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Chucky - Die Mrderpuppe

Chucky - Die Mörderpuppe

OT: Child's Play
HORROR: USA, 1988
Regie: Tom Holland
Darsteller: Catherine Hicks, Chris Sarandon, Alex Vincent, Brad Dourif, Dinah Manoff

STORY:

Der kleine Andy bekommt eine Puppe zum Geburtstag geschenkt. Was allerdings niemand ahnt ist, dass die Seele eines Serienmörders in der Puppe haust und schon bald Blut sehen will ...

KRITIK:

Wer kennt das nicht aus seiner Kindheit – Besuche bei Verwandten oder Bekannten in grusligen urig eingerichteten Wohnzimmern. Und aus jeder Ecke starren noch grusligere Puppen – Clowns und Mädchen, Engel und was nicht noch alles – von Schränken und Kommoden auf einen runter. Das ist der Stoff aus dem Alpträume sind. Und dass diese nicht ganz unbegründet sind, haben bereits zahlreiche Filme gezeigt.

CHUCKY – DIE MÖRDERPUPPE ist einer von ihnen. Auch, wenn die Gefahr hier nicht von der Puppe per se ausgeht – obwohl auch die schon so verdammt unheimlich aussieht, wer schenkt sowas eigentlich kleinen Kindern? Aber gut, wenn ich da an die Clownpuppe aus POLTERGEIST denke… Leute schenken ihren Kindern komische Dinge. Nein, die Gefahr geht vom Geist des Würgers Chucky aus, der in sie gefahren ist. Spielt aber eigentlich keine große Rolle, denn Puppe ist Puppe. Und Puppen sind gruselig. Wie Clowns – KILLER KLOWNS FROM OUTER SPACE zum Beispiel.

CHILD’S PLAY ist trotz allem Grusel ein recht zweischneidiges Schwert. Zunächst einmal ist der Film für einen Slasher relativ blutarm, was bei weitem nichts Schlechtes sein muss. Auch der erste HALLOWEEN hatte relativ wenige Gewaltszenen, dafür aber jede Menge Spannung zu bieten. Spannung ist da auch das Zauberwort. Gruslig, so viel kann ich jetzt schon verraten, ist CHUCKY für einen Erwachsenen heutzutage eher weniger. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass viele Kinder die diesen Filmen in den glorreichen Videotheken-Tagen heimlich geguckt haben, danach Albträume hatten und jegliche Puppen- und Stofftier-Gesellschaft ablehnten. Heute heraus betrachtet, als erwachsener Mensch allerdings, ist das ganze zwar ein wenig unheimlich – eben weil Puppen das sowieso schon sind – aber so richtig was zum gruseln ist das nicht – da empfehle ich eher PARANORMAL ACTIVITY, da zieht’s mir echt die Schuhe aus vor Angst. Aber, wenn auch nicht gruslig, dann ist CHUCKY – DIE MÖRDERPUPPE doch verdammt spannend.

Das ist natürlich zum einen dem guten Drehbuch von Don Mancini, John Lafia und Tom Holland geschuldet, die nach einem Rumsbums-Start nebst heftiger Explosion dafür sorgen, es erstmal ruhig angehen zu lassen. Das Fiese an der ganzen Sache ist, dass der Zuschauer natürlich weiß, welches Spielzeug der kleine Andy – zu dem kommen wir noch – da geschenkt bekommen hat. Spannung wird nun zum einen durch die Frage erzeugt, wann Chucky zuschlagen wird und wie. Dass die Erwachsenen einem Kind, das behauptet mit seinem Spielzeug zu sprechen, nicht wirklich Glauben schenken, nutzt er zu seinem Vorteil aus und die Szene in der Karen Chucky auf die Schliche kommt ist eine der besten und unheimlichsten im ganzen Film.

Auch die Inszenierung trägt ihren Teil dazu bei und Tom Holland schafft es teilweise wirklich glänzend eine kleine Puppe die man rein prinzipiell einfach mal so wegtreten könnte durchaus bedrohlich wirken zu lassen. Vor allem die Kamerafahrten knapp über Bodenhöhe und das regelmäßige im Hintergrund Vorbeigehusche von Klein-Chucky erzeugen einiges an Atmosphäre. Diese wird jedoch nicht bis zum Schluss aufrechterhalten, auch wenn es bis zum großen Finale spannend bleibt. Denn CHUCKY ist eben, wie bereits erwähnt, ein recht ambivalenter Film. Denn gerade der große Klimax, der Kampf mit Chucky, ist zwar gut in Szene gesetzt und mitreißend inszeniert, aber die Tatsache, dass die Leutchen hier gegen ein Puppe kämpfen sorgt dann eben doch für einigen trashigen Charme. Völlig unbewusst, das geht eben nicht anders. Chuckys hier erwachender Hang zum lustig drauflosplappern tut da sein Übriges. So kommt es eben, dass 2/3 Drittel des Films ein durchaus auf Atmosphäre und Spannung setzender Horrorfilm sind, der letzte Akt jedoch eher solide Inszeniertes Spaßfest mit Slasher-Attitüde wie man sie z. B. aus späteren FREITAG DER 13.-Filmen kennt.

Erstaunlicherweise tut das dem Film jedoch keinen Abbruch, nein im Gegenteil, es peppt ihn sogar auf, vor allem da sich auch dieser Teil durch die gekonnte Inszenierung irgendwie ins Gesamtbild einfügt.

Was jedoch so gar nicht geht, ist leider eine der Hauptfiguren des Films – Andy. Ach du heilige Scheiße, dieser kleine nervige Wicht ist ja mal mit Abstand das nervigste Kind diesseits von Nilbog. Mit seiner mädchenhaften Fiepsstimme und seiner dämlichen Latzhose und… Ganz ehrlich, es ist ein Wunder, dass Chucky mit dem Morden nicht bei Andy angefangen hat, denn immerhin musste er fast rund um die Uhr mit dieser Nervensäge zusammen rumhängen. Wenn er nicht gedacht hätte, er sei unverwundbar, hätte er mit Sicherheit schon längst mit der Selbstverstümmelung angefangen, bevor er das erste Mal seinen kleinen Hammer in die Hand genommen hat.

Aber, nun gut, kommen wir zu etwas weniger nervigem, aber dafür umso skurrilerem – Catherine Hicks als Karen Barclay. Gewiss, mag das zu damaligen Zeiten anders gewirkt haben, aber heutzutage ist Hicks hauptsächlich mit einer Figur zu identifizieren – die Mutter aus EINE HIMMLISCHE FAMILIE. Sieht man den Film heutzutage, dann ist es einfach nur sonderbar, die gesittete Pastorenfrau vor einer Mörderpuppe wegrennen zu sehen. Interessanterweise spielt Hicks beide Figuren gar nicht so unterschiedlich. Im Endeffekt könnte es auch Annie Camden sein, die ihren Sohn Andy beschützen will – vor allem, da ich davon ausgehe, dass auch Annie durchaus mal um sich schlagen würde, wenn ihre Kinder in Gefahr sind.

Davon abgesehen, ist auch das übliche Schauspiel nicht von schlechten Eltern. Da es sich bei Chucky um eine große Studioproduktion handelt, hat man darauf verzichtet irgendwelche depperten Nasenbären einzusetzen – was wie wir wissen mit Fortschreiten einer Slasher-Reihe immer weiter konterkariert wird – sondern setzte auf Leute die durchaus was von ihrem Fach verstehen.

Von ihrem Fach verstanden auch die Effekte-Leutchen was, denn Chucky ist verdammt gut umgesetzt. Heutzutage, in Zeiten in denen alles mit dem Computer gelöst wird, bekommt man als Zuschauer häufiger viel Schlechteres vorgesetzt und das nicht nur von Billig-Filmern wie den Affen von The Asylum – also, ich hab mir vor kurzem erst ERASER auf Blu-ray angesehen und ich war richtig erschrocken, dass die lahmen Effekte wirklich von ILM stammen sollen. Zumal Chucky mit praktischen Effekten erschaffen wurde, was das Ganze erdet und es realistischer, greifbarer macht und dadurch eine kleine Schippe Grusel oben drauf packt.

In diesem Sinne: „This is nuts! And I have a VERY high tolerance for nuts.”

Chucky - Die Mörderpuppe Bild 1
Chucky - Die Mörderpuppe Bild 2
Chucky - Die Mörderpuppe Bild 3
Chucky - Die Mörderpuppe Bild 4
FAZIT:

Dass Chucky zu früheren Zeiten Angst und Schrecken in vielen, vielen Kinderzimmern verbreitet hat und für eine gehörige Portion Misstrauen gegen über Puppen und Stofftieren gesorgt hat ist verständlich und nachzuvollziehen. Aus heutiger Sicht – oder besser gesagt aus der Sicht eines Erwachsenen – ist CHUCKY jedoch weniger gruselig, dafür aber trotzdem spannend. Was während der gesamten Laufzeit bleibt ist das Gefühl, dass die Leute von einer winzigen Puppe gemetzelt werden, die sie eigentlich einfach wegtreten könnten. Das nimmt dem ganzen natürlich etwas der Unheimlichkeit. Dazu kommt noch, dass man als Zuschauer fast automatisch Partei für Chucky ergreift, denn man wünscht sich nichts sehnlicher, als dass Andy endlich seine Klappe hält und aufhört zu nerven.

Alles in allem ist CHUCKY – DIE MÖRDERPUPPE also ein recht gelungener Grusel-Slasher mit einem Killer dessen Potential noch bei weitem nicht ausgeschöpft ist, einer Hauptfigur die unglaublich nervt, Annie aus EINE HIMMLISCHE FAMILIE und Potential für Fortsetzungen – von denen es ja, wie wir heute wissen, einige gab.

WERTUNG: 6 von 10 nicht eingelegten Batterien.
Dein Kommentar >>
Andreas | 15.09.2014 08:57
Klassiker!
Harald | 15.09.2014 09:18
Yepp. Der eine Moment, wo die Mutter das Eigenleben der Puppe entdeckt, hat sich mir nachdrücklich in die Erinnerung eingebrannt.
toxic | 16.09.2014 13:26
Beste Szene des Films.
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