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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
Boy A

Boy A

DRAMA: UK, 2007
Regie: John Crowley
Darsteller: Andrew Garfield, Peter Mullan, Siobhan Finneran, Alfie Owen, Taylor Doherty, Shaun Evans

STORY:

Er war beteiligt an einem grausamen Verbrechen, das die ganze Nation erschütterte. Fast 15 Jahre später wird Jack, so sein neuer Name, aus dem Gefängnis entlassen. Er ist nun Mitte zwanzig und versucht die Vergangenheit hinter sich zu lassen und ein neues Leben zu beginnen. Mit der Unterstützung seines Betreuers bekommt er einen Job und eine Wohnung in einer neuen Stadt. Obwohl Jack unsicher im Umgang mit anderen Leuten ist, gelingt es ihm recht schnell Fuß zu fassen. Doch es ist nicht leicht, der Vergangenheit und den inneren Dämonen zu entfliehen..

KRITIK:

In Zusammenhang mit besonders grausamen oder sinnlosen Verbrechen wird oftmals der Ruf nach lebenslangen Haftstrafen für die Täter, die in einem solchen Kontext auch immer wieder gerne als "gefühlskalte Monster" tituliert werden, laut. Frei nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn. Aber kann das wirklich die Lösung sein? Und vor allem, sind die Täter wirklich zu keinen menschlichen Regungen mehr fähige Monster?

"Boy A" versucht einen etwas differenzierten Blick auf die Thematik zu werfen und riskiert einen Blick hinter die Fassade des Monsters und zeigt einen schüchternen jungen Mann, der einen Platz im Leben sucht. Verletzlich und unsicher im Umgang mit anderen, gewissenhaft in seiner Arbeit, sehen so Elemente, vor denen die Gesellschaft geschützt werden muss, aus?

Das Hauptaugenmerk des Films liegt eindeutig nicht auf Jacks Tat, die sich dem Zuseher erst nach und nach in Bruchstücken offenbart. Viel mehr geht es um die Wiedereingliederung des Täters in die Gesellschaft. Jack hat seine Strafe verbüßt und knabbert immer noch an der Vergangenheit. Er fühlt sich oftmals schuldig und sieht sein neu gewonnenes Glück als unverdient an.

Dass er ein Leben in Freiheit nicht verdient, sehen auch andere so. Nachdem bekannt wurde, dass "Boy A" aus dem Gefängnis entlassen wurde, starten die Medien eine regelrechte Hetzkampagne gegen ihn. Der Täter von einst findet sich mehr und mehr in einer Opferrolle wieder. Man sieht schon, der Film stellt auch einige, mitunter auch unangenehme Fragen über die Rolle der Medien in der Gesellschaft.

Es sind durchaus interessante Perspektive, mit denen "Boy A" aufwartet. Leider macht es sich der Film aber streckenweise auch etwas zu leicht. Jack, der vormals Eric hieß, begann sein Verbrechen im zarten Knabenalter. Und hatte, no na ned, eine schwere Kindheit. Außerdem kann beim Zuseher auch leicht der Verdacht entstehen, dass er sich vielleicht nur mit den falschen Leuten abgegeben hat. Und die Tat selbst scheint ja auch keine Absicht gewesen zu sein.

Der Film erinnert streckenweise an Paranoid Park nur ohne hypnotische Bilder und den ganzen Kunstfilm-Touch. "Boy A" kommt subtil und meist nüchtern daher, entpuppt sich aber nichts desto trotz als eindringliches Drama. Als wahrer Glücksfall erweist sich Hauptdarsteller Andrew Garfield, der eine brillante Performance als von seiner Vergangenheit gepeinigter Ex-Häftling hinlegt.

Boy A Bild 1
Boy A Bild 2
Boy A Bild 3
Boy A Bild 4
Boy A Bild 5
FAZIT:

Durchaus diskussionswürdiger Film, der zeigt, dass die Realität um so vieles komplizierter und komplexer ist, als es einen manche Schwarz-Weiß-Maler gerne einreden würden. Für Leute die auch gerne mal über den Tellerrand gucken.

WERTUNG: 7 von 10 brandneuen Turnschuhen
TEXT © Gerti
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Dein Kommentar >>
Chris | 25.09.2009 12:16
In diesem Film wurde die Mordtat etwas "beschönigt", wohl um das Publikum milde zu stimmen. Denn wenn man weiß, dass dem Film eigentlich ein anderes, tatsächlich passiertes Verbrechen zu grunde liegt, könnte es mit dem Mitleid für den BOY A ganz schnell vorbei sein. Denn da haben zwei elfjährige Jungen ein dreijähriges Kleinkind entführt und ihm mit Backsteinen den Schädel zertrümmert. Sicher haben hier Kinder die Tat begangen und sicher ist die Schuldfrage problematisch. Doch ganz klar ist auch, dass die Eltern dieses bestialisch ermordeten Kinders auch keine zweite Chance mehr haben und dass deren Leben auch auf ewig zerstört sein wird. Warum sollte es dem Täter dann besser gehen?
Chris | 25.09.2009 12:21
Ach und ganz zu schweigen davon, dass das Opfer überhaupt kein Leben mehr hat...Aber wie gesagt, ein ganz, ganz schwieriges Thema, bei dem man pauschal gar kein Urteil fällen kann. Ich als Vater von zwei Kleinkindern bin aber in dieser Hinsicht bestimmt auch voreingenommen...
Gerti | 25.09.2009 18:13
Das mit dem Beschönigen hab ich auch gemeint, als ich davon sprach, dass der Film es sich streckenweise zu leicht macht. Die Sache mit dem realen Fall war mir so in dem Ausmaß allerdings nicht bekannt, ich bin also recht unbefangen an den Film herangegangen. Natürlich ist die Frage warum es den Tätern besser gehen soll, berechtig. Allerdings weiß ich nicht, ob es zielführend ist, wenn man die Täter bis an ihr Lebensende hinter Gittern schmoren lässt, wobei ich allerdings auch glaube, dass es Fälle gibt, in denen eine, wie man so schön sagt, lebenslange Sicherheitsverwahrung auch einsehe, weil die Täter eine tickende Zeitbombe darstellen. Aber ein Urteil zu fällen würde ich auch nicht wagen.
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