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Blutgletscher

Blutgletscher

HORROR: A/I, 2013
Regie: Marvin Kren
Darsteller: Gerhard Liebmann, Edita Malovcic, Brigitte Kren

STORY:

Alle Menschen san ma zwider. Frei nach diesem Motto verbringt Janek bereits das vierte Jahr auf einer Klimaforschungsstation in luftiger Höhe von 3500 Metern. Die anwesenden Wissenschaftler erträgt der wortkarge Einzelgänger nur mit viel Schnaps, meist schon früh am Morgen. Als sich eines Tages das Gletschereis blutrot verfärbt und Janeks Hund von irgendeinem Viech gebissen wird, ist es mit der Ruhe da oben erst mal vorbei...

KRITIK:

Regisseur Marvin Kren ist ein Wanderer zwischen zwei Welten. Einerseits gehört der 33-Jährige einer Generation an, die wie selbstverständlich mit dem phantastischen Kino aufgewachsen ist. Andererseits ist er auch geprägt vom Realismus des österreichischen Autorenfilms und dessen schonungslosem Blick hinter die Fassaden und in die Abgründe. Genrekino, realistisch geerdet. Menschliche Dramen und filmische Härte: Eine spannende Mischung, von der schon Krens durchaus herzeigbares Debut, der Zombie-Thriller Rammbock, entschieden profitierte.

Besagter Film war die Visitenkarte, die Kren die Türe zur Helmut Grassers Produktionsfirma Allegro Film (IN DREI TAGEN BIST DU TOT) öffnete. Gedreht wurde in Südtirol - weil die dort mehr Geld haben, wie Grasser auf der Film-Premiere im bis auf den letzten Platz gefüllten Gartenbaukino launig anmerkte, aber auch aufgrund der landschaftlichen Besonderheit der dortigen Bergwelt. Diese schroffe, raue, eiskalte und bedrohliche Bergwelt bietet eine majestätische Landschaftskulisse, die quasi die zweite Hauptrolle spielt.

Womit wir beim Cast wären: Viele bekannte Gesichter leiden, frieren, kämpfen, fluchen und sterben dort oben in luftiger Höh'. Szenenapplaus - hab ich schon erwähnt, dass das Kino bis auf den letzten Platz gefüllt war? - gab's für Brigitte Kren, die als Ministerin mit hantigem Charme - "Kannst du bitte nur reden wannst gfragt wirst????" - für kleine humoristische Auflockerungen in einem ansonsten sehr ernsthaften Film sorgt.

Auch groß: Der Ingenieur Janek, gespielt von Gerhard Liebmann, dessen bemerkenswert naturbelassene Bart- und Haartracht mich an einen gewissen George Eastman Anfang der Achtziger erinnert hat. MAN-EATER, okay, inhaltlich eine gänzlich unpassende Assoziation, aber die optische Ähnlichkeit ist nicht zu leugnen. Auch sehr überzeugend: Edita Malovcic aus Nordrand, mit der Janek noch beziehungstechnische Vergangenheitsbewältigungsarbeit zu erledigen hat. Man merkt schon, menschliche Dramen werden ähnlich groß geschrieben wie der Suspense und der Blut-Gehalt.

Ganz ohne Griff in die digitale Trickkiste geht's natürlich nicht, aber Krens Bemühen, die Creature-Effekte möglichst analog und handgemacht wirken zu lassen, muss ausdrücklich gewürdigt werden. Das Budget ist bei dieser Art von Film leider ein limitierender Faktor. Und zwei Millionen Euro ist eigentlich fast nichts. Die meisten Monster- und Mutantenattacken wurden auch, wie befürchtet, (zu) schnell geschnitten und finden im Halbdunkel statt. Wohlwollend könnte man formulieren, dass damit der Fantasie mehr Raum gegeben wird. Nörgler hingegen haben auch nicht unrecht, dass Krens ganz offensichtliches Vorbild, nämlich Carpenters THE THING, keine Angst vor seinen österreichischen Zwillingsbrüdern aus dem Ewigen Eis haben muss. Wäre ja auch ein Wunder gewesen.

Was bleibt, ist ein ambitionierter, ernsthafter und sehr professionell gemachter Herzblut-Horrorfilm aus Österreich, der im Großen und Ganzen hält, was er verspricht. Ins Kino kommt BLUTGLETSCHER am 27.9. Irgendwas steht ja noch an diesem Wochenende an. Ach, ja, Nationalratswahl. Auch wenn da keine Ministerin zur Wahl steht, die Rum aus der Flasche trinkt und eigenhändig Mutantenköpfe mit der Schlagbohrmaschine spaltet, würde ich sagen: Unbedingt hingehen. In die Wahlkabine und anschließend ins Kino.

Blutgletscher Bild 1
Blutgletscher Bild 2
Blutgletscher Bild 3
Blutgletscher Bild 4
Blutgletscher Bild 5
FAZIT:

Nach der Zombie-Apokalypse in Berlin nun die Mutanten-Invasion aus dem Gletschereis. Der neue Film von Marvin Kren hält, was er verspricht: Professionelles, mit Herzblut angerichtetes Monster-Schlachtfest vor bedrohlicher alpiner Naturkulisse. Ergibt knappe ...

WERTUNG: 8 von 10 stichfreudige Insektenadler
Dein Kommentar >>
Mauritia M. | 27.09.2013 13:51
Ermutigt von deinem Review hab ich mir den Film gestern angeschaut. Danke für den Tipp, Harald. Ich habe einen (wider Erwarten) äußerst unterhaltsamen und keine Sekunde langweiligen Film mit gar nicht mal so schlechten Effekten (manche Blockbuster-CGI-Monster sehen weitaus schlechter aus), tollen SchauspielerInnen und charmantem österreichischen Humor gesehen.
Hab viel gelacht und mich bestens unterhalten gefühlt.
Würde 7 von 10 kampflustigen Ministerinnen geben.
>> antworten
Johannes | 23.09.2013 12:13
Ich bin mir nicht sicher, ob das auf dem auf facebook verlinkten Foto wirklich der Harald ist. Könnte auch Fred Durst sein. *g*
Harald | 23.09.2013 18:12
Du bist ganz schön frech, lieber Kollege. Aber weil du
schon wieder so ein schönes Special geschrieben hast,
werde ich dich ausnahmsweise nicht mit der
Neunschwänzigen bestrafen.
Johannes | 25.09.2013 08:36
Tja, Zuckerbrot und Peitsche, so läuft das hier bei uns... Aber danke für die Vorschusslorbeeren. ;)
>> antworten
Erich H. | 22.09.2013 14:25
Klingt ja besser, als von mir befürchtet. Muss wohl angeschaut werden. Und was Frau Malovcic betrifft, war ich schon bei NORDRAND der Meinung, dass sie Frau Proll schauspielerisch deutlich überlegen ist.
Gute (and I think so) faire Kritik. Schön.
>> antworten


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