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Das ganze Leben liegt vor Dir

Das ganze Leben liegt vor Dir

OT: Tutta la vita davanti
KOMÖDIE: Italien, 2008
Regie: Paolo Virzì
Darsteller: Isabella Ragonese, Micaela Ramazzotti, Elio Germano, Massimo Ghini

STORY:

Sie haben grade das Philosophiestudium mit summa cum laude abgeschlossen? Und verfügen über keinerlei Beziehungen zu Verlagen oder zum Fernsehen? Na dann steht einer vielversprechenden Karriere doch nichts mehr im Weg. Während Sie vormittags das Privileg genießen telefonisch mit neuen Leuten in Kontakt zu kommen und helfen das Leben von Hausfrauen dank modernster Wundertechnik zu verbessern, können Sie ja nachmittags den Nachwuchs ihrer WG-Mitbewohnerin Platon näherbringen.

So wie Marta, die nach einigen frustrierenden Absagen eine Stelle in einem Callcenter annimmt und sich unverhofft zu einem wahren Verkaufstalent mausert. Damit zieht sie mehr als nur den Neid ihrer Kolleginnen auf sich...

KRITIK:

Dass der Film anfangs leicht an "Die zauberhafte Welt der Amelie" erinnert, ist wahrscheinlich gewollt. Und wenn dann auch noch die Menschen auf der Straße zu tanzen beginnen, ist die Verwirrung wohl perfekt. Aber so sind sie wohl die Italiener. Immer um eine bella figura bemüht. Und für einen, nennen wir es einmal, interessanten Filmbeitrag gut.

Trotz der brisanten und überaus aktuellen Thematik wartet der Film mit einer ungewohnten Leichtigkeit auf. Zudem sind manche (Neben)-Figuren wandelnde Klischees und so überdreht, dass man sie kaum noch ernst nehmen kann. Das ist zwar streckenweise ganz amüsant, aber kann nicht wirklich darüber hinwegtäuschen, dass der Film eigentlich, zumindest was die Fakten betrifft, wenig Neues zeigt.

Die Arbeit im Callcenter ist mies und schlecht bezahlt? Das ist dank Aufklärungsjournalismus doch nichts Neues mehr. Das Zeug, das einem via Telefon (oder Teleshopping) angedreht wird ist billiger Müll? Wer hätte das gedacht. Und dass man in Zeiten des Turbokapitalismus, in denen der Mensch oftmals nur mal als Kostenfaktor und Betriebsmittel angesehen wird, mit einen Philosophie-Studium keinen leichten Stand hat, dürfte den abgeklärten Menschen von heute auch nicht mehr überraschen. Schließlich warnen heutzutage ja sogar schon Lehrer vor den sogenannten Orchideenstudien.

Dennoch ist "Das ganze Leben liegt vor dir" streckenweise doch ganz schön harter Tobak. Ein Film ist nun mal immer etwas anderes als wenn man nur harte Fakten vor sich hat. Schließlich werden in einem Film ja (fiktive) Schicksale und keine Zahlen präsentiert. Und es macht schon einen Unterschied dass man z.B sieht, wie Partnerschaften in die Brüche gehen, weil der Partner nur im Ausland Jobperspektiven sieht. Oder wie junge alleinerziehende Mütter versuchen mit schlecht bezahlten Jobs ihr Leben irgendwie in den Griff zu kriegen. Und auch das Fernsehen (Stichwort Big Brother) bekommt sein Fett weg.

Obwohl "Das ganze Leben liegt vor dir" in einem heiteren, fast schon märchenhaften Grundton erzählt wird, ist die Geschichte die der Film erzählt, eigentlich eine ziemlich düstere. Aber so ist sie nun mal die schöne neue Arbeitswelt, mit ihren flexiblen Arbeitsverträgen, der ständigen Gefahr den Job zu verlieren wenn man nicht spurt oder sein Soll nicht erfüllt.

Die Art der Inszenierung dürfte den einen oder anderen anfangs vielleicht vor dem Kopf stossen. Vor allem wenn man eher schwermütige Werke gewohnt ist. Der Film ist manchmal beißende überdrehte Kapitalismus-Satire, dann wieder ein melancholisches Coming-Of-Age Drama, vermischt das Ganze mit Musicalelementen und zeigt den Zickenkrieg im Callcenter.

Außerdem zeigt der Film, wie sehr einem die Arbeitswelt kaputt machen kann. Und wie wenig einem eine Karriere oftmals bringt. Immer wieder greift der Film aber auch in Wunden, die wehtun. Selbst die Gewerkschaften kriegen ihr Fett weg.

Das ist ganz schön viel für einen einzigen Film. Es besteht natürlich immer die Gefahr sich zu übernehmen. Und auch bei "Das ganze Leben liegt vor dir" zeigt sich das vor allem gegen Schluss, wenn der Film droht auseinanderzubrechen, ganz deutlich. Zusammengehalten wird der Film vor allem von Hauptdarstellerin Isabella Ragonese die als Marta einfach nur wundervoll ist. Sie ist nicht nur schön anzusehen sondern spielt auch vorzüglich.

Das ganze Leben liegt vor Dir Bild 1
Das ganze Leben liegt vor Dir Bild 2
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Das ganze Leben liegt vor Dir Bild 6
FAZIT:

Schöne neue Arbeitswelt. "Das ganze Leben liegt vor dir" ist eine bissige Satire über das Arbeitsleben junger Menschen in Zeiten des Turbokapitalismus. In fast schon surrealen, manchmal leicht märchenhaften Bildern und mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit erzählt der Film von einer intelligenten, promovierten Philosophin, die sich mit einem Job im Callcenter übers Wasser zu halten versucht.

Auch wenn manches fast schon grotesk überzeichnet ist, so bleibt doch eine bitterböse Komödie, die nur allzu oft auch dorthin trifft wo es wehtut. Die Leichtfüßigkeit und auch die Albernheit mit der der Film aufwartet, dürfte den einen oder anderen Zuseher mit Sicherheit vor den Kopf stoßen, ist andererseits aber auch erfrischend anders.

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TEXT © Gerti
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