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Das Kommando der Frauen

Das Kommando der Frauen

OT: The Doll Squad
TRASH: USA, 1973
Regie: Ted V. Mikels
Darsteller: Michael Ansara, Francine York, Anthony Eisley, John Carter

STORY:

Nachdem der Raketenstart einer Raummission sabotiert wurde, wendet sich das CIA - oder so ähnlich - an das Mädchendezernat. Eine knallharte Truppe von fesch zurechtgemachten Agentinnen soll den Drahtzieher dingfest machen, denn der erpresst nicht nur einen Senator, sondern will auch noch nichts Geringeres als die Weltherrschaft - und die lassen sich die USA bekanntermaßen nicht so gerne streitig machen.

KRITIK:

Ted V. Mikels. Dieser Name steht für Qualität. Selbstverfreilich nicht im ursprünglichen Sinne des Wortes. Auch nicht nach etwaigen Definitionen durch das unkritische Publikum hollywoodscher Massenware.

Läst man diese Definitionen jedoch außen vor, dann steht der Name Ted V. Mikels für Qualität, für qualitativ hochwertigen Müll - Trash eben. Und diesem Grundsatz zeitlebens treu, kurbelte Mikels während seiner langen Karriere etliche Filmchen herunter und versuchte sich - ähnlich dem typischen 70er Italo-Schmodderant - an so ziemlich jedem Genre, das man auf seine grundlegenden Eigenschaften reduziert und mit Titten aufgepeppt, gewinnbringend ausschlachten kann.
So entstanden denn auch solche Klassiker wie 10 Violent Women oder Blood Orgy of the She-Devils - und eben das nun vorliegende Werk, die - laut cmv - Originalvorlage von 3 Engel für Charlie, Das Kommando der Frauen.

Dass The Doll Squad nun wirklich die Vorlage zu Charlies Engeltruppe ist, gilt es zwar ernsthaft zu bezweifeln, eins ist jedoch auf jeden Fall klar, Mikels Agentenklitsche ist um einiges unterhaltsamer - egal ob man nun die TV-Serie oder die Neuinszenierung des Stoffs für die große Leinwand mit Drew Barrymore, Cameron Diaz und Lucy Liu zum Vergleich heranzieht.

Die Ernsthaftigkeit, die doch stets von einem Augenzwinkern begleitet wird, mit der er an jedes seiner Werke geht, wohl wissend, dass weder die dürftige Handlung noch die Antischauspieler - die hauptsächlich in engen Klamotten gut aussehen müssen - auch nur ein Quäntchen Ernst im Endprodukt zurücklassen werden, ist einfach köstlich.

Die 08/15-Handlung durch die sich unsere unerschrockene Truppe hochtoupierter und stöckelbeschuhter Superagentinnen schießt, tritt und schminkt kommt einem zwar von drölfzig x-beliebigen 60er/70er Spion-Klamotten bekannt vor, tarnt sich jedoch mit zahlreichen Logiklöchern und nicht nachvollziehbaren Wendungen geschickt als nicht vorhanden. Man fragt sich ohnehin mehr als einmal, wie viele Takes nötig waren um die eine oder andere Szene lachfrei in den Kasten zu bekommen.

Aber ganz ehrlich, wen interessieren schon eine plausible Handlung oder gar richtige Dialoge, wenn der Film durch gigantische Spezial-Effekte - oder wahlweise reichlich stoffbefreite Brüste - glänzt? Richtig keinen, wie Hollywood unzählige Male pro Kinojahr beweist.

Und was Effekte und Ausstattung betrifft, so hat es sich Teddy nicht nehmen lassen, wohl einen Grossteil des Budgets zum einen für aufwendiges Agenten-Equipment, wie teure Super-Computer - deren Scanner verdächtig nach Frankiermaschinen aussehen - oder Lippenstiftmikros oder Schnapsbomben die erst im Körper explodieren - wirklich! -, auszugeben.

Zum anderen darf man so Handflammenwerfer und die schönsten und aufwendigsten Muzzle Flashs und Explosionen seit Bad Taste bewundern. Obwohl, Unrecht will ich Mikels an dieser Stelle dann auch nicht tun, denn wenn man bedenkt mit welch niedrigem Budget der gute Mann auskommen musste, ist das Ganze immerhin recht kreativ gelöst worden.

Daneben gibt es dann noch die wohl spaßigste Sterbeszene aller Zeiten - und das will im B-Kino schon was heißen - sowie Sam Peckinpah’sche Schießereien, deren elegante Todesspiralen so manchen Spaghetti-Western blass aussehen lassen.

Das Tempo das die spaßige Talentbefreiung der Beteiligten aufkommen lässt, kann Mikels denn auch glücklicherweise durchwegs halten. Fast ein bisschen langweilig wird’s dann nur kurz gegen Ende, wenn tatsächlich und ernsthaftig versucht wird, den Charakteren weiter Tiefe zu verleihen. Doch den Trashfilm-Göttern sei’s gedankt, denn die Szene ist schnell ausgestanden und löst sich in trauten Schwachsinn auf.

Inszenatorisch ist Das Kommando der Frauen erstaunlicherweise auf gar keinem schlechten Niveau. Sicher, die Kamera wackelt und schwingt und auch der Fokus wird hier und da mal dezent ignoriert, doch hin und wieder lassen sich doch interessante Einstellung erblicken, während Mikels die Zügel stramm und das Geschehen - wie einen Absatz zuvor bereits erwähnt - temporeich hält.

Lediglich seine alte Angewohnheit, Nachtszenen mit nichts als dem Mondlicht zu beleuchten - das sorgt wohl für Realismus -, oder tagsüber gedrehtes Material, nachgedunkelt als Nachtszenen zu verkaufen - man darf ja den Surrealismus nicht vergessen -, ist ein wenig nervig, da man so viel erkennt wie’n Blinder auf ’nem Stadtplan.

Die Knallchargen - Verzeihung... Schauspieler - geben denn auch alle ihr Bestes, was nicht nur äußerst traurig ist, sondern im Schultheater nicht mal zu einem Engagement als Baum oder Wolke geführt hätte.

Das Kommando der Frauen ist, wie sollte es anders sein, von cmv im Rahmen der Trash Collection auf Silberlinge gepresst worden.
Die enthalten den Film in einer 16:9- und 4:3-Fassung in Deutsch und Englisch sowie einen unterhaltsamen Audiokommentar vom spitzbärtigen Meister höchstselbst - unbedingt mal reinhören!

Das Kommando der Frauen Bild 1
Das Kommando der Frauen Bild 2
Das Kommando der Frauen Bild 3
Das Kommando der Frauen Bild 4
Das Kommando der Frauen Bild 5
Das Kommando der Frauen Bild 6
FAZIT:

Ted V. Mikels macht Trash mit Leib und Seele, auch wenn er es hin und wieder dem Anschein nach gar nicht wahrhaben möchte. Der Ernst mit dem alle Beteiligten - allen voran natürlich die werten Damen der "Doll Squad" - zu Werke gehen, ist so unglaublich, dass man gar nicht umhin kommt mit Dauergrinsen vorm Flimmerkasten zu sitzen.

Die Agententruppe vom Kommando der Frauen macht einfach Spaß und das nicht erst ab 1 Promille aufwärts.
Sieht man also einmal von Mikels Unfähigkeit ab, eine Nachtszene ordentlich auszuleuchten, bekommt man einen durchwegs unterhaltsamen Agenen-Thriller geboten - frei von Seriosität und Spannung natürlich, dafür aber unglaublich dämlich und daher ebenso spaßig.
Einen echten Mikels also.

In diesem Sinne: "Senator, Sex und Sicherheit passen nicht zusammen!"

WERTUNG: 8 von 10 aufmüpfigen Untertanen.
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