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Der Zauberbogen

Der Zauberbogen

OT: Archer: Fugitive from the Empire
FANTASY: USA, 1981
Regie: Nicolas Corea
Darsteller: Lane Caudell, Belinda Bauer, Victor Campus, George Kennedy

STORY:

Schlangenmenschen bedrohen die Stämme unter König Brakus. Als nach einem Verrat der König tot und sein Sohn Toran vogelfrei ist, scheint der Thron in böser, geschuppter Hand zu sein...Doch in der Verbannung erhält Toran den titelgebenden Zauberbogen und Unterstützung durch einen Dieb und eine halbgöttliche Amazone. Zu dritt machen sie sich auf, um das Königreich zu retten ...

KRITIK:

DER ZAUBERBOGEN ist Fantasy-Trash aus den Achtzigern, der den alten italienischen Sandalenkloppern aus den 60ern deutlich näher steht als den gegenwärtigen HERR DER RINGE-Epen eines Peter Jackson. Damit sollte die Zielgruppe klar abgesteckt sein. Die Zeugen Herakles, aber auch die Veteranen vom alten KAMPF DER TITANEN dürfen sich grundsätzlich angesprochen fühlen. Wobei DER ZAUBERBOGEN eher durch trashige, aber nette Maskenarbeit Sympathiepunkte sammelt als mit drolliger Stop Motion des Letztgenannten. Stop Motion gibt es hier leider gar nicht, was insbesondere das nostalgische Publikum bedauern wird. Aber wie gesagt: Die Schlangenmenschen sehen ordentlich aus und auch die Maske des unterweltlichen Knochengesichts, welches in den besten Momenten dieses Werks eine gewichtige Rolle spielt, macht was her.

Trotzdem sollte man sich beim ZAUBERBOGEN über einige Dinge im Vorfeld im Klaren sein: Die Langhaar-Perücken mancher Darsteller sind natürlich schon etwas albern. Wenn sich also jemand fragt, wo zum Teufel eigentlich der im Vorspann genannte George Kennedy abgeblieben ist; das ist der Typ mit den blonden Zöpfen, der aussieht wie Asterix im Rentenalter mit der Figur von Verleihnix.

Auch das bombastische epische Orchester ist leider kein Orchester, sondern kommt aus dem Synthesizer und well; die deutsche Synchronisation. Die ist so über die Stränge markig, dass sie zwar ebenfalls haarsträubend ist, aber man ihr andererseits deswegen unmöglich böse sein kann.

Da ist die über weite Strecken fehlende Dynamik schon ein entschieden größerer Makel. Dramaturgisch gesehen ist DER ZAUBERBOGEN oft nicht gespannt, sondern hängt dann und wann ganz schön durch. Denn die ohnehin sehr dünne Hintergrundgeschichte wird in den ersten beiden Filmdritteln viel zu breit ausgewalzt und gewinnt dabei nicht einmal an Substanz. Wo beim originalen KAMPF DER TITANEN in der gleichen Zeit bereits Unmengen von Stop Motion-Monstern den Bildschirm unsicher gemacht hätten, wo Herakles schon bergeweise Felsbrocken auf die Feindesscharen geschleudert hätte, wo JASON UND DIE ARGONAUTEN schon mindestens drei Götterprüfungen absolviert hätten; da labert man im ZAUBERBOGEN immer noch um den heißen Brei herum.

Der Trailer schaut eigentlich ganz nett aus. Er verspricht charmanten Fantasy-Trash mit vielen Kloppereien mit Schlangenmenschen und Ausflüge in die nebligen Gefilde der Unterwelt. Tatsächlich zeigt er aber schon die ganzen zwei Minuten Action, die der 95-minütige ZAUBERBOGEN überhaupt in petto hat. Das ist schon ein bißchen dürftig, denkt ihr? Yeah, denke ich auch.

Wobei - ganz ohne Charme ist dieser Trash aus Zeiten, in denen "Hexerei und Dämonen so wirklich wie der Tag und die Nacht waren" freilich nicht. Wenn sich das Heldentrio (Klischeebedienung de Luxe: der muskelbepackte, verbannte Königssohn, die Amazone, der Dieb) findet, gewinnt die Sache etwas an Reiz. Nur leider treffen sie sich erst nach einer Filmstunde ...

Dabei hätte alles viel schöner sein können: Im letzten Drittel besinnt man sich auf die hehren Vorbilder. Das Heldentrio steigt in die Unterwelt zu den Nebelschwaden und untoten Kriegern und DER ZAUBERBOGEN wird zu einer lupenreinen, amerikanischen Coverversion von Bavas VAMPIRE GEGEN HERAKLES. Bezeichnenderweise sind dies die spannendsten Minuten des Films ...

PS: Übrigens endet DER ZAUBERBOGEN mitten in der Handlung, weil man wohl dachte, der Film würde so einschlagen, dass das Publikum dem Spannungsherzkasper nahe und mit gezückter Fernbedienung nach einer Fortsetzung von Torans Kampf wider den Schlangenmenschen gieren würde. Dies stellte sich als Trugschluss heraus und somit war es mit der anvisierten TV-Serie, deren Pilotfilm DER ZAUBERBOGEN darstellt, natürlich Essig. Es gibt aber Schlimmeres: Zum Beispiel warten meine Kinder und ich immer noch auf den dritten DREI FRAGEZEICHEN-Film!

Der Zauberbogen Bild 1
Der Zauberbogen Bild 2
Der Zauberbogen Bild 3
Der Zauberbogen Bild 4
Der Zauberbogen Bild 5
FAZIT:

Langhaarperücken und Schlangenmenschen; Zauberbögen und verbannte Königssöhne. Nicht richtig in die Puschen kommender US-Fantasytrash, welcher den italienischen Sandalenkloppern freilich nähersteht als den bombastischen Tolkien-Verfilmungen der Gegenwart. Das Problem: Trotz netter Maskenarbeit und einem halbwegs unterhaltsamen Finale im nebeligen Hades spielt DER ZAUBERBOGEN längst nicht in der Liga von Genrekollegen wie JASON UND DIE ARGONAUTEN, THE SWORD AND THE SORCRER, KAMPF DER TITANEN oder dem italienischen Kino Kollosal der 60er. Was natürlich auch daran liegen könnte, dass wir es hier nicht mit einem Kinofilm, sondern nur mit einer aufwändigen TV-Produktion zu tun haben.
Seit 29.April 2011 via Koch Media auf DVD in die Läden.

WERTUNG: 4 von 10 explosiven Pfeilen
TEXT © Christian Ade
Dein Kommentar >>
oldscoolfan | 14.09.2015 17:08
lol @thgomas is schon klar das her der ringe jung
und der zauberbogan alt ist.
der zauberbogen ist kult, herr der ringe is
dreck.
ausser das traschige aus den 80´gern halb film
halb anime.
>> antworten
thomas | 03.05.2011 17:55
Warum machen die immer diese neuen Cover das alte war 100 mal besser.Nur das wieder ein paar glauben Ui Leiwand "Herr der Ringe 4" oida.Grrrr
>> antworten