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Das Tier II

Das Tier II

OT: Howling II: Stirba- Werewolf Bitch
HORROR: GB, USA, 1985
Regie: Philippe Mora
Darsteller: Christopher Lee, Annie McEnroe, Reb Brown, Sybil Danning

STORY:

Karen White, die Reporterin aus dem ersten Teil, ist tot. Auf ihrer Beerdigung informiert der "okkulte Ermittler" Stefan Crosscoe Karens hinterbliebenen Bruder Ben und die Reporterin Jenny darüber, dass Karen einem Werwolf zum Opfer gefallen ist. Um die unsterbliche Seele der Verstorbenen zu retten, müssten sie nach Transylvanien reisen und dort die laszive wie tödliche Werwolfkönigin Stirba unschädlich machen. Das Trio macht sich auf den Weg und wird in den dunklen Wäldern Siebenbürgens von Stirbas pelzigen Horden gebührend empfangen...

KRITIK:

Hierzulande wurde das Sequel zu Joe Dantes Lykanthropen-Klassiker etwas saft- und phantasielos lediglich DAS TIER II genannt. Im Originaltitel wurde der zwote HOWLING mit dem unvergleichlich charmanten Zusatz STIRBA - WEREWOLF BITCH geadelt. Wäre ich ein Mädchen, so wäre das ohne Frage mein Internet-Nickname.

Lange Zeit galt HOWLING II (Imdb-Punkteschnitt: 3,0) in manchen Kreisen als das "schlechteste Sequel" ever. Doch dann haben die Menschen DER EXORZIST 2 - DER KETZER gesehen.

Zumindest die Freunde des gepflegten (und in diesem Fall -Sir Christopher Lee! Her Sybilness Danning! - durchaus prominent besetzten) Horrortrash werden wahrscheinlich schon ahnen, dass in einem Film mit solch edlem Beinamen wie dem eingangs Erwähnten unter Umständen dennoch eine gerüttelt unterhaltsame Portion Sex, Gewalt und gute Laune stecken könnte. Und wahrlich! Sie sollten sich nicht nicht geirrt haben...

Eines muss allerdings klar sein: Mit dem grandiosen Erstling hat der Zweite nicht mehr viel zu tun. Teil 1, obgleich im Fandom ebenfalls nicht unumstritten und oft unterschätzt, zählt in meinen Augen zu den allerbesten Werwolffilmen überhaupt. Mit DAS TIER hat Joe Dante nämlich einen gleichermaßen intelligenten, ironischen wie spannenden Wolfshorrorklassiker geschaffen, der zur Rechten des Königs sitzt, der da immer noch AMERICAN WEREWOLF heißt. Das Sequel mit seinem nach allen Regeln der Kunst zelebrierten Schundhorror fällt da schon eher in die Kategorie "Trashfest".

In diese Richtung deuten unmißverständlich die billigen, doch herrlich kruden Spezial- und Splattereffekte. Und vor allem die haarigen wie haarsträubenden (Werwolf-)Sex und Orgienszenen, die an Albernheit kaum zu überbieten sind und sogar einen weiblichen Vulkan wie Sybil Danning ganz ungeniert der unfreiwilligen Komik preisgeben. Dann sind da noch die restlichen, aus der Zweit- und Drittklassigkeit rekrutierten Darsteller und mittendrin die graue Eminenz Christopher Lee, die hier stets und ständig irgendwie peinlich berührt wirkt. Zuguterletzt haben wir eine waschechte Groschenroman-Story, die sich mal eben erlaubt, die eigentliche Hauptprämisse -das weitere Schicksal der aus dem ersten Teil bekannten Reporterin Karen White- auf halber Strecke fallenzulassen und kein weiteres Wort darüber zu verlieren.

Man kann diesem von Phillipe Mora inszenierten Film sicherlich vieles vorwerfen; nur eines nicht: Langweilig ist DAS TIER II nicht.

Im Gegenteil: Im Transsilvanien der Queen Wolf Stirba ist immer was los. Die Werwölfe sind stets auf Beutejagd, ihre menschlichen Jäger haben immer einen Finger am Abzug oder die Silberklingen stoßbereit. Und wenn sich mal gerade keine Gelegenheit für ein blutiges Scharmützel ergibt, lässt Mora seine Lack- und Leder-Werwölfe eben zur Orgie antreten. Oder aber er überrascht mit einer eigenwilligen wie ungewöhnlichen Schnitt- und Rückblendentechnik, die sich als nicht uninteressantes Stilmittel durch den ganzen Film zieht. Hin und wieder gibt es sogar äußerst lässige Kameraperspektiven zu bestaunen wie etwa bei der mit wunderschön gotischen Bildern ausstaffierten Vorspannsequenz oder jene bei Karens Beerdigung, wo wir kurzfristig das Geschehen aus dem Sarg heraus verfolgen können.

Wenn man es also schafft, die Forsetzung losgelöst von ihrem sehr viel stilvolleren Vorgänger zu betrachten und die omnipräsente unfreiwillige Komik mit Humor zu nehmen, dann wird die WEREWOLF BITCH auch dich im Sturm erobern.

Irgendwie - ich weiß nur noch nicht genau wie- hat Mora das Kunststück fertigebracht, ungewollt komische Werwölfe in Lack und Leder, eine ganzen Palette an kruden, billigen Splatterszenen sowie eine lebende, aber hier ziemlich ratlose Schauspielerlegende zu einem äußerst unterhaltsamen wie kurzweiligen Schlocker zu verbinden, der wie ein bildgewordener Schundroman daherkommt.

Überhaupt: Sybil Danning in Leather, mit üppig-fester Amazonenbrust und Ganzkörperbär... - In der Tat hätte man keine passendere Werewolf Bitch finden können...

Wirklich ernstzunehmen ist das abstruse Spektakel zu keiner Sekunde; einen Höllenspaß macht es trotzdem. Welches Auge bleibt schon trocken, wenn der altehrwürdige Christopher Lee kurz vor der finalen Schlacht mit Stirbas Lykanthropenhorde einem Mitstreiter das Waffenarsenal mit bierernster Stimme erläutert: "Chrisam, das geweihte Öl. Wachs von heiligen Kerzen, um unser Gehör zu schützen..." (An dieser Stelle erlag der Verfasser dieser Zeilen einem heftigen Lachanfall, weil er es zuvor versäumte, sein Zwerchfell mit prophylaktischem Melissengeist zu salben oder vorbeugend einen kräftigen Schluck Branntwein vom Heiligen Franz einzunehmen...Der Notarzt wurde aber schon verständigt.)

Das Tier II Bild 1
Das Tier II Bild 2
Das Tier II Bild 3
Das Tier II Bild 4
FAZIT:

Christopher Lee fremdschämt sich noch heute für diesen Film, der einst als eines der schlechtesten Sequels aller Zeiten galt; heute jedoch im Ruf eines chaotisch-virtuos inszenierten Schundhorrorfilms steht. Der Splatter ist blutig, krude und billig, die Werwolf-Sexszenen so haarig wie lachhaft, die Geschichte absurd wie ein Groschenroman aus den Siebzigern. Und doch macht HOWLING II: STIRBA - WEREWOLF BITCH so Laune wie sein Titelzusatz. Ein peinlich berührter Christopher Lee als "okkulter Ermittler" und Sybil Danning als Werwolfkönigin in Lack und Leder, die beim Flotten (Wolfs-)Dreier albern die Schlafzimmerdecke anheult - so bad, so good, so sechskommasechsundsechzig...

WERTUNG: 6 von 10 Orgies in Furs
TEXT © Christian Ade
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