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Das Geheimnis der Geisha

Das Geheimnis der Geisha

OT: Inju, la bête dans l´ombre
THRILLER: FRANKREICH, 2008
Regie: Barbet Schroeder
Darsteller: Benoît Magimel, Lika Minamoto, Ryo Ishibashi

STORY:

Der neue Roman des französischen Krimiautors Fayed wird auch in Japan zum Bestseller. Als er sein Werk in Kyoto promotet, macht er unangenehme Bekanntschaft mit dem japanischen Schriftsteller Shundei Oe. Oe, den noch kein Mensch zu Gesicht bekommen hat und dessen Bücher von außergewöhnlicher Bösartigkeit sind, scheint auch im normalen Leben ein Psychopath vor dem Herrn zu sein. Und sein erfolgreicher französischer Konkurrent ist ihm ein Dorn im Auge…-

KRITIK:

Barbet Schroeder, der als Sohn eines Schweizers und einer Deutschen in Teheran geborene Filmemacher, der uns neben der beliebten Bukowski-Verfilmung BARFLY mit WEIBLICH, LEDIG, JUNG SUCHT… zumindest einen feinen Psychothriller kredenzt hat, verfilmt einen Roman von Edgawo Rampo.

Ein Ergebnis, auf das man gespannt sein darf; denn schließlich hat der in unseren Breitengraden eher weniger bekannte, doch in seiner japanischen Heimat als Horrorkönig gefeierte Schriftsteller posthum einige Vorlagen für abseitige Filme geliefert. Doch in der Vergangenheit waren Verfilmungen von Rampo-Werken (wie HORRORS OF MALFORMED MEN, BLIND BEAST oder THE WATCHER IN THE ATTIC) eher Jobs für asiatische Sexploitationregisseure.

Nun also wagt sich Schroeder in dieser französisch-japanischen Co-Produktion an den Fundus des guten, alten Edagawo ran. Sicher, masochistische, superheiße Geishas und ein bisschen Fesselsex dürfen nicht fehlen und kein Rampo ohne obligatorische "Spanner auf dem Dachboden"-Szene. Soweit so gut. Der Sex beim GEHEIMNIS DER GEISHA fällt aber nicht allzu sehr aus dem Rahmen, obgleich ein bisschen knisternde S/M-Erotik durchaus am Start ist.

DAS GEHEIMNIS DER GEISHA setzt sich aber in erster Linie aus klassischem Thriller-Katz- und Maus zusammen, das in kleinen, mehr oder weniger subtilen Psycho- und Manipulationskriegen ausgefochten wird, wobei die Rolle der Maus dem ausländischen, naiven Schriftsteller aus Frankreich zufällt und die Katze in diesem Film ein dämonischer Schriftsteller ist, der sowohl als großer Unbekannter als auch genialer Psychopath und unheimlicher Stalker in Erscheinung tritt.

Der Filmeinstieg ist blutig und klasse. Und die erste Begegnung zwischen Fayed und Oe bei einem TV-Interview - wo letzterer sich mit einem live zugeschalteten Drohanruf eindrucksvoll zu Wort meldet- verheißt Unheilvolles. Aber auch wenn eine düstere Stimmung aufgebaut und die Bedrohung stets wie ein Damoklesschwert über den Protagonisten zu schweben scheint, hat der Zuschauer am Ende das Gefühl, dass der Film irgendetwas schuldig geblieben ist.

Was? Nun, ein paar perfide Highlights mehr hätten aus einer solch bösen Grundidee sicherlich noch herausgekitzelt werden können. Eines, was geboten wird, ist ein hundsgemein arrangierter Schluss. Nur leider verpufft das finale Knallbonbon unter Umständen, weil Schroeder sich zu Beginn des letzten Drittels einen Szenenlapsus erlaubt, der dem aufmerksamen Zuschauer die Auflösung fast schon unter die Nase reibt. In meinen Augen ein völlig unnötiges dramaturgisches Eigentor.

Dennoch punktet der Film mit feiner Fotografie, düsterem Style und einer guten Besetzung. Als da wären Benoît Magimel (DIE PURPURNEN FLÜSSE 2, DAS TÖDLICHE WESPENNEST), die charismatische Newcomerin Lika Minamoto und Ryo Ishibashi (AUDITION, SUICIDE CIRCLE).

Das Geheimnis der Geisha Bild 1
Das Geheimnis der Geisha Bild 2
Das Geheimnis der Geisha Bild 3
Das Geheimnis der Geisha Bild 4
Das Geheimnis der Geisha Bild 5
Das Geheimnis der Geisha Bild 6
FAZIT:

Barbet Schroeder (BARFLY, MORD NACH PLAN) verfilmt eine Geschichte von Edogawa Rampo (BLIND BEAST, HORRORS OF MALFORMED MEN). Im Ergebnis ein sylischer und düsterer Psychothriller, der nach einem furiosen Beginn ruhiger verläuft als erwartet, aber dafür in ein ausgesucht fieses Ende mündet und obendrein mit ein bisschen Fesselsex aufwartet. Doch irgendwie ist DAS GEHEIMNIS DER GEISHA oft mehr Bellen als Beißen. Aber okay; auch bellende Hunde können einem manchmal ein ungutes Gefühl bereiten, nicht wahr? Und eines hat DAS GEHEIMNIS DER GEISHA ganz sicher: In der stets aus dem Dunkeln agierenden gesichtslosen Gestalt des dämonischen Bestsellerautors Shundei Oe einen absolut faszinierenden Bösewicht, den man gerne wieder sehen würde und der dem GEHEIMNIS DER GEISHA sehr knappe 7 Punkte rettet...

WERTUNG: 7 von 10 live ins TV-Studio geschaltete Drohanrufe
TEXT © Christian Ade
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