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Das Boot

Das Boot

KRIEGSFILM: D, 1981
Regie: Wolfgang Petersen
Darsteller: Herbert Grönemeyer, Jürgen Prochnow, Hubertus Bengsch, Martin Semmelrogge, Klaus Wennemann, Uwe Ochsenknecht u.v.m.

STORY:

Das U-Boot 96 läuft vom Hafen La Rochelle in den Atlantik aus, um dort feindliche Schiffe aufzuspüren und zu versenken. Das gestaltet sich als schwieriger als angenommen. Mit an Bord ist der Kriegsberichterstatter Leutnant Werner, der sich das erste mal in einem U-Boot zurechtfinden muss und aus dessen Sicht auch das Gros der Handlung geschildert wird. An Bord herrscht zusehens Langweile und Eintönigkeit, die meisten Tage vergehen, ohne dass irgendetwas passiert. Als man schließlich Handelsschiffe entdeckt, muss man sich mit englischen Zerstörern herumschlagen, die unerbittlich eine Wasserbombe nach der anderen schmeissen. Bei Gibraltar kommt es dann zum großen Showdown mit der britischen Marine, als das Schiff auf dem Weg zurück ins Mittelmeer auf eine undurchdringliche Übermacht aus gegnerischen Bewachern trifft.

KRITIK:

Mit Bedauern habe ich nun feststellen müssen, dass es zum Kultfilm DAS BOOT noch keine Kritik auf FILMTIPPS.AT gibt. Das musste ich natürlich gleich ändern und nutze diese Gelegenheit, auch weil dieses Jahr eine neue TV-Serie zu DAS BOOT, vom Wiener Regisseur Andreas Prochaska (DAS FINSTERE TAL) in Deutschland gedreht, erscheint. DAS BOOT gehört wohl zu den besten (Anti-)Kriegsfilmen, die je gedreht wurden, wenn nicht sogar der Beste. Und zweifellos auch zu den besten deutschen Filmen aller Zeiten.

Ich wage zu behaupten, dass wohl jeder, der sich mit der deutschen Film- und Serienlandschaft etwas beschäftigt hat, die meisten oder einige der Schauspieler kennt. Für zahlreiche Schauspieler war DAS BOOT das Sprungbrett für eine Karriere in Deutschland, für manche wie Jürgen Prochnow (DUNE- DER WÜSTENPLANET, BEVERLY HILLS COP II) sogar in Hollywood. Martin Semmelrogge (SCHINDLERS LISTE) blieb eine größere US-Karriere verwehrt, nahm jedoch in Deutschland an zahlreichen TV-Produktionen teil, und fiel zwischendurch immer wieder eher durch seine Knastkarriere auf. Herbert Grönemeyer ist wohl jedem ein Begriff, den meisten mit Sicherheit als Sänger, weit weniger wissen, dass er seine Karriere als Schauspieler begann, und dann leider (wie ich finde) diese nicht fortsetzte. Uwe Ochsenknecht, Claude-Oliver Rudolph (JAMES BOND: DIE WELT IST NICHT GENUG) und Jan Fedder (GROSSSTADTREVIER) legten ebenfalls namhafte Karrieren hin. In einer Mininebenrolle: Sky du Mont.

Ich kann hier nicht alle Namen nennen, das würde die Dimension des Textes sprengen. Ein Highlight ist natürlich die Musik von Klaus Doldinger (TATORT-Theme, DIE UNENDLICHE GESCHICHTE), der sowohl für die Titelmelodie als auch den größten Teils des Soundtracks verantwortlich war. Für Regisseur Wolfgang Petersen, der zuvor hauptsächlich TATORTe drehte, war der große Erfolg des Filmes die Fahrkarte nach Hollywood. Er durfte dann sogar Blockbuster-Actionfilme wie AIR FORCE ONE und TROJA drehen.

DAS BOOT ist ein Film der leisen Töne, die gut gemachten Actionszenen sind zwar ein Highlight, aber nicht der eigentliche Inhalt des Filmes. Vielmehr kommt es auf die Besatzung an, ihren täglichen Umgang an Bord, bei dem meist nur wenig Raum für die Soldaten zur Verfügung ist. Und das Geräusch, als ein Zerstörer immer wieder näher kommt, um dann Sekunden später wieder ganz zu verschwinden. Auch, dass so gut wie keine der Figuren, von denen einige reale Vorbilder haben, außer Leutnant Werner mit dem Namen angesprochen wird, gibt dem Ganzen eine anonyme Wirkung, in der es nicht um das Individuum an sich geht, sondern das Schicksal der gesamten Besatzung. Im Film ist es dann auch nur die Mannschaft des U-Bootes 96, die dargestellt wird, die Gegner gibt es eigentlich nur in Form von Schiffen zu sehen.

Von DAS BOOT gibt es mehrere Fassungen, eine Kinofassung mit 149 Minuten, eine 6-teilige TV-Fassung mit 312 Minuten und 1997 kam noch ein Director´s Cut mit 208 Minuten raus. Wer als Cineast etwas auf sich hält, kommt zumindest um die Kinofassung nicht herum. Ich selbst kann natürlich nur die TV-Fassung empfehlen, wer ein paar wirklich intensive Stunden erleben will.

Als früherer "Technojünger" der 90er-Generation muss ich natürlich noch die erfolgreiche Technoversion des Main Theme von DAS BOOT unter gleichem Namen ansprechen, die zehn Jahre nach der Kinopremiere vom Mitbegründer der Technoszene U96 alias Alex Christensen veröffentlicht wurde und dem Film einen neuen Bekanntheitsschub bei der nächsten Generation bescherte.

Leider kann ich diesem herausragenden Werk nur 10 Punkte geben, wären 12 oder 15 Punkte maximal möglich, ich würde sie vergeben. Kaum einen anderen Film habe ich so oft gesehen, kaum woanders habe ich so mit der Besatzung bis zum bitteren Ende mitgelitten, kaum einen anderen Soundtrack habe ich dermaßen oft gehört. Dieser Film gehört zweifelsohne in meine Top 5 der besten Filme aller Zeiten.

Das Boot Bild 1
Das Boot Bild 2
Das Boot Bild 3
Das Boot Bild 4
Das Boot Bild 5
Das Boot Bild 6
Das Boot Bild 7
FAZIT:

DAS BOOT ist beklemmend, intensiv, unbarmherzig und zerstörerisch, in wenigen Filmen wird der Alptraum des Krieges so realistisch dargestellt. Ein zeitloses Werk, das auch heute noch seine Wirkung nicht verfehlt. Besonders das Ende läßt den Zuschauer mit offenem Mund und ratlos zurück. Ein Film, der in keiner guten Heimvideothek fehlen darf!

WERTUNG: 10 von 10 Feindfahrten auf dem Atlantik
Gastreview von Dominik Schreiter
Dein Kommentar >>
dok | 18.07.2018 05:57
ja , den würd ich mir auch gerne mal wieder geben . wie wär's mit ein paar worten zu den verschiedenen fassungen ? ich meine, warum wird dem "cineasten" gerade die kürzere Kinofassung empfohlen ? sind die langfassungen weniger gelungen , oder hat sie der autor nur nicht gesehen ?
Dominik | 18.07.2018 10:40
Okay das ist jetzt eine Verständnisfrage. Ich habe es wohl auch etwas undeutlich formuliert, mit kommt um die Kinofassung nicht herum meinte ich, dass diese Version das Minimum ist. Man darf natürlich, wenn man will, zur längeren Version greifen. Zugegeben es ist eine ganze Weile her seit ich die TV-Fassung gesehen habe, und ich kann jetzt auch nicht alle Szenen aufzählen, die dort dazukommen, die meisten Szenen beschreiben die Stimmung an Bord, was für manchen Zuschauer durchaus Längen sind. Die Kinoversion ist in sich etwas straffer erzählt durch die kürzere Laufzeit.
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Johannes | 16.07.2018 11:52
In der Tat ein großer Film des BRD-Kinos!
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