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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
Deep Star Six

Deep Star Six

HORROR: USA, 1989
Regie: Sean S. Cunningham
Darsteller: Craig Evigan, Nancy Everhard, Miguel Ferrer, Cindy Pickett, Marius Weyers, Nia Peeples, Taurean Blacque

STORY:

Die Besatzung der Unterwasserstation Deep Star Six hat die Aufgabe, am Meeresgrund eine Raketenabschussrampe zu installieren. Der Zeitplan ist straff. So sprengt man unüberlegt ein unterirdisches Höhlensystem, das einer urzeitlichen Kreatur für Jahrmillionen als zu Hause diente.

KRITIK:

Bekanntlich gelten gerade einmal fünf Prozent der Tiefsee als erforscht. Die übrigen 95 Prozent bieten (Drehbuch-)Autoren seit jeher ausgiebigem Raum für fiktionale Spekulationen. Sieht man sich an, was dort unten so kreucht, fleucht und schwimmt, auch kein Wunder. Zählen die bisher klassifizierten Bewohner der Tiefsee doch zu den bizarrsten Lebensformen, die sich auf unserem Planeten so tummeln.

1989 erreichte die filmische Exploration der Tiefsee einen signifikanten Höhepunkt. Gleich fünf thematisch ähnlich gelagerte Filme kamen innerhalb weniger Monate in die Kinos und deckten die qualitative Bandbreite des guten bis schlechten Geschmacks weitgehend ab. Darunter James Camerons ABYSS und George Pan Cosmatos' LEVIATHAN. Den Anfang dieses Jahres der schrecklichen Tauchgänge machte allerdings Sean S. Cunningham mit DEEP STAR SIX, seinem bis dato letztem Film, für den er ein halbwegs brauchbares Budget zu Verfügung hatte. Wobei das Projekt mit den kolportierten 8 Millionen Dollar schon damals vergleichsweise bescheiden dotiert war. Aber immerhin sprechen wir hier von Sean S. Cunningham, der aus einem besseren Bausparer mit FREITAG DER 13. den Grundstein für die langlebigste Slasher-Reihe der Kinogeschichte legte.

Die Ausgangsbedingungen eines submarinen Schockers kommen den kargen Produktionsbedingungen fraglos entgegen: Es herrscht räumliche Enge. In den Kammern der Hauptstation, in der Außenstation, in den Tauchbooten. Viel Kulisse braucht es nicht. Dementsprechend dominieren über weite Strecken Aufnahmen vor blinkenden Steuerkonsolen, Schleusen oder in Cockpits. Cunningham fokussiert sich zunächst auf die teaminternen Dynamiken. Er legt Liebes-, Fick- und Hassbeziehungen offen. Dabei kann er auf einen fast durchwegs talentierten Cast um Nancy Everhard und Cindy Pickett bauen. Insbesondere Miguel Ferrer, schon damals eine von Hollywoods Allzweckwaffen für ambivalente Figuren. Er mimt mit seiner unnachahmlichen und eindringlichen Art den Kommunikationstechniker Snyder, der angesichts der sich zuspitzenden Bedrohungslage zunehmend den Kopf verliert.

Aber ausgerechnet die Besetzung der Hauptrolle erweist sich als Fehlgriff. Babyface Greg Evigan mangelt es schlicht am nötigen Charisma für den toughen U-Boot-Piloten McBride. Selbst der Vollbart reißt ihn nicht heraus. Das Ungeheuer spielt dagegen lange Zeit nur eine Nebenrolle und bleibt außerhalb des Blickfeldes. Mehr als ein Pünktchen am Sonar bekommt man fürs Erste nicht zu sehen. Es dauert über eine Stunde bis man endlich einen genaueren Eindruck der prähistorischen Bedrohung erhält. Bis dahin sieht man es allenfalls aus der Ego-Perspektive durchs Wasser gleiten.

Grundsätzlich ein wirkungsvoller Kniff, um Spannung aufzubauen und ein kreativer Weg die finanziellen Unzulänglichkeiten in einen Vorteil umzudeuten. Aber irgendwann hat man sich dann an der Crew sattgesehen und verlangt nach Eingemachten. Denn schließlich handelt es sich hier um ein creature feature und keine Yasmina Reza-Adaption. Der lange Aufbau weckt zudem Erwartungen, die die Kreatur nicht erfüllen kann. Zwar dürften die handgemachten Effekte aus den Prä-CGI-Zeiten die Herzen der Trash-Fans höher schlagen lassen, doch wirkt das Ungeheuer auf den zweiten Blick etwas lieblos aus Elementen diverser sattsam bekannter Film-Ungetüme zusammengestückelt.

So ein prähistorisches Wesen macht natürlich ordentlich Mist. Der Splatter-Anteil bleibt dafür jedoch überraschend gering. Cunningham verlässt sich überwiegend auf Andeutungen, wie knapp unter der Wasseroberfläche aufquellenden Blutschwälle. Nur bei zwei, drei Gelegenheiten setzt er explizite Akzente. Offenbar das Zugeständnis an ein erhofftes, größeres Publikum. Ein solches blieb dem Film allerdings versagt. DEEP STAR SIX markierte für über ein Jahrzehnt den Rückzug Cunninghams vom Regie-Stuhl. In der Folge verlegte er sich vollends auf die Rolle des Produzenten, worin er in den 00er-Jahren mit Reboots verschiedener Horror-Klassiker veritable Erfolge feiern konnte.

Deep Star Six Bild 1
Deep Star Six Bild 2
Deep Star Six Bild 3
Deep Star Six Bild 4
Deep Star Six Bild 5
FAZIT:

Routiniert inszenierter, durchaus spannender Seemannsgarn. Direkte Vergleiche innerhalb des Jahrgangs belegen, dass man maritime Mythen zwar wesentlich besser (ABYSS), auf jeden Fall aber auch weit schlechter (LORDS OF THE DEEP) verarbeiten kann. Eingefleischte Gorehounds werden jedoch eher bei LEVIATHAN auf ihre Kosten kommen.

WERTUNG: 6/10
Gastreview von Trash Test Dummy
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