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Der Hexentter von Blackmoor

Der Hexentöter von Blackmoor

OT: Il Trono di fuoco
DRAMA/HISTORIENFILM/HEXPLOITATION: D/GB/I/S, 1969
Regie: Jess Franco
Darsteller: Christopher Lee, Leo Genn, Maria Schell, Maria Rohm, Margaret Lee, Hans Hass Jr.

STORY:

Durch Hexenprozesse soll der Lordrichter Jeffries die Macht des unbeliebten Königs James II. festigen. Auch der Sohn des Grafen Wessex, Harry, sowie dessen Geliebte geraten in die Mühlen der Justiz - doch Rettung naht durch die anrückenden französischen und revolutionären Truppen.

KRITIK:

Abt.: A Franco a day...

Es ist ja, wie allgemein bekannt, eine Eigenart des Exploitationfilms, dass jedes auch nur halbwegs pervertierbare Sujet mit ordentlich Sex und Gewalt aufgepeppt ans Bahnhofskinopublikum - also an den Mann - gebracht werden kann. Das 3. Reich ist so ein Thema, Nonnen hinter Klostermauern ein anderes. Noch leichter wird es bei der Hexenverfolgung, einem Machtinstrument der Kirche, das im Laufe der Zeit zum Selbstläufer wurde und dafür sorgte, dass es vor allem für Frauen im 17 Jahrhundert doch eher ungemütlich wurde.

Wo nun also Hexenprozesse sind, da sind auch peinlich Verhöre, sprich Folter, und da ist auch der findige Exploitation-Produzent nicht weit.

Auch wenn das Hexploitation-Sub-Genre recht überschaubar ist, überhaupt kein Vergleich zu den zahlreichen Naziploitern die Italiener wie Bruno Mattei - der alte Schmutzfink - auf die Filmgeschichte losließen, so konnte man doch die ein oder andere Mark oder Sterling Pfund oder Lire damit verdienen.

Einer von denen die das wollten, war Harry Alan Towers. Seines Zeichens findiger Geschäfte- und Filmemacher und in Folge dessen verantwortlich für Werke wie DIE FOLTERKAMMER DES DR. FU MAN CHU und DIE JUNGFRAU UND DIE PEITSCHE.

Wo nun also gequälte und gemarterte Frauen sind, da dürfte auch mein Lieblingsspanier und Filmmysgonist Jess Franco nicht weit sein - für den guten Mann ist das ja quasi die ideale Spielwiese.

1969, ein paar Jahre vor seinen regelmäßigen Besuchen in den Frauenzuchthäusern südamerikanischer Länder und Jahrzehnte vor seinem Absturz zum Fließbandfilmer - wobei, praktisch hat der Mann schon immer gedacht und so flink gerne mal zwei WIP-Reißer am Set von einem gedreht -, hat Franco sogar den ein oder anderen Film mit ernsthaftem "Production value" gedreht. So auch bei DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR, bei dessen Produktion Franco auf dem Regiestuhl Platz nahm - das Drehbuch-Kritzeln blieb indes Aufgabe von Towers höchstselbst, in Zusammenarbeit mit seinem Schergen Anthony Scott Veich.

Von NIGHT OF THE BLOOD MONSTER, wie der Film in den USA vermarktet wurde - und da heißt es deutsche Verleiher seien dreist; die Blicke des gierigen Grindhouse-Publikums, als die Leute merkten, dass sie in 'nem Historienschinken sitzen, kann ich mir gut vorstellen -, existieren dieweil mehrere Fassungen. Die beiden Wichtigsten dürften die alte Deutsche sowie die weltweit längste, von Starlight veröffentlichte Fassung sein.

Erstere, sprich die alte deutsche Fassung, ist um gut 20 Minuten gekürzt - allerdings weist sie fast nur Handlungsschnitte auf, so dass sie durchaus knackiger daher kommt -, und liegt dieser Rezension zu Grunde.

Nun bin ich zwar - dank Erwerb der Special Deluxe Edition von Starlightfilms - auch im Besitz der handlungstechnisch ungekürzten bzw. erweiterten Langfassung, aber ganz ehrlich, 'n fast zwei Stunden langer Franco mit richtiger Handlung - das ist mir dann doch ein wenig zu viel.

Handlung ist das Stichwort, denn davon gibt's 'ne ganze Menge - ein sicheres Indiz also schon mal dafür, dass Franco nichts mit dem Drehbuch zu tun hatte. Andererseits jedoch auch kein Garant dafür, dass die Plotte wirklich was her macht und vor Doofheit nur so platzt.

Letzteres trifft für DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR allerdings nur bedingt zu, denn selbst in der geschnittenen Fassung macht die Handlung noch was her. Denn, dessen sollte man's sich vor Goutierung des Werkes gewahr sein, auch wenn Jess "Lass die Peitsche knallen" Franco hier die Zügel in der Hand hatte, haben wir es mit einem Drama vor historischer Kulisse zu tun.

Selbstverfreilich kommt der Hexentöter nicht ohne Exploitationmomente aus. Diese manifestieren sich dieweil in einigen Foltersequenzen - die ob ihrer Einfachheit doch eine gewisse Wirkung haben -, welche dennoch seltener sind als es das Sujet vermuten lässt und die sich überwiegend in der letzten Filmhälfte tummeln.

Zurückführen lässt sich diese gewisse Inkonsequenz auf die Tatsache, dass es sich bei IL TRONO DI FUOCO um eine deutsch-/ italienische- /britische-/ spanische Co-Produktion handelt, was nun zum einen dazu führte, dass Franco einiges an Kohle zur Verfügung stand - was man auch daran merkt, das es Pyrotechnik und "Massenszenen" jenseits einer Gefängnisdusche zu bestaunen gibt - und durch den "Production value" tatsächlich ein gewisses historisches Flair entsteht - immerhin entstanden die Außenausnahmen an Schauplätzen in Spanien und Portugal. Auf der anderen Seite jedoch hatte jeder Co-Produzent auch seine eigene Vorstellung vom Endprodukt - was man diesem glücklicherweise nicht allzu negativ anmerkt.

Aber was auch immer dabei nun rausgekommen sein mag, Horror, wie THE BLOODY JUDGE mancher Orts gelistet wird, ist er zu keiner Zeit.

Nun ja, befassen wir uns mit dem Drehbuch - von mir an dieser Stelle immer gerne Serviette, Bierdeckel oder Post-it genannt. Diesmal jedoch nicht, denn - ich muss es zugeben - Towers und Veich brachten es nämlich sogar fertig gebracht, eine für Exploitationverhältnisse gar ausgeklügelte Geschichte zu erzählen.

Die beiden schienen hoch hinaus zu wollen, ein wenig zu hoch wie es scheint. So fügen sich trotz allem leider nicht alle Handlungsstränge nahtlos zusammen. Das beste Beispiel wäre Maria Schells Rolle als blinde Hexe. Es ist nur allzu offensichtlich, dass ihre Rolle dem bloßen Auffahren großer Namen dient, handlungstechnisch sind die knapp fünf Minuten, die die gute Frau denn auch zu sehen ist, nicht nur äußerst irrelevant, sondern auch verwirrend - da der Sinn ihrer Figur sich nie wirklich ergibt.

Zum anderen bleibt die Frage, warum sich ein großer Teil um Alicias Verurteilung dreht - mal abgesehen davon, dass Franco die Streckbank auspacken konnte. Für die Handlungsentwicklung ist denn nämlich auch dieser Handlungsstrang nicht allzu wichtig und erscheint eher wie ein überlanger Prolog. Die einzige Verbindung wäre demnach nur die Tatsache, dass sich Mary zwar nicht für ihre Schwester hergibt, für ihren Harry aber sofort den Schlüpfer lupft.
Darüber hinaus geschieht alles ein klein wenig zu schnell. Da werden hier und da neue Figuren eingeführt oder ganze Kriege gefochten, während man das Gefühlt nicht los wird, dass erst zwei Tage vergangen sind - bis zu einem gewissen Grad könnte das jedoch an den Kürzungen liegen.

Die Charakterisierung kann sich indes sehen lassen, denn immerhin findet hier eine statt - und das versteht sich im Exploitationfilm nicht von selbst - auch wenn in der deutschen Fassung nur ein Minimum davon übrig bleibt. Lord Jeffries z. B. denkt zumindest eine Sekunde darüber nach, ob seine Taten - sprich Foltern, Verbrennen und all die anderen kirchlichen Partyspiele - wirklich gerecht sind. Internetrecherchen zufolge geht die Langfassung näher darauf ein.

Lord Wessex hingegen beginnt auch so am System und dem Blackmoor'schen Hexentöter zu zweifeln.

Harry und seine Gefolgsleute bleiben ziemlich blass und eindimensional. Das einzige was Mary ein bisschen abhebt, ist die Bereitschaft sich für diesen oder jenen nackig, oder eben nicht, zu machen - aber besser als nichts, newa.

Ein Ort namens Blackmoor ist - wer hätte das gedacht - ebenso wenig aufzufinden wie etwaige Kirchenkritik, dafür brüstet sich wenigstens auch niemand damit etwas anprangern zu wollen, wie das bei so manchem Italo-Schmodderant der Fall ist, der seinen Lager-Exploiter als sozialkritisches Meisterwerk bezeichnet. Auf der anderen Seite, sind solche Filme ja schon von vorneherein, zumindest bis zu einem gewissen Grad, die Kritik selbst.

Frei von Käse ist also auch das Drehbuch zu DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR nicht, allerdings auch nicht so strunzdoof wie man erwarten könnte oder es Genrekollegen tatsächlich sind.

Kommen wir also ohne große Überleitung zu den Darstellern, denn diesmal gibt es wirklich welche, die diese Bezeichnung auch verdienen. Heißt, Franco standen nicht bloß mäßig talentierte Nasenbären zur Verfügung. Sogar große Namen lassen sich munter in die Runde werfen, und damit sind weder Lina Romay noch Eric Falk gemeint - is' ja immerhin keine Elite Film-Produktion, newa.

Maria Schell zum Beispiel. Die gute Dame kann ja auf eine quantitativ gelungene Filmographie zurückblicken - im deutschsprachigen Raum war sie Ende 60, Anfang der 70 recht bekannt. Die fünf Minuten die sie beim Hexentöter hatte allerdings, dienten - wie bereits vermutet - wohl bloß dem "name dropping". Schauspielerisch leistet sie auf jeden Fall nicht viel - wobei es auch schwer sein dürfte, ihre Rolle halbwegs ernst zu nehmen.

Christopher Lee, der Dracula der Hammerstudios, spielt derweil mitnichten "Die härsteste Rolle seines Lebens", denn Hand legt er nie selber an - ich wage sogar zu behaupten, dass der gute Mann von den sleazigen Inquisitionsverhören beim Dreh nichts wusste. Was er denn aus Jeffries gemacht hat, ist nicht wirklich überragend, aber durchaus solide. Erstaunlicherweise findest sich jedoch auch im Nebencast kein wirklicher Totalsausfall und man müsste sich eigentlich ein Kreuz im Kalender machen - der Tag an dem man einen Franco ohne untertalentierte Vollpfosten sah... gibt's ja auch nicht alle Tage.

Auch nicht alltäglich ist das relativ hohe technische Niveau von TRIAL OF THE WITCHES. Das beweist, ein klein bisschen Talent steckt selbst in Schmuddelbarde Jesus Franco und wenn er nur ein ordentliches Budget zur Verfügung hat, lässt er es sogar raus. Nicht, dass mich jetzt jemand falsch versteht, beim Vergleich mit einem richtigen A-Film, von einem richtigen Regisseur - jetzt bloß nicht an Emmerich und Konsorten denken, bitte - zieht WITCHKILLER OF BROADMOOR eindeutig den Kürzeren.

Davon abgesehen, kann sich das Endprodukt dennoch sehen lassen. Die Schlachtenszenen sind recht dynamisch inszeniert und hier und da konnte Franco sogar so etwas wie Spannung erzeugen.

Die DVD aus dem Hause Starlight bietet in der Special Deluxe Edition wie bereits erwähnt die alte deutsche sowie die weltweit längste Fassung. Beide sind in einem hübschen Digipack, im hübschen Schuber. Dazu bietet Disc 1 noch reichlich Extras, wie Interviews mit Lee und Franco, Production Stills, Info-Texttafeln etc. pp.
Alles in allem eine lobenswerte Veröffentlichung.

Der Hexentöter von Blackmoor Bild 1
Der Hexentöter von Blackmoor Bild 2
Der Hexentöter von Blackmoor Bild 3
Der Hexentöter von Blackmoor Bild 4
Der Hexentöter von Blackmoor Bild 5
Der Hexentöter von Blackmoor Bild 6
Der Hexentöter von Blackmoor Bild 7
Der Hexentöter von Blackmoor Bild 8
FAZIT:

Er ist wahrlich kein typischer Franco, DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR. Dementsprechend fällt es ein wenig schwer eine allgemeine Empfehlung auszusprechen, denn die üblichen Verdächtigen kommen nur bedingt in Frage.
Für die Frauenknast- und Sleazefraktion sind die typischen, gewünschten Elemente wohl nicht in ausreichender Zahl vorhanden.
Trashig wird's auch nur äußerst selten, somit fällt auch die Trashfraktion aus - und für die bierselige Filmrunde ist er schlicht zu "ernst".
Man könnte demnach fast die These aufstellen, dass sich der Unterhaltungswert von Francos Werken antiproportional zum Budget verhält.
Seriöse Cineasten oder geschichtlich Interessierte würden eine Goutierung mit großer Wahrscheinlichkeit nicht einmal in Erwägung ziehen.
Bleiben letztlich nur jene übrig, die Beweise wollen, dass Franco irgendwann einmal mit so etwas wie Talent zu Werke ging. Oder jene die einen historischen Filme sehen möchten, ohne allzu sehr mit Historie belästigt zu werden.
Oder eben jene, die auch mit nur einem bisschen oben genannter Elemente auskommen und trotz geringerem Unterhaltungswert auch mal eins seiner Werke jenseits schmuddligen Klamauks oder subtropischer Gefängnis-Inseln sehen möchten.
Ein etwas außergewöhnlicher Franco-Film also, aber beim besten Willen nicht außergewöhnlich gut - und schon gar nicht sein Bester -, weil, nicht so unterhaltsam wie die Werke seiner mittleren Schaffensphase. Dafür aber recht solide inszeniert und durchaus einen Blick wert.

WERTUNG: 6 von 10 viergeteilten und dann aufgehängten Hexenmeistern.
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