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Der Spion, der aus der Klte kam

Der Spion, der aus der Kälte kam

OT: The Spy who came from the cold
AGENTENTHRILLER: USA, 1965
Regie: Martin Ritt
Darsteller: Richard Burton, Claire Bloom, Oskar Werner

STORY:

Alec Lamas (Richard Burton) ist gestandener Agent und ehemaliger Leiter der West-Berlin-Abteilung des britischen Geheimdienstes. Sein neuer Auftrag ist es den Chef der Ost-Berliner Gegenspionage zur Strecke zu bringen. Der Plan dafür ist jedoch so komplex, dass eigentlich niemand so genau weiß, was hier wirklich gespielt wird ...

KRITIK:

John le Carré Thriller sind so etwas wie der "realistische" Gegenwurf zu den eher "unrealistischen" (haha!) James Bond-Abenteuern. Geheimdienstarbeit strahlt hier überhaupt keinen Glamour aus, sondern ist ein schmutziges Geschäft von paranoiden und teilweise korrupten, ja sagen wir einfach wie es ist, Psychopathen.

Statt James Bond treffen wir hier immer wieder auf George Smiley, der mal im Zentrum des Geschehens, mal als zwielichtige Nebenrolle, welche nur die Fäden zieht, auftritt. Weniger als attraktiver Tatmensch, der sich haufenweise Bondgirls von Leibe halten muss und in jeglicher Lebenssituation frisch gestriegelt und rasiert wie ein wandelnder Werbespot wirkt, sondern schon viel eher klein, dick und von ruhiger Gemütsart, schien er eine Menge Geld für wirklich miserable Anzüge auszugeben, die auf seinem viereckigen Gestell wie die Haut einer verschrumpelten Kröte wirkten.

Auch sind die Plots ein wenig anspruchsvoller. Die Schachzüge, die hier ausgetragen werden, lassen einen jegliche Sicherheit in Bezug auf Gut und Böse vermissen. Der von Richard Burton - is eh klar - hervorragend dargestellte Agent Leamas ist nichts weiter als eine Figur in einem Spiel, das von jemand anders gespielt wird. Und dieser jemand interessiert sich überhaupt nicht mehr für Menschen.

Das Spiel der Mächte im Kalten Krieg hat sich sozusagen verselbstständigt und das ursprüngliche Ziel, so es jemals ein solches gegeben haben mag, ist völlig hinter einen widerlichen Selbstzweck zurückgetreten. Das ist natürlich alles schön und gut und das sollte man sich von einem intelligenten Agentenfilm auch erwarten können. Was "Der Spion, der aus der Kälte kam" jedoch deutlich über den Durchschnitt hinaus hebt, ist seine Machart.

Schwarz-Weißfilme aus dem Jahr 1965 neigen manchmal dazu nicht mehr ganz so taufrisch zu wirken. Hier hat Regisseur Martin Ritt jedoch beachtliches geleistet. Dass es unheimlichen Spaß macht Darstellerschwergewichten wie Richard Burton oder Christoph Waltz' Urahnen Oskar Werner bei der Interpretation ihrer Rolle zuzusehen, ist keine große Überraschung.

Dass aber der ganze Film auch aus heutiger Sicht einfach eine zeitlos-dynamisch inszenierte Augenweide ist, der keine Sekunde Langeweile aufkommen lässt, ist dann doch eine Überraschung. Martin Ritt war mir bisher nur als Darsteller aus Maximilian Schells (eine anderer Urahne Waltz') "Der Richter und sein Henker" bekannt. Das dieser Herr zweifellos ein großartiger Regisseur war, von dem es wahrscheinlich viel zu entdecken gibt, ist eine sehr erfreuliche Erkenntnis. Dieser, sein Film ist jedenfalls bedenkenlos zu empfehlen: Intelligentes und unterhaltsames Kino!

Die DVD ist erschienen bei Winklerfilm.

Der Spion, der aus der Kälte kam Bild 1
Der Spion, der aus der Kälte kam Bild 2
Der Spion, der aus der Kälte kam Bild 3
Der Spion, der aus der Kälte kam Bild 4
Der Spion, der aus der Kälte kam Bild 5
FAZIT:

Der Spion, der aus der Kälte kam ist ein Film, der seinen ikonischen Titel mehr als nur verdient. Ich wage zu behaupten, dass dieser Agentenfilm mit seinem raffinierten Plot, großartig dargestellten Charakteren und seiner schönen Inszenierung auch Zuseher, die heutigen Sehgewohnheiten voll und ganz verfallen sind erstklassig unterhalten wird. Tolles, zeitloses Meisterwerk, das in keiner DVD-Sammlung fehlen sollte.

WERTUNG: 8 von 10 Schachzügen
TEXT © Ralph Zlabinger
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