dass er auch glücklich macht, so als perfektes Kunstwerk. Trotzdem, ich hab damals nicht wirklich gewusst, was ich über ihn schreiben soll. Gut, dass du das jetzt übernommen hast.
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