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Choke - Der Simulant

Choke - Der Simulant

OT: Choke
DRAMA/KOMÖDIE: USA, 2008
Regie: Clark Gregg
Darsteller: Sam Rockwell, Kelly Macdonald, Anjelica Huston

STORY:

"Mein Name ist Victor. Ich bin sexsüchtig." Doch der Therapieerfolg in der Selbsthilfegruppe für Anonyme Sexsüchtige lässt auf sich warten. Vielleicht, weil Victor lieber mit der Nymphomanin vom Nebensitz auf dem Klo verschwindet. Weil ihm sein Job als grotesk kostümierter Statist in einem historischen Themenpark kein Geld bringt. Oder, weil seine demente Mutter, die ihm einst als esoterische Terroristin die Kindheit versaute, ihn nicht mehr erkennt. Um die Rechnungen für das teure Sanatorium, in dem Mum vor sich hindämmert, zu bezahlen, kommt Victor auf eine lukrative Geschäftsidee: In Luxusrestaurants täuscht er Erstickungsanfälle vor, lässt sich "retten" und mit Barem aushelfen. Wenn das nur gut geht…

KRITIK:

FIGHT CLUB. Kennt jeder. Findet jeder genial. Assoziiert man mit drei Namen: Brad Pitt, Edward Norton und David Fincher. Doch der Autor der Buchvorlage, sein Name ist Chuck Palahniuk, sagt der Mehrheit eher nichts mehr. Vielen ist wahrscheinlich nicht einmal bewusst, dass zu FIGHT CLUB eine Romanvorlage existiert.

Mit CHOKE - DER SIMULANT kommt eine weitere Palahniuk-Verfilmung - nein, nicht ins Kino. Obwohl der Film die große Leinwand durchaus verdient hätte. Doch der Reihe nach:

Wie schon in FIGHT CLUB lässt Palahniuk einen orientierungslosen, überforderten, dysfunktionalen Durchschnitts-Loser durch eine frustierende Alltagshölle taumeln.

Während der namenlose Ich-Erzähler in FIGHT CLUB erst zum Leben erwachte, wenn er physische Schmerzen verspürte, lebt Victor in CHOKE nur auf, wenn er Sex hat: "Es sind die einzigen wenigen Minuten, in denen ich Mensch sein kann. Nur in dieser kurzen Zeit fühle ich mich nicht einsam."

Sexsucht also. Ein chemischer Ungleichszustand im Gehirn. Dopamin, Serotonin und Endorphine spielen verrückt. Das ist kein Spaß. Vor allem: Es bringt keine Befriedigung. Dabei hat Victor immerhin das Glück, mit ausreichend Charme, Eloquenz und körperlicher Attraktivität gesegnet zu sein, um anonyme Ficks in ausreichender Zahl aufreißen zu können. Seinem übergewichtigen Kumpel und Leidensgenossen Denny hingegen bleibt nur die zwanghafte Selbstbefriedigung, bis zu 10 mal am Tag.

Doch die Selbsthilfegruppe für Anonyme Sexsüchtige hilft auch nicht weiter, denn:

"Selbst die schlechteste Nummer mit dem Mund ist immer noch besser als, sagen wir, an der besten Rose zu riechen, den großartigsten Sonnenuntergang zu betrachten. Kinder lachen zu hören. Ich glaube, ich werde niemals ein Gedicht lesen, das so herrlich ist wie ein Orgasmus, der einem die Eingeweide rausschleudert. Bilder malen, Opern komponieren - so was macht man nur, bis man die nächste Nummer schiebt."

Was ich dem Film anlasten muss: Dieses vielleicht beste Zitat aus dem Buch kommt nicht vor. Überhaupt hat man das Gefühl, dass hier einiges in vorauseilendem Gehorsam vor der amerikanischen Sittenpolizei am Boden des Schneideraums liegen geblieben ist.

Trotzdem ist CHOKE - der Film (das Buch sowieso) eine höchst erfreuliche Angelegenheit. Gut, wer sich FIGHT CLUB 2 erwartet, dem ist eh nicht zu helfen. Dieses Jahrhundertwerk war ein singuläres Ereignis, das wohl nie wieder getoppt werden wird. Behaupte ich jetzt mal.

Der bislang lediglich als Schauspieler in Erscheinung getretene Regie-Debutant Clark Gregg holt aus dem klammen Budget von 3 Millionen Dollar (zum Vergleich: FIGHT CLUB hat das 20-fache gekostet) so viel raus, wie eben rauszuholen ist. Soll heißen: Die Erzählung springt aufgeregt durch Zeiten und Realitätsebenen, und die Off-Erzählerstimme trifft den satirischen Tonfall der Buchvorlage recht gut. Palahniuk hat ja auch einen sehr cinematographischen Schreibstil, der förmlich nach Verfilmungen schreit.

Fast hätte ich vergessen, die Schauspieler zu erwähnen: Sam Rockwell ist ziemlich gut als gefühlstoter, gelangweilter Sex-Maniac, der plötzlich echte Gefühle und einen Hauch von Hoffnung (call it love!) kennenlernt. Zuständig dafür ist Kelly MacDonald, die seit TRAINSPOTTING leider viel zu selten zu sehen ist. Und die verwirrte Mutter ist keine Geringere als Anjelica Huston.

Interessante Besetzung also in einem kleinen, ziemlich finsteren, aber auch ziemlich lustigen und stellenweise durchaus emotional mitreißenden Film. Knappe 8 von 10 entspannende Handjobs sind vertretbar.

Choke - Der Simulant Bild 1
Choke - Der Simulant Bild 2
Choke - Der Simulant Bild 3
Choke - Der Simulant Bild 4
Choke - Der Simulant Bild 5
Choke - Der Simulant Bild 6
Choke - Der Simulant Bild 7Sam Rockwell gets his rocks off
FAZIT:

Zwischen Sexsucht, Demenz und Erstickungsanfällen findet ein orientierungsloser, einsamer Antiheld die (flüchtige) Liebe. Nach dem Roman von "Fight Club"-Autor Chuck Palahniuk. Für Freunde leicht abseitiger, sexuell orientierter Unterhaltung durchaus ein kleines, dreckiges Vergnügen ;-)

WERTUNG: 8 von 10 Handentspannungen
OK? MEHR DAVON:
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Dein Kommentar >>
Federico | 10.02.2010 01:54
toller Film, leider, leider eine Spur zu kurz. Aber mitreissend, humorvoll, dramatisch, tiefsinnig -

habe Lullaby von Palahniuk gelesen, das hat mich nicht soooo vom Sockel gehauen, jedoch ist DIE KOLONIE, wo ich mich zurzeit durcharbeite sehr quälend und sehr, sehr gut. empfehlung
>> antworten
Nic | 10.01.2010 00:08
sehr geile unterhaltung, ein geheimtip.
>> antworten
toxic | 07.01.2010 03:56
Wow, kanns kaum erwarten den vor die Linsen zu kriegen.
Über Fight Club muss man keine Worte mehr verlieren, die Messen sind gelesen.
Aber das letzte (und einzige), was ich von Palahniuk gelesen habe, war Flug 2039 - tolle Bildsprache, aber meiner Meinung nach unverfilmbar. Ich hoffe irgendwann belehrt mich jemand eines Besseren. Warten wirs ab...
Harald | 07.01.2010 19:40
ja, Flug 2039 ist auch nicht von schlechten Eltern. Unverfilmbar würd ich nicht sagen. Verlangt aber nach einem dicken fetten Budget.
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