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Das Schwein von Gaza

Das Schwein von Gaza

OT: When Pigs Have Wings
SATIRE: FR, DE, BE, 2011
Regie: Sylvain Estibal
Darsteller: Sasson Gabai, Baya Belal, Myriam Tekaïa, Gassan Abbas

STORY:

Palästinischer Fischer findet ein Schwein in seinem Fangnetz. Da diese als unrein gelten und sich der Fang nicht so einfach aus der Welt schaffen lässt hat er plötzlich sauviele Probleme...

KRITIK:

Eine Komödie über den Nahost-Konflikt? Mit einem Schwein im Schafspelz? Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen, schließlich will man als Filmemacher ja auch niemanden auf die Zehen treten. Und auch nicht allzu albern wirken.

Wer sich eine politisch unkorrekte, bitterböse Satire erwartet, dürfte mit dem Schwein aus Gaza wenig Freude haben. Entpuppt sich der Film doch als überraschend handzahm. Doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen, denn das Schwein von Gaza erweist sich am Ende dann doch als mehr als nur eine gefällige Komödie, die sich um die Absurditäten des Lebens am Gazastreifen dreht.

Dabei fängt doch alles so harmlos an. Jafaar (Sasson Gabay, laut IMDB Sasson Gabai) hat wenig Glück beim Fischen. Neben einer Unmenge alter Schuhe und sonstigen Müll haben sich nur wenige Fische in seinem Netz verfangen. Und diese sind auch noch viel zu klein. Kaufen will seinen Fang auch niemand. Doch seiner Frau kann er das auch nicht sagen. Also windet er sich zu Hause raus, erzählt etwas von einem akzeptablen Fang und tischt seiner Gattin ein Märchen auf. Abkaufen tut ihm diese das freilich nicht.

Dabei ist Jafaar im Grunde ja ein netter Kerl. Er hat nur irgendwie einfach Pech gehabt. Und rutscht durch die Sache mit dem Schwein in etwas rein, das er sich wohl in seinen wildesten Träumen nicht hätte vorstellen können. Und das zumindest für den Zuseher lustig mitzuverfolgen ist.

So gut wie alle bekommen im Schwein von Gaza ihr Fett weg. Vom überforderten UN-Beamten bis hin zu den großen Reden schwingenden Terroristen. Der Humor bleibt dabei stets über der Gürtellinie. Am ehesten könnte man "Das Schwein von Gaza" ja noch als warmherzige Tragi-Komödie, deren Humor sich aber auch oft aus Übertreibung und Zuspitzung generiert, beschreiben.

Aber erst gegen Ende gelingt es dem Film dem Zuseher auch wirklich die Absurdität des Ganzen vor Augen zu führen. Bis dahin muss man sich mit einer unterhaltsamen Komödie zufrieden geben. Sicher, die Witze sind manchmal schon etwas abgeschmackt und klischeehaft, aber sie werden so charmant präsentiert, dass man gerne darüber hinwegsieht.

Am meisten profitiert der Film mit Sicherheit von Hauptarsteller Sasson Gabay. Dieser spielt den bauernschlauen Fischer so anrührend und charmant zugleich, dass man ihn als Zuseher einfach gern haben muss. Außerdem schafft er es mit seiner Mimik und seinen Blicken die Zuseher zum Lachen zu bringen. Man nimmt ihn den vom Schicksal gebeutelten und doch immer wieder einen Ausweg findenden Fischer in jeder Sekunde ab.

Dem Film muss man auch noch zugutehalten, dass er sich nie über seine Figuren lustig macht. Regisseur Sylvain Estibal liegt die Thematik nun mal wirklich am Herzen. Und sein Film zeigt vor allem Menschen, die oftmals nicht freiwillig in den Grabenkrieg zwischen Palästinensern und Israelis geraten. Die jungen Männer die ihren Militärdienst nun mal ableisten müssen, die jungen Burschen die oftmals naiv irgendwelchen Ideologien und Kampfbotschaften nachlaufen und auch die Menschen, die eigentlich keinen Krieg oder sonst was wollen, die einfach nur ihren Geschäfte nachgehen möchten.

Und weil Estibal die Thematik am Herzen liegt, kommt seine Botschaft mitunter etwas plakativ rüber. Frei nach dem Motto: Seht her. Wir sind alle gleich und gucken sogar dieselben Telenovelas.

Interessierte, die den Film im Kino verpasst haben, können auch gerne zur DVD von Alamode greifen. Diese bietet neben dem Film (auf Wunsch auch in der Arabisch, Hebräisch - Englischen Tonspur) noch ein kleines Making-Of und hat zudem ein Musikvideo draufgepackt. Schön wäre vl auch noch ein Interview mit dem Regisseur gewesen, aber immerhin lassen sich Audiokommentare mit Sylvain Estibal und Myriam Tekaïa einschalten. 

Das Schwein von Gaza Bild 1
Das Schwein von Gaza Bild 2
Das Schwein von Gaza Bild 3
Das Schwein von Gaza Bild 4
Das Schwein von Gaza Bild 5
Das Schwein von Gaza Bild 6
Das Schwein von Gaza Bild 7
FAZIT:

Warmherzige Komödie, die sich mit dem Nahost-Konflikt auseinandersetzt und der Thematik einige durchaus absurde Momente und Einblicke abgewinnen kann. Als bitterböse Satire geht der Film wohl kaum durch, dafür ist er vor allem Anfangs viel zu nett, aber dafür entschädigt ein hinreißender Sasson Gabay, der sich zudem von seiner komischen Seite zeigen darf.

WERTUNG: 7 von 10 Parfümfläschchen voll Schweinesperma
TEXT © Gerti
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