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Cabal - Die Brut der Nacht

Cabal - Die Brut der Nacht

OT: Nightbreed
HORROR: USA, 1990
Regie: Clive Barker
Darsteller: David Cronenberg, Craig Sheffer, Anne Bobby, Charles Haid ua.

STORY:

Aaron Boone hat einen immer wiederkehrenden Traum: er befindet sich darin an einem mysteriösen Ort namens Midian. Ein Ort, an dem Monster und andere Kreaturen leben. Boone weiß, dass an diesem Ort alle Sünden vergeben werden und spürt tief in seinem Inneren, dass er genau dort hingehört. Eines Tages erfährt er von seinem Psychiater Decker, dass er für eine sadistische Mordserie verantwortlich sein soll. Boone, der sehr labil ist und sich aufgrund belastender unheimlicher und grausiger Träume schon länger in psychiatrischer Behandlung befindet, hat keine Erinnerung an die angeblich von ihm begangenen Gräueltaten. Kein Wunder - diese hat in Wahrheit Decker begangen, dem es gelingt, die Polizei zu täuschen und auf die Fährte von Boone zu setzen. Boone gelangt auf seiner Flucht endlich ans Ziel seiner Träume. Doch er hat nicht mit Decker gerechnet, der nicht nur den Tod Boones möchte, sondern auch plant, Midian und all die dort lebenden Freaks, die für ihn unerträgliche Abartigkeiten der Natur sind, zu zerstören. Decker und die Polizei sind Boone dicht auf den Fersen und schließlich kommt es zum erbitterten Krieg zwischen Menschen und Monstern ...

KRITIK:

"Cabal - Die Brut der Nacht" basiert auf einer nicht einmal ganz 200 Seiten umfassenden Kurzgeschichte von Clive Barker und ist ein Film, der im Vergleich zu Hellraiser nur eine kleine Fangemeinde zu haben scheint. In den meisten Nachschlagewerken über Horrorfilme wird "Cabal" entweder nur stiefmütterlich behandelt oder gar nicht erst erwähnt.

Barkers zweiter Spielfilm nach Hellraiser ist trotz Einmischung und massiver Kürzungen seitens des Produktionsstudios Morgan Creek Productions ein episch anmutendes Werk voller morbider Ästhetik und Tiefgründigkeit. Midian, eine Stadt unterhalb eines alten Friedhofs mitten im Nirgendwo, ist ein Rückzugsort für die von der Gesellschaft Unerwünschten und Verbannten: Freaks, Monster, Gestaltwandler, Magier und andere Kreaturen der Nacht (The Nightbreed, The Tribes of the Moon).

Jahrhundertelang wurden sie von den Menschen geächtet, gefürchtet, verfolgt, gequält und hingerichtet. Nun gibt es nur noch wenige von Ihnen. Sie haben sich für einen Rückzug aus der Gesellschaft entschlossen und Midian ist ihre selbstgewählte Heimat. Sowohl der obere Teil von Midian (ein verwitterter, moosbewachsener Friedhof mit alten Gruften und halb verfallenen Grabsteinen) als auch der untere Teil der geheimnisvollen Stadt (eine Art Höhlensystem) sind bis ins Detail atemberaubend schön gestaltet.

Umso schmerzvoller ist es, mitansehen zu müssen, wie Decker und die örtliche Polizei dieses friedvolle Refugium heimsuchen und es mit unglaublicher Brutalität zerstören. Maskenbildner Bob Keen hat exzellente Arbeit geleistet. Diversen Quellen ist zu entnehmen, dass für "Cabal" an die zweihundert Monster entworfen wurden. Leider sind nach neusten Erkenntnissen sage und schreibe 44 (!) Minuten des abgedrehten Filmmaterials der Schere zum Opfer gefallen.

Der Regisseur David Cronenberg (u.a. "Die Fliege", "Die Brut", "Shivers") spielt den Psychiater Boones, der außerhalb der Arbeitszeit ungeniert seiner Mordlust frönt. Er erwies sich als Top-Besetzung für die Rolle des Dr. Decker. Cronenberg strahlt nicht nur durch sein Äußeres, sondern auch durch die Intonation seiner Stimme eine intensive Bedrohlichkeit aus. Seine verbale Ausdrucksweise wirkt genauso glatt und kalt wie das Skalpell, mit dem er seine Opfer vorzugsweise tötet.

Cabal ist ein Film, der (jedenfalls in der erheblich gekürzten Fassung) trotz der ein oder anderen Gore-Szene einen eher leisen, sanften Horror versprüht und eine Hommage an morbide Ästhetik. Ebenfalls lobenswert ist der stimmungsvolle Soundtrack aus der Feder von Danny Elfman. Besonders faszinierend ist die Geschichte aufgrund der behandelten Themen - Boone verkörpert das tiefgreifende Gefühl der Einsamkeit inmitten von anderen Menschen, die Sehnsucht nach einem Ort der Akzeptanz trotz gefühlter oder tatsächlicher Andersartigkeit. (Diese Thematik kommt zumindest der Autorin des Reviews sehr vertraut vor. ;-)

Als der "Krieg" in Midian ausbricht, wird sichtbar, wer die vermeintlichen Monster (die, die sich Nightbreed nennen) und wer die tatsächlichen Monster (die, die sich Menschen nennen) sind. Auf welcher Seite würdet ihr gerne kämpfen?
"But the monsters were forever. Part of her forbidden self. Her dark, transforming midnight self. She longed to be numbered among them." (Aus Clive Barker's Buch "Cabal")

Cabal - Die Brut der Nacht Bild 1
Cabal - Die Brut der Nacht Bild 2
Cabal - Die Brut der Nacht Bild 3
Cabal - Die Brut der Nacht Bild 4
Cabal - Die Brut der Nacht Bild 5
Cabal - Die Brut der Nacht Bild 6
Cabal - Die Brut der Nacht Bild 7
FAZIT:

"Cabal" ist ein schauriges Märchen für Erwachsene, ein melancholisch-düsteres Gemälde, eine Parabel von Menschlichkeit und Unmenschlichkeit (- im wahrsten Sinne des Wortes) und eine zynische Karikatur der sogenannten zivilisierten Gesellschaft. Die vorliegende amerikanische DVD lässt erahnen, von welcher Grandiosität die Fassung, wie sie Barker eigentlich vorgesehen hat, ist. Zur Ergänzung und um eine bessere Vorstellung von der Geschichte zu bekommen, empfiehlt es sich, die Romanvorlage zu lesen. Und: Hoffen und Daumen drücken, dass der von Barker selbst ersehnte Director's Cut eines Tages erhältlich ist! Wer sich näher damit befassen möchte und Clive Barker bei seinem Projekt unterstützen möchte, kann auf dieser Seite eine Petition unterschreiben: http://www.clivebarker.info/morenightbreed.html

WERTUNG: 9 von 10 blutrünstigen Psychiatern
TEXT © Mauritia Mayer
Dein Kommentar >>
Gregor | 21.11.2011 23:35
Vielen Dank für die Spitzen-Review und für diesen Tipp!!! Da gilt es anscheinend eine echte Bildungslücke zu schließen...

Hatte den mal eine Zeitlang auf dem Radar, aber bei einer Wunschliste von mehreren Hundert Filmen, viel CABAL zwischenzeitlich dann eifach mal raus.

Den Fehler habe ich jetzt aber schnellstens behoben!!! ;-)
Mauritia M. | 24.11.2011 16:52
Danke für's Lob :) Und: viel Spaß mit dem Film. Bin gespannt auf deinen Kommentar dazu.
>> antworten
Erich H. | 20.11.2011 13:30
Danke für diese Besprechung. Es war höchste Zeit.
Solch morbide Eleganz wie dieser Film konnte m.E. erst wieder bei PANS LABYRINTH erzeugt werden.
Mauritia M. | 20.11.2011 13:53
Bitte. Es war mir ein Vergnügen. Und: Ich gebe dir in beiden Punkten recht :)
Harald | 20.11.2011 14:00
Schließe mich an. Übrigens bilde ich mir ein, den Film seinerzeit im Kino gesehen zu haben, ziemlich zeitgleich mit Tom Savinis NIGHT OF THE LIVING DEAD-Remake.
Chris | 20.11.2011 14:53
Große Besprechung, großes Buch, großer Film. Und Cronenberg als
"Knopfgesicht" auch groß. Midian lives! : )
Mauritia M. | 24.11.2011 16:53
... forever!
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