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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
Chillerama

Chillerama

TRASH / FUNSPLATTER-ANTHOLOGIE: USA, 2011
Regie: Adam Green, Adam Rifkin, Tim Sullivan, Joe Lynch
Darsteller: Corey Jones, Adam Rifkin, Sean Paul, Joel David Moore

STORY:

Wie könnte eine anarchistische Trash-Horror-Splatter-Anthologie besser eröffnet werden als mit einem Zombie-Blowjob? Richtig - Überhaupt nicht! Also beginnt CHILLERAMA, das Gemeinschaftsprojekt der Herren Adam (HATCHET) Green, JOE (WRONG TURN 2) Lynch, Tim (2001 MANIACS) Sullivan und Adam (DETROIT ROCK CITY) Rifkin, die jeweils eine Episode beigesteuert haben, mit einem eben solchen. Ebenfalls richtig: Diese Deep Dead Throat ist in etwa so tiefgelegen wie der Keller, in der sich das Niveau in zwei Stunden CHILLERAMA des Öfteren begeben wird. Macht euch also bereit für Killersperma, einen Werwolf -Pardon!- Werbär vom anderen Ufer, einen sich als Frankenstein versuchender Führerrrrr (der ironischerweise einen Golem erschafft) und - zum Ausklang - auf lustiges Zombie-Rudelbumsen im Autokino...

KRITIK:

Den guten Geschmack sollte man allerdings besser an der Garderobe abgeben. Und seinen Gürtel gleich mit. Weil die derben Gags schlagen eh meistens weit darunter ein.

Die einleitende Rahmenhandlung drückt jedoch die pure Liebe zu den Drive-In- und Bahnhofkinos aus; zu den mal trashigen, mal exploitativen Features aus dem Billigfilmsegment, die dort regelmäßig gezeigt wurden und die Wehmut darüber, dass das digitale Zeitalter und die Download-Mentalität moderner "Filmfreunde" diese hat aussterben lassen.

Bezeichnenderweise spielt die Rahmenhandlung in einem Autokino, das die letzte Abendvorstellung vor seiner Schließung gibt. Die dort gezeigten Filme sind die eingangs genannten Episoden plus einem im wahrsten Sinne des Wortes beschissenen Fake-Trailer zu einem ekligen Fakälieninferno namens Deathfecation. Am Ende wird das Drive In von geilen Zombies überrannt, die man nicht wie üblich mit einem Schuss in den Kopf, sondern einem Schuss in den Schritt vernichten muss. Und in der abschließenden Zombie-Orgie sieht man dann nicht nur weggeschossene Schwänze a go-go, sondern wohl auch das bislang exzessivste Leichenteileficken, welches jemals Eingang in einen Film frei ab 16 gefunden hat.

Loslegen darf Adam Rifkin, der einst das Drehbuch zu Joe Dantes SMALL SOLDIERS geschrieben und die kultige Metal-Komödie DETROIT ROCK CITY gedreht hat. Seine Episode stellt er unter das Motto "Wo gehobelt wird, da fallen Späne". Denn just nach dem Wichsen muss sein (gleich von ihm höchstselbst gespielten) Hauptprotagonist feststellen, dass das noch nicht zugelassene Medikament, welches er erprobt, eine unangenehme Nebenwirkung besitzt: Statt Millionen von Spermien produziert der arme Mann nur noch ein einziges, aber das beginnt - kaum dem Schniedel entsprungen - ein monströses Eigenleben zu entwickeln. Als gefräßiges, glibbrig-schleimiges, eine ganze Stadt bedrohendes Stück Mega-Gelee Royale macht es seinem Titel WADZILLA alle Ehre.

Ist natürlich eine Hommage an die alten Monsterfilme der 50er - in erster Linie an den BLOB-, erinnert aber auch an das Segment mit der Killertitte aus Woody Allens WAS SIE SCHON IMMER ÜBER SEX WISSEN WOLLTEN. Und natürlich ist alles genauso zotig, abgedreht, geschmacklos und klamaukig wie man sich das anhand der Inhaltsangabe vorstellt. Die Stop Motion-Effekte sind rührig, die CGI bewußt abgrundtief schlecht, aber eben auch liebenswürdig. Und wenn die Episode mit einem kollektiven, flächendeckenden Cumshot endet, dann hat man sich doch irgendwie gut unterhalten gefühlt. Vorausgesetzt, man hat - wie die Macher dieser Anthologie und der Verfasser dieser Zeilen - ein Herz für das Trash- und Grindhousekino und kann mit schwarzem Humor in der Schnittmenge von BRAINDEAD, Troma und SCARY MOVIE etwas anfangen.

Episode 2 heißt I WAS A TEENAGE WEREBEAR. Und auch hier gibt es eine Splatterkomödie zwischen Anarchie und zotigem Klamauk, der insofern originell ist, weil Tim Sullivan (verantwortlich für das gelungene Remake zum alten Herschell-Gordon-Lewis-Splatterklassiker 2000 MANIACS und dem etwas weniger gelungenen Sequel dazu) das Coming Out eines jungen Mannes in Form eines Werwolf-Films und mit den Stilmittel eines 60er Jahre Surf-Musicals erzählt. Allerdings wechseln sich in diesem Segment Licht und Schatten ab, weil die einerseits knackigen Ideen zu oft in beknacktem, funsplattrigen Unfug verbraten werden. Und ja, an schwule Werbären in BDSM-Leatherboy-Outfit muss sich das Zuschauerauge auch erst einmal gewöhnen. Gaststar dieser Episode ist übrigens der alte 70er Jahre-Pornohengst Ron Jeremy. 

Ebenfalls nicht zimperlich in Sachen Geschmacklosigkeit und abgetrennter Körperteile, aber vielleicht seinen pechschwarzen Humor am originellsten verpackend, ist Adam Greens Part THE DIARY OF ANNE FRANKENSTEIN. Komplett in Schwarz/weiß gedreht wird dunkelste Geschichte dreist und pietätlos umgeschrieben und aus Anne Frank eine Anne Frankenstein gemacht. Hitler, der hier bestrebt ist, einen arischen Übermenschen aus (jüdischen) Leichenteilen zu basteln, und nicht deutsch, sondern ein Phantasie-Kauderwelsch spricht, welches sich anhört als würde ein besoffener amerikanischer Oktoberfestbesucher abwechselnd aus einem deutschen, einem schwedischen und einem polnischen Wörterbuch wahllos unsinnige Sätze bilden, bekommt natürlich ordentlich sein Fett weg. Joel David Moore in der Rolle des Führerrrrs legt eine wirklich lustige Parodie auf denselbigen aufs Parkett. Winnetous Nichte Kristina Klebe spielt Eva Braun- im heißen Naziploitation-Outfit. Und unser Lieblings-Jason aus der FREITAG, DER 13.-Reihe, Kane Hodder, das hünenhafte Retortenmonster. Schiefgehen konnte hier mal gar nichts.

Und danach mit dem ZOM-B-MOVIE versinkt das CHILLERAMA dann endgültig in einem Meer aus Blut, Schleim und Körperflüssigkeiten. 

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FAZIT:

Killersperma, schwule Werbären, Anne Frank(enstein), DEATHFECATION und zum Abschluss orgiastisches zünftiges Zombie-Rudelbumsen im apokalyptischen Autokino...- Vier Genre-Regisseure (Rifkin, Green, Sullivan und Joe Lynch) geben im Episodenfilm CHILLERAMA ihrer Liebe zu den mittlerweile ausgestorbenen Bahnhof- und Autokinos sowie den dort gezeigten Horror-(B-)Movies Ausdruck. Dabei spart man weder mit Schleim, Blut und anderen Körperflüssigkeiten noch mit derben, stets unter die Gürtellinie zielenden Gags. Unter dem Strich steht bewußt geschmackloser, aber liebenswürdiger und filmzitatereicher Trash irgendwo zwischen Troma, SCARY MOVIE und BRAINDEAD, den man wahlweise kultig, grobklamaukig, aber auch primitiv pubertär finden kann. Mich hat CHILLERAMA auch ohne Bier und Kumpels zu unterhalten gewußt. Wobei der Film mit Bier und Kumpels sicherlich noch um einiges lustiger kommt. In diesem Sinne: "Mehr BLUT! Mehr TITTEN!

WERTUNG: 7 von 10 mit Zombieschleim verseuchte Popcorn-Tüten
TEXT © Christian Ade
Dein Kommentar >>
Johannes | 15.04.2013 13:09
Ge-kauft! :)
Harald | 15.04.2013 13:21
Aber so was von!
Johannes | 20.05.2013 22:05
Hat sich auch gelohnt.:-D
>> antworten
Ricardo Gaße | 15.04.2013 09:09
Habe den vor einiger Zeit schon gesehen und mich köstlich amüsiert!
ghostdog | 05.11.2013 09:37
Ich wußte die ganze Zeit über nicht, ob ich lachen oder weinen soll!
>> antworten


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