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Cannibal Mercenary

Cannibal Mercenary

OT: Cannibal Mercenary / Employ for die
ACTION: Thailand, 1983
Regie: Wong Hong Lu
Darsteller: Lek Songphon, Sugud Namchan, Rom Rachan, Sormud Charekchema

STORY:

Um die dringend notwendige Operation für seine schwerkranke Tochter bezahlen zu können, übernimmt der ehemalige Elitesoldat Kong die Führung eines Söldnerkommandos. Der Auftrag lautet, einen grausamen Drogenlord hinter den feindlichen Linien unschädlich zu machen. Schon unterwegs wird der Stoßtrupp stark dezimiert; sei es durch Scharmützel mit den Vietcong oder diversen tödlichen Dschungelfallen. Am Ende landen Kong und seine noch verbliebenen Männer in den Fängen von Kannibalen...

KRITIK:

Lustig ist das Söldnerleben? Noooooooope. Da hat euch der freundliche Mann vom Rekrutierungsbüro aber einen fetten Bären aufgebunden. Ich hoffe, ihr habt noch nichts unterschrieben.

Besser zuerst CANNIBAL MERCENARY aka THE JAGUAR PROJECT aka JUNGLE KILLERS aka EMPLOY TO DIE schauen, bevor ihr ins Gefecht zieht. Dann bekommt ihr eine Ahnung davon, was passiert, wenn euch der dreckige Hund Krieg erst einmal in seinen Fängen hat; wenn euch die bösen Vietcongs erwischt haben. 

Mit Stäbchen essen die nämlich nicht nur. Die binden euch auch an solchen fest; auf dem nackten Dschungelboden, als Ameisenfutter und lassen euch in der Sonne schmoren. Und wenn ihr dann um Wasser bettelt, pissen sie euch ins Gesicht. So ist das nämlich. Die ungeschönte Wahrheit nachzusehen in Minute 49, CANNIBAL MERCENARY. Allerdings ist diese unappetitlich erniedrigende Behandlung noch Fünf-Sterne-Wellness Hotel im Vergleich zu dem, was die Söldner erwartet, wenn sie im letzten Filmdrittel erst den Kannibalen in die Hände fallen.

Doch der Reihe nach.

Da hat man Jahrzehnte lang die bitterbösen, gorigen, oft auch indizierten oder gar beschlagnahmten Gewalt- und Splatterfilme gejagt, erlegt, gesammelt, mitternächtlich wie einen guten Wein genossen, sie anschließend wieder wie Trophäen ins heimische Filmregal zurückgestellt; man hat für sie auf die Weltreise verzichtet, hat über sie geschrieben, wurde wegen ihnen von Freundinnen verlassen, von Mitmenschen belächelt oder gar als gefährlich eingestuft und man dachte, man kenne sie alle. Oder man hat zumindest schon von ihnen irgendwo gehört oder gelesen. Schließlich kennt man seine Pappenheimer: CANNIBAL HOLOCAUST, CANNIBAL FEROX, LEBENDIG GEFRESSEN und wie sie alle heißen. Auch ich dachte, ich hätte sie alle durch.  

Dann stößt man nichtsahnend auf einen Flick namens CANNIBAL MERCENARY. Aus den Achtzigern; einer Dekade, die man, was Exploitationfilme betrifft, schon abgegrast wähnte. Der Titel hat mir bis vor kurzem noch gar nichts gesagt. Eine Bildungslücke, die ich offenbar mit vielen teile. Selbst auf der cine-global agierenden imdb haben ihn -Stand April 2015- nämlich gerade einmal 85 Hanseln bewertet.

CANNIBAL MERCENARY ist gar so verdammt underground geblieben, dass er offenbar nicht einmal der Bundesprüfstelle geläufig ist. Und vor allem wir Deutschen wissen zu unserem zensurgebeutelten Leidwesen nur zu gut, dass dieser eigentlich kein Film entgeht, wenn darin -wie in CANNIBAL MERCENARY- eine Schädeldecke mit Hammer und Meisel in Großaufnahme aufgeklopft und anschließend das Gehirn verspeist wird.

Irgendwie hat dieser krude wie brutale Söldnerfilm aus Thailand viele Radarschirme unterflogen. Auch wenn ihn das berüchtigte Label Astro vor Jahren stark gekürzt unter dem Titel JUNGLE KILLERS herausgebracht hat. Daneben kursiert auf dem US-Markt eine weitere gekürzte Fassung unter dem Banner THE JAGUAR PROJECT, die zusätzlich mit billigen, sinnentstellenden Füllszenen ausstaffiert ist. Braucht ebenfalls kein Mensch. Ich habe diese Fassungen ignoriert und für euch natürlich die Uncut-Fassung (Titel: CANNIBAL MERCENARY) gesichtet. Steht ihr auf politisch inkorrekte Söldnerfilme mit Hang zur hemmungslosen Exploitation, dann muss zwingend die eurer erste Wahl sein!

Es ist nämlich streckenweise ganz schön herbe Kost, was da ein gewisser Wong Hong Lu mit seinem ersten und gleichzeitig einzigen Film im Jahre 1983 auf die Menschheit losgelassen hat. Mit dem Söldner- und dem Exploitationfilm vermischt er zwei naturgemäß gewaltbereite Genres zu einem kruden Potpurrie, der insbesondere im letzten Drittel einen extremen Hang zum Sadismus offenbart. Dann nämlich wird die Truppe um Sergeant Kong von den Kannibalen des Drogenlords gefangen genommen und plötzlich heißt es DIE WILDGÄNSE treffen auf DIE RACHE DER KANNIBALEN. Die Hinrichtungen sind dabei äußerst roh und schnörkellos inszeniert. Insbesondere die bereits erwähnte Hammer smashed Skull-Szene ruft Erinnerungen an Giovanni Lombardo Radices Schicksal aus Lenzis berüchtigten wie umstrittenen Kannibalenschocker wach.

Bevor die Fans der alten, hundsgemeinen Kannibalenfilme aus Bella Italia jedoch zu aufgeregt mit dem Schwanz wedeln, sei gesagt, dass die Menschenfresseraktivitäten nur einen sehr kleinen Raum einnehmen. In der Hauptsache konzentriert sich dieser thailändische Söldner-Flick auf krude Dschungel-Kriegsaction. Trotzdem wohnt dem Ganzen der geschmacklose Geist 80er Jahre-Exploitation inne. Der ist so allgegenwärtig, dass ich, dem so ziemlich alle italienischen Kannibalenfilme geläufig sind, schon das Schlimmste befürchtete, als sich einer der Soldaten eine lebendige Schlange krallt. Doch dankenswerterweise hat Lu im Gegensatz zu seinen römischen Kollegen Deodato, Lenzi und Martino auf reale Tiertötungen in seinem Film verzichtet.

Ohne Frage. CANNIBAL MERCENARY ist ein schäbiges, kleines Filmchen, von dem -siehe oben- auch noch unzählige Schnittfassungen im Umlauf sind. Eine wahrscheinlich schundiger als die andere. So jedenfalls der Eindruck, der vor allem bei der mir vorliegenden Uncut-Version deutlich wird. Augenscheinlich wurde diese aus verschiedenen Fassungen unterschiedlichster Bildqualität zusammengekleistert.

Was zur Folge hat, dass die Schnitte holprig sind und das Bild mal wirkt, als käme es von einem halbwegs ordentlichen Master, dann wieder so, als stamme es direkt von einem abgewichsten Videotheken-Tape kurz vor dem Bandexitus. Über allem thront ein miserables englisches Dubbing, das aber wohl in allen Fassungen gleich dilettantisch tönen dürfte. Dennoch passt diese geballte Masse an Unzulänglichkeiten wie die Faust aufs Auge zu einem räudigen Stück Exploitationkino wie diesem hier. Irgendwie verleiht es dem geschmacklosen Ganzen einen noch geschmackloseren Charme: entlarvt jedoch auch das etwas unterbemittelte Drehbuch, das hundert Minuten lang voll auf den Exploitation-Lukas haut, nur um in der allerletzten Minute eine kritische Antikriegs-Attitüde vorzuheucheln. 

Fast hätte ich es vergessen, Herr Wachtmeister. Ich muss ja noch einen Fall von Filmmusik-Diebstahl anzeigen. Regisseur Lu hat wohl gedacht, was Bruno Mattei kann, kann er schon lange und hat sich wie dereinst der alte Italiener für seine HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN den Goblin-Score aus DAWN OF THE DEAD geklaut. Und einmal mehr erklingt die bedrohliche Hymne "L'Alba dei Morti Viventi" passend, aber dreist geklaut im falschen Film...

Cannibal Mercenary Bild 1
Cannibal Mercenary Bild 2
Cannibal Mercenary Bild 3
Cannibal Mercenary Bild 4
Cannibal Mercenary Bild 5
FAZIT:

Nicht nur im römischen (Cine-)Imperium und im reaktionären Chuck Norris-Umfeld hat man in den 80ern gerne dreckige Kriegsfilme gemacht. Der selten gesehene CANNIBAL MERCENARY kommt aus Thailand und ist ein hochgradig exploitatives, gewaltbereites Stück Söldnerschund, das wohl auch die Italiener nicht roher und räudiger hinbekommen hätten.

 

WERTUNG: 6 von 10 posttraumatische Belastungssyndrome
TEXT © Christian Ade
Dein Kommentar >>
Johannes | 28.04.2015 17:32
Der ist von Filmark? Dann würde es mich nicht wundern, wenn hinter Wong Hong Lu in Wirklichkeit Godfrey Ho steckt. :D

Ansonsten: Super Kritik, hab ich königlich amüsiert.
Chris | 28.04.2015 20:32
Danke! :)
Harald | 01.05.2015 11:42
Nerd-News: Godfrey Ho hat sich hier das
Produzenten-Pseudonym Tomas Tang zugelegt. Hab
mich ein wenig durch den Film gezappt. Technisch
ist er doch deutlich oberhalb der absurden Ninja-
Cut and Paste-"Meisterwerke" aus dem Hause
Filmark angesiedelt.
>> antworten
Harald | 28.04.2015 14:06
Ohh, Söldner-Schund aus dem hinterletzen
Videothekenregal. Das war ja in Kindheitstagen
eines meiner größten guilty pleasures, die ich
schon wieder verdrängt hatte. Der ist mir aber
nie untergekommen.

PS: Danke für die Warnung. Aber heute bin ich
Pazifist.
Chris | 28.04.2015 20:36
In früher Jugend habe ich mir öfters mal MISSING IN ACTION 2 aus
dem Videoregal meiner Eltern stibitzt. Der hatte es mir damals
irgendwie angetan.
>> antworten


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