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Der Tag, an dem die Erde Feuer fing

Der Tag, an dem die Erde Feuer fing

OT: The Day the Earth caught Fire
SCIENCE-FICTION: GB, 1961
Regie: Val Guest
Darsteller: Janet Munro, Leo McKern, Edward Judd

STORY:

In London kommt es zu einer Hitzewelle sondergleichen, und auch in anderen Regionen der Erde spielt das Wetter verrückt. Als die Katastrophenmeldungen zunehmen, sucht ein Reporterteam nach der Ursache, und findet zumindest einen Anhaltspunkt in einem Nuklearbombentest. Doch der britische Premierminister ist viel zu sehr damit beschäftigt, sein Volk zu beruhigen. Und spielt auf Zeit - die die Erde vielleicht gar nicht mehr hat.

KRITIK:

Das ist nun einer dieser unwiderstehlichen, britischen Sci-Fi-Klassiker, die sich dadurch auszeichnen, das sie ein brisantes Thema deutlich zurückhaltender angehen als etwas die amerikanische Konkurrenz. Hollywood visualisierte die Angst vor dem gespaltenen Atom gewöhnlich durch Riesenameisen und andere mutierte Insekten. Dadurch wurde natürlich einerseits der Sense-of-Wonder bedient, andererseits aber auch die brisante Thematik trivialisiert. Das europäische Kino hatte dagegen nicht nur einen etwas ernsteren Zugang zu dem Thema, es konnte auch nicht so exzessiv mit Spezialeffekten protzten und musste daher nach alternativen Wegen suchen.

So lässt DER TAG... etwa seine Geschichte aus der Sicht von Reportern erzählen. Das kommt dem Zuschauer durchaus entgegen, denn Reporter werden ja dafür bezahlt, dass sie möglichst neugierig sind und sie finden im Zuschauer daher einen dankbaren Komplizen. Zudem verrät der Prolog zwar, dass es auf der Erde ungemütlich wird, aber schweigt sich über das genaue Maß der Katastrophe als auch über die Ursache aus. Mit diesem an sich simplen erzählerischen Trick schlägt der Film gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Zum einen kann der Film sich mit der Suche nach der Ursache der Klimaerwärmung Zeit lassen und sie als bewusstes Spannungselement inszenieren. Eine Zeitlang fokussiert der Film eher das neckische Spiel zwischen dem Reporter und der Telefondame vom Wetteramt und entwickelt sich dabei deutlich zur klassischen Screwball-Comedy. Zum anderen - und hier kommen die Beschränkungen ins Spiel - kann er so seine wenigen Spezialeffekte für die zweite Hälfte des Films aufsparen, die sparsam, aber wirkungsvoll etwa London unter einer Hitze-Nebeldecke zeigen.

Erst im Laufe der Zeit verlagert sich das Hauptaugenmerk auf den Atomwaffentest und seine Folgen. Auch wenn der Film auf ein drastisches Szenario verzichtet, wie es etwa Peter Watkins nur drei Jahre später in dem Pseudodokumentarfilm WAR GAME schildert, so ist der Appell durchaus wirkungsvoll, insbesondere auch beim Abspann, der auf das beruhigende und übliche "The End" verzichtet.

Anscheinend aber scheint Konsens darüber zu herrschen, dass man Filmen, die ein gewisses Alter erreicht haben, jede erzählerische Spannung absprechen darf. Nur so ist es zu erklären, dass mir jede bekannte Rezension in schöner Regelmäßigkeit die Geschichte in Gänze nacherzählt und auch auf dem Klappentext der DVD völlig ungehemmt schon mal die ersten 75 Minuten zusammengefasst sind.

Nun gibt es aber immer noch Menschen, die Filmgeschichte entdecken und erleben wollen und sich ein wenig die dafür notwendige Naivität erhalten haben. So lobenswert also die deutsche Veröffentlichung ist - und die meisten Käufer der DVD den Film sicher schon kennen und schätzen-, so bleibt dem leidgeplagten Filmenthusiasten leider nur, sich an den spritzigen Dialogen, dem geschickten Einsatz der Monochromie oder der Beatnik-Musik von Monty Norman retrospektivisch zu ergötzen.

Der Tag, an dem die Erde Feuer fing Bild 1
Der Tag, an dem die Erde Feuer fing Bild 2
Der Tag, an dem die Erde Feuer fing Bild 3
Der Tag, an dem die Erde Feuer fing Bild 4
FAZIT:

Val Guest setzt seine Sci-Fi-Erfahrung aus der Quartermass-Reihe fort und inszeniert einen beachtlichen Aufruf gegen Atomwaffentests und Klimaerwärmung. Auch wenn die Naivität, mit der das geschieht, heute eher rührt, darf man Val Guest dafür auszeichnen, ein Schreckenszenario geschaffen zu haben, das sich wohltuend und deutlich von den Mutanten und Post-Doomdsday-Filmen Hollywoods unterscheidet.

WERTUNG: 7 von 10 vorab gedruckten Titelseiten
TEXT © Marcel
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Hans-Christian | 13.01.2011 07:21
Den habe ich vor Urzeiten, als es noch nur Programme gab, irgendwann in den 1970er, spätabends im 1. gesehen. Er hat mich damals unheimlich beeinflusst und fasziniert. Spannend war er auch. Ich sollte ihn mir mal wieder besorgen und schauen, wie er aus der Distanz wirkt.
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