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Brighton Rock

Brighton Rock

NEO-NOIR: GROßBRITANNIEN, 2010
Regie: Rowan Joffe
Darsteller: John Hurt, Helen Mirren, Sam Riley, Andrea Riseborough

STORY:

Das südenglische Brighton im Jahre 1964: Es toben Kämpfe zwischen Mods und Rockern und der junge Ganove Pinkie (Sam Riley) tritt die Nachfolge des von der rivalisierenden Corlenone-Bande ermordeten Bosses seiner Gang an. Leider wird die naive Kellnerin Rose (Andrea Riseborough) Zeugin des Racheaktes am Mörder von Pinkies Chef. Um sie zum Schweigen zu bringen, beginnt der kaltschnäuzige Gauner zunächst eine Beziehung mit Rose, um sie kurz darauf sogar zu heiraten. Doch sowohl die Polizei, als auch die Colleoni-Bande sind ihm dicht auf den Fersen ...

KRITIK:

Der Neo-Noir BRIGHTON ROCK ist der Debütfilm von Rowan Joffe, der auch das Drehbuch verfasst hat. Bei dem Stoff handelt es sich um die Adaption eines Romans von Graham Greene und um das Remake der gleichnamigen erstmaligen Verfilmung aus dem Jahre 1947. Auch wenn ich weder den Roman gelesen, noch die ursprüngliche Verfilmung gesehen habe, so habe ich immerhin in Erfahrung gebracht, dass der größte Eingriff dieser Neuverfilmung darin besteht, die im Original in den 30er-Jahren spielende Handlung in die 60er-Jahre transportiert zu haben.

Die mittlerweile legendären Jugendkrawalle dieser Zeit bilden auch ein eindringliches Bild für eines der Hauptthemen des Films: Das erstmalige Streben der jungen Menschen in England nach einer bedeutenden Rolle in einer von (oftmals bornierten) Alten dominierten Gesellschaft.

Und große, bedeutungsschwangere Bilder sind es auch, welche einen Großteil der Wucht von BRIGHTON ROCK ausmachen. Das beginnt bereits ganz am Anfang mit dem Unheil verkündenden Bild dunkler, tosender Wellen und zieht sich durch die gesamte Geschichte hindurch. Die gelungene musikalische Untermalung tut ihr übriges, um die Wirkung der an Metaphern reichen Bildsprache noch weiter zu verstärken. Auf visueller Ebene ist BRIGHTON ROCK ganz eindeutig nicht weniger als ein kleines Meisterwerk geworden.

Leider sind die oft auch noch sprachlich geäußerten Metaphern oft ein ganzes Stück zu durchschaubar und zu aufdringlich, um den Zuschauer wirklich vollkommen emotional in die Geschichte hineinzuziehen. So verbinden sich die Jugendkrawalle niemals wirklich mit der eigentlichen Story, sondern wirken zumeist wie ein im Prinzip überflüssiges Beiwerk, das noch einmal unterstreichen soll, was sowieso bereits auf andere Weise in hinreichender Klarheit vermittelt wurde.

Aber weitaus störender ist die Tatsache, dass die im Zentrum der Geschichte stehende "Beziehung" zwischen Pinkie und Rose niemals wirklich emotional nachvollziehbar ist. Dabei ist zumindest die von Andrea Riseborough verkörperte Rose in ihrer Unbedarftheit durchaus überzeugend gespielt. Aber zwischen den beiden entwickelt sich niemals eine wirkliche Chemie, welche als Grundlage für die behaupteten auftauchenden schweren emotionalen Konflikte dienen könnte.

Und so bleibt am Ende des Betrachtens von BRIGHTON ROCK leider ein etwas schaler Nachgeschmack zurück: Auf der einen Seite handelt es sich hierbei ganz eindeutig um ein insbesondere visuell herausstechendes Crime-Drama. Doch zugleich bleibt der Film die meiste Zeit viel zu sehr an der Oberfläche und vermag nicht wirklich tief in die Charaktere und das sich aus deren Disposition ergebende Geschehen einzudringen.

Brighton Rock Bild 1
Brighton Rock Bild 2
Brighton Rock Bild 3
Brighton Rock Bild 4
FAZIT:

Das britische Crime-Drama BRIGHTON ROCK ist ein Neo-Noir, der sich von seiner handwerklichen Seite her keineswegs vor entsprechenden großen Hollywood-Produktionen zu verstecken braucht. Leider übernimmt der Film jedoch nicht nur die Stärken, insbesondere eine unleugbare visuelle Wucht von den besseren Vorbildern aus Amerika, sondern auch deren oftmals größten Schwächen. So muss der Film alles, was eigentlich die Geschichte selbst erzählen sollte, noch zusätzlich in oftmals sehr aufdringliche Bilder und Sätze packen, während die Charaktere an sich zum Teil nicht hinreichend genug vertieft werden, um einen wirklich vollkommen in das Geschehen eintauchen zu lassen.

WERTUNG: 6 von 10 angry young men
TEXT © Gregor Torinus
Dein Kommentar >>
Federico | 05.05.2011 09:13
Grad im Kino, or what?
Federico | 05.05.2011 09:15
Sorry, grad gesehn^^
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