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Das zehnte Opfer

Das zehnte Opfer

OT: La decima vittima
SCIENCE-FICTION: Italien, 1965
Regie: Elio Petri
Darsteller: Marcello Mastroianni, Ursula Andress, Elsa Martinelli

STORY:

Ein bizarres Spiel sorgt in der Zukunft für den Abbau von Aggressionen und einer scheinbar friedlichen Welt. Ein Großrechner führt Freiwillige für "Die Große Jagd" zusammen und teilt ihnen abwechselnd die Rolle des Jägers oder des Opfers zu. Die verführerische Caroline hat als Opfer den letzten Kampf für sich entschieden und wird nun auf den Italiener Marcello angesetzt. Der ahnt, dass Caroline nicht nur attraktiv ist, und fängt an, seine Netze um sie zu spannen...

KRITIK:

DAS ZEHNTE OPFER ist einer jener Filme, die so durchgestylt sind, dass der Inhalt fast schon egal ist. Für einen Aperol-Spritz im Dachterassencafe, das im Sonnenschein fast nur aus Licht und wenig Schatten zu bestehen scheint, würde ich meine Kreditkarte zum Anschlag auskosten. Wenn dort dann noch ein Saxofonist eine der melancholischen Melodien von Piero Piccioni anstimmt, ist die Lounge-Atmosphäre am Gipfel der Sinneslust angekommen. Irritiert wird man allenfalls durch den Kellner, der den Gästen mitteilt, dass man sich hier nicht erschießen darf.

Schade. Wenn schon sterben, dann wäre das wenigsten ein selten eleganter Ort.

Alles in der poppigen Zukunft von 1965 ist extrem chillig und elegant. Die Große Jagd zeichnet sich nicht durch möglichst reibungslose und zielstrebige Morde aus, sondern durch Ihre Raffinesse: Caroline verführt ihren Jäger im 'Club Masoch' und bringt ihn dann mit Schüssen aus ihrem Metall-BH um.

Doch letztlich ist die Ästhetik nur Sinnbild einer gelebten Langeweile in einer vollkommen durchgeplanten und kommerzialisierten Welt. Denn längst geht es  nicht mehr darum, Aggressionen durch das Spiel zu kanalisieren. Die Große Jagd wird von mächtigen Konzernen finanziert, um die Morde vor laufender Kamera zu zelebrieren und damit bestmöglich zu vermarkten. Und Marcello predigt einen Sonnenkult, ohne daran zu glauben. Er verdient damit seine Brötchen.

Gefühle gibt es ohnehin kaum noch. Vertrauen wird durch Kontrolle ersetzt. Liebe hat in der Welt keinen Platz mehr. Man heiratet vor einem Münzautomat. Ebenso schnell kann man sich wieder scheiden lassen - es ist ausschließlich eine Frage des Geldes. Freundschaft verbindet Marcello nur mit einem elektronischen Krabbeltier. Und obwohl Caroline und Marcello sich gegenseitig umgarnen und miteinander flirten, hat das für sie etwas anachronistisches. Beide können mit echten Gefühlen kaum etwas anfangen.

Konsequenterweise wirkt der Film dann auch etwas unterkühlt, zu verspielt und an einer vermeintlichen Oberfläche verharrend. Zu keinem Zeitpunkt fiebert man wirklich mit, und seine Protagonisten sind viel zu selbstverliebt, als dass sie sympathisch sein könnten. So sieht man sich den Film tatsächlich eher fasziniert an, denn ihn emotional zu erleben.

Gerade dadurch hat man als Betrachter aber die Gelegenheit, das Gesehene zu reflektieren. DAS ZEHNTE OPFER ist einer jener Filme, die dem Zuschauer die Zeit geben, die perfekte Ästhetik des Films nicht nur aufzusaugen, sondern sie zugleich als Ausdruck einer inneren Leere zu verstehen. Genau hierdurch unterscheidet sich Petris Film von den späteren Verfilmungen einer Menschenjagd als Massenunterhaltung.

Das zehnte Opfer Bild 1
Das zehnte Opfer Bild 2
Das zehnte Opfer Bild 3
Das zehnte Opfer Bild 4
Das zehnte Opfer Bild 5
Das zehnte Opfer Bild 6
FAZIT:

Die 60er Jahre: Sie hatten die hübscheren Frauen. Die exquisitieren Kleider. Die cooleren Autos. Die stylisheren Locations. Die psychedelischere Musik. Den besseren Geschmack. Und die intelligenteren Filme.

Davon kann man sich jetzt überzeugen. BILDSTÖRUNG hat den Film in einer vorbildlichen DVD-Ausgabe veröffentlicht.

WERTUNG: 8 von 10 Relaxing Stations an der Autobahn
TEXT © Marcel
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